Amundi Geopolitische Risiken könnten die Rally unterbrechen

Trader in der Börse von Dubai. Neue Spannungen im Nahen Osten beeinflussen auch den Ölpreis. | © Getty Images

Trader in der Börse von Dubai. Neue Spannungen im Nahen Osten beeinflussen auch den Ölpreis. Foto: Getty Images

Aufgrund der sich robust entwickelnden Weltkonjunktur und der erwarteten Steuerreform in den USA hielt der Boom bei Risikoanlagen im vergangenen Jahr unvermindert an. Die Volatilität an den Aktienmärkten erreichte im Oktober Rekordtiefs. In Japan hat der Erdrutschsieg der Partei LPD bei den Unterhauswahlen den Abenomics den Rücken gestärkt. In China hat Ministerpräsident Xi Jinping sein Reformprojekt konsolidiert und ihm eine klarer definierte Richtung gegeben. In diesen Segmenten sind folglich die Risiken gesunken. Zugleich entwickelten sich jedoch neue geopolitische Spannungen, die Anleger auf dem Weg in eine unsichere Zyklusphase sorgfältig im Auge behalten sollten.

Zu den Problembereichen zählt unter anderem die erneute Destabilisierung des Nahen Ostens. Das Gleichgewicht in dieser Region ist fragil. Falls die Spannungen eskalieren, würde sich dies auf die Ölpreise auswirken. Deren Anstieg im Jahr 2017 war vor allem durch die höhere globale Nachfrage und die Erwartung bedingt, dass die Förderkürzungen der OPEC ins Jahr 2018 verlängert werden. Auch politische Faktoren könnten Risikoanlagen belasten. So dürfte Nordkorea weiterhin für  Probleme sorgen. Zwar zeichnet sich ab, dass China und die USA gemeinsam eine Lösung suchen wollen, jedoch bleibt die außenpolitische Strategie Nordkoreas unberechenbar.

Im Euroraum erscheinen die extremen Risiken eingedämmt. Der Brexit ist aber ein Thema, das nach unserer Einschätzung an den Finanzmärkten weiterhin unterschätzt wird. Im Fokus steht auch Deutschland, wo die Bildung einer Regierungskoalition  die Politik weiterhin zum Stillstand zwingt. Insgesamt haben diese Elemente zu etwas mehr Zurückhaltung an den Finanzmärkten geführt. Wir empfehlen weiterhin ein gewisses Engagement in Risikoanlagen. Vorzugsweise über ein asymmetrisches Chance-Risiko-Profil, das einerseits von Aufwärtsbewegungen profitiert und andererseits gegen Abwärtsrisiken absichert.

Jedoch sollte in stark gefragten Marktsegmenten ein vorsichtigerer Ansatz gewählt werden. Wir halten zudem taktische Gewinnmitnahmen in Bereichen sinnvoll, die zuletzt eine Outperformance verzeichneten. Dazu zählen beispielsweise auch japanische Aktien, die auf lange Sicht aber durchaus attraktiv sind. Anleger sollten zudem Absicherungsstrategien einsetzen, um sich gegenüber Volatilitätsschüben zu wappnen, die vom Wiederaufflammen geopolitischer Risiken ausgelöst werden.

Anlageideen aus Überzeugung

Multi-Asset-Anleger sollten die Risiken in ihren Portfolios neu austarieren. Denn eine vorübergehende Korrektur ist derzeit nicht auszuschließen. Regionen wie beispielsweise Japan, die in den vergangenen Monaten eine Outperformance erzielten, oder solche, die keine Unterstützung durch eine proaktive Fiskalpolitik zu erwarten haben, wie etwa Europa, könnten anfällig sein. Zwar sehen wir diese Regionen mittelfristig weiterhin positiv, empfehlen Anlegern aber für diese Märkte einen asymmetrischen Ansatz über Optionen. So können sie an möglichen Aufwärtsbewegungen teilhaben, gleichzeitig aber das Abwärtsrisiko in dieser Phase begrenzen. Im Fixed-Income-Bereich zählen Unternehmensanleihen weiter zu unseren Favoriten, wobei wir ein verstärktes Augenmerk auf Qualität und Liquidität richten.

Konzentrieren sich Anleger bevorzugt auf das Fixed-Income-Segment, sollten sie aufgrund des steigenden Zinsrisikos weiterhin auf eine kürzere Duration setzen und inflationsindexierte Anleihen favorisieren. Wandelanleihen könnten bei steigenden Zinsen interessante Chancen bieten. Bei Unternehmensanleihen dürften die engen Spreads weiterhin durch einen positiven Gewinnausblick der Unternehmen ausgeglichen werden. Es gibt jedoch Bereiche, die man mit wachsender Vorsicht betrachten sollte, wie beispielsweise Hochzinstitel aus den USA, in denen ein zunehmend selektiverer Ansatz erforderlich ist.

Für Aktien-Anleger erscheint der mittelfristige Ausblick dank des bislang robusten Gewinnwachstums noch konstruktiv. Auf kurze Sicht ist aber damit zu rechnen, dass Anleger Gewinne mitnehmen. Die Qualität und Nachhaltigkeit des jeweiligen Geschäftsmodells können unserer Einschätzung nach aber als eine natürliche Absicherung dienen.

Angesichts des Bedarfs an alternativen Finanzierungsquellen und der Suche nach positiven realen Renditen in einer Phase extrem niedriger Renditen können Privatplatzierungen (Real Assets) eine attraktive Anlageform für Investoren sein. Bei entsprechender Selektion innerhalb der Anlageklasse könnten Investoren gegebenenfalls eine Illiquiditätsprämie sowie Diversifizierungsvorteile erzielen.