Am Bedarf vorbei gebaut Immobilienspezialist über Mietpreis-Explosion und den Leerstand von morgen

Robert Annabrunner, Bereichsleiter Drittvertrieb der DSL Bank

Robert Annabrunner, Bereichsleiter Drittvertrieb der DSL Bank

Explodierende Mieten, monatelange Wohnungssuche, lange Schlangen bei Besichtigungsterminen – das ist Alltag in Deutschland. In den kommenden Jahren dürfte sich die Situation noch weiter verschärfen. Das zeigt eine Hochrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Um den Bedarf zu decken, müssten demnach bis 2020 bundesweit rund 1,5 Millionen Wohnungen gebaut werden.

Doch die Bautätigkeit deckt derzeit nur etwa die Hälfte ab. Vor allem aber werden Wohnungen oft nicht dort gebaut, wo sie wirklich gebraucht werden. Besonders düster sieht es in den größeren Städten aus. Hier wird im Schnitt nur ein Drittel der benötigten Wohnungen gebaut. Da hilft es auch relativ wenig, wenn die Zahl der Baugenehmigungen zunimmt. Denn bei Weitem nicht alle genehmigten Vorhaben werden auch umgesetzt, und zudem stimmt die Verteilung nicht.

In ländlichen Regionen wurden in den vergangenen Jahren viele Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut. Hier wurde sogar oft deutlich über den eigentlichen Bedarf hinaus gebaut. So entsteht der Leerstand von morgen. Auf der anderen Seite tut sich viel zu wenig beim klassischen Geschosswohnungsbau, der in den Großstädten benötigt wird. All das macht deutlich, dass der Neubau in Deutschland nicht nur zunehmend hinter den Bedarf zurückfällt, sondern dass wir auch am Bedarf vorbei bauen.

Mieten und Wohnungspreise in Großstädten werden daher weiter steigen. Wichtig wäre jetzt, dass die Städte zügig mehr Bauland ausweisen. Zudem muss in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden, um stadtnahe Gemeinden besser anzubinden und das Wohnen im Umland attraktiver zu machen. Auch eine Ausweitung der staatlichen Förderung für den Wohnungsbau wäre ein wichtiger Impuls. Fest steht: Wenn wir ähnliche Entwicklungen wie in London, Paris oder Madrid verhindern wollen, wo sich praktisch nur noch Reiche eine Wohnung in der Innenstadt leisten können, dann muss die Preisspirale gestoppt werden.