Amazon & Co. Wenn disruptive Geschäftsmodelle die Finanzmärkte auf den Kopf stellen

Amazon-Lager in Amiens, Frankreich: Investoren müssen sich fragen, welche etablierten Firmen von dem Online-Versandhändler überrollt zu werden drohen. | © Getty Images

Amazon-Lager in Amiens, Frankreich: Investoren müssen sich fragen, welche etablierten Firmen von dem Online-Versandhändler überrollt zu werden drohen. Foto: Getty Images

Craig Bonthron, Co-Manager des Kames Global Sustainable Equity Fund (ISIN: IE00BYZHYQ76) ist sich sicher: Amazon ist das Paradebeispiel eines disruptiven Unternehmens. Daneben sind aber auch viele andere Akteure in der Lage, etablierte Marken zu verdrängen. Sie haben dank ihrer globalen Suchalgorithmen und cloudbasierten Plattformen die Beschaffungsketten für Waren und Dienstleistungen deutlich transparenter gemacht und bedrohen traditionelle Unternehmen.

„Alle spüren die Gefahr – vom stationären Einzelhandel über industrielle Vertriebsgesellschaften und ehemals mächtige Verbrauchsgütermarken bis hin zu Fernsehsendern. Undurchsichtige Preismodelle oder Größenvorteile haben disruptiven Unternehmen eine komfortable Position mit hohen Margen und Renditen beschert, von der aus sie sich nun entsetzt einem neuen strategischen Dilemma gegenübersehen. Denn die Kosten für die Einführung neuer Technologien sinken und sind besser skalierbar, gleichzeitig treibt die weitreichend öffentliche Transparenz die Preise nach unten und dämpft die Aussichten für die Zukunft“ erklärt Bonthron.

„Verdrängungsgefahr ist bei etablierten Unternehmen am größten“

Anleger müssen sich fragen, welche etablierten Firmen wohl in den kommenden Jahren von Amazon & Co. überrollt werden. Laut Bonthron ist die Verdrängungsgefahr bei etablierten Unternehmen mit adressierbaren Märkten und hohen Kapitalrenditen am größten. 

„Bei den Unternehmen, die disruptiven Geschäftsmodellen nicht zum Opfer fallen werden, sind für uns folgende Merkmale von Bedeutung: gute vertikale Integration, Kontrolle über Fertigung, Vertrieb und Kundenbeziehungen. Ebenfalls wichtig sind für uns transparente Preise, guter Kundenkontakt und das Angebot hochwertiger Produkte unter einer starken Marke“, betont Bonthron und fügt hinzu: „Unternehmen mit diesen Eigenschaften besitzen meistens die größte Preismacht. Firmen mit horizontalen Geschäftsmodellen, undurchsichtigen Preisen und hohen Renditen sind unterdessen in Gefahr. Das Risiko ist besonders groß, wenn Unternehmen aufgrund ihrer stabilen Gewinne von Investoren geschätzt werden. Diese Stabilität kann nämlich schnell ins Wanken geraten, wenn ein disruptiver Konkurrent auf der Bühne erscheint.“