„America alone“ statt „America first“ Lässt der Handelskrieg die Börsen crashen?

Gutes Jahr für „Treasuries“, die wieder bei etwa 3 Prozent rentieren: Entwicklung der Renditen von US-Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 Jahren (grauer Chart) sowie 5 (blau) beziehungsweise 2 (rot) Jahren während der vergangenen zwölf Monate. | © GVS Financial Solutions GmbH

Gutes Jahr für „Treasuries“, die wieder bei etwa 3 Prozent rentieren: Entwicklung der Renditen von US-Staatsanleihen mit Laufzeiten von 10 Jahren (grauer Chart) sowie 5 (blau) beziehungsweise 2 (rot) Jahren während der vergangenen zwölf Monate. Foto: GVS Financial Solutions GmbH

Guido vom Schemm, GVS Financial Solutions

Eines muss man US-Präsident Trump lassen: Er lässt seiner Ankündigung „America first“ seit Monaten Taten folgen. Er kündigte das Nafta-Abkommen, eine neue Steuerreform wurde verabschiedet, er löste den Atom-Deal mit dem Iran eigenmächtig auf und jetzt macht er in Sachen Strafzöllen ernst.

Inzwischen artet dieser Aktionismus aber aus, sodass die internationalen Handelspartner und sogar Verbündete verärgert Gegenmaßnahmen ergreifen und sich Trumps einseitiges Vorgehen nicht tatenlos gefallen lassen. Dieser sich zu spitzende Handelskrieg sorgt für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Kann eine Verschärfung des Handelskrieges zum Börsencrash führen?

Internationales Pingpong

Seit März spielen die USA und China in Sachen Strafzölle internationales Pingpong. Die Amerikaner führen Strafzölle ein, die Chinesen reagieren, die Amerikaner schlagen zurück, die Chinesen legen nach – getreu dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Zölle auf Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar will Trump von China verlangen.

Doch nicht nur das: Erhebt China Gegenzölle, sollen Strafabgaben für Handelsartikel im Umfang von 200 Milliarden US-Dollar folgen. Kontert der rote Riese auch das, will Trump Zölle für weitere 200 Milliarden überprüfen lassen.

Insgesamt also ein Gesamtpaket in Höhe von 450 Milliarden US-Dollar - mathematisch ist es kaum möglich für China gleichzuziehen: Die Volksrepublik importierte im vergangenen Jahr nämlich bloß US-Produkte für 130 Milliarden US-Dollar.

US-Bürger als Verlierer

Es wird nur Verlierer geben, denn die US-Strafzölle gegen China betreffen jetzt die Hälfte aller Waren, welche die Amerikaner in der Volksrepublik einkaufen. Somit leidet nicht nur China unter den Strafzöllen, die USA, insbesondere die Konsumenten spüren die Gegenmaßnahmen auch. Computer, Smartphones, Kleidung, Spielzeug. Diese Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens werden für US-Bürger, und somit auch für Trumps Wähler, ab sofort teurer.

Es stellt sich die entscheidende Frage, ob China mittlerweile so stark ist, um den Amerikanern richtig weh zu tun. So exportabhängig wie noch vor einigen Jahren ist Chinas Volkswirtschaft nämlich nicht mehr. Nur noch etwa 20 Prozent der Wirtschaftsleistung basieren auf Ausfuhren. Dazu treibt China das Megaprojekt „one belt, one road“ (OBOR) massiv voran.

Aber China hat noch ein weiteres Ass im Ärmel. China ist mit 1,18 Billionen Dollar der mit weitem Abstand größte Besitzer von US-Staatsanleihen. Stoßen sie diese massiv ab, wird es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen. Einen kleinen Vorgeschmack haben Investoren in den letzten Wochen bekommen, hatte Russland nach den neuen US-Sanktionen im April US-Staatsanleihen liquidiert, so hat sich der Bestand in dem Monat quasi halbiert von 96,1 auf 48,7 Milliarden US-Dollar. Daraufhin sind die Zinsen für zehnjährige US-Papiere deutlich gestiegen.