Amundi zu Kapitalmärkten Ruhig agieren in unruhigem Fahrwasser

Wildwasserrafting: Auf- und Abwärtskräfte schütteln die Märkte und sorgen für höhere Volatilität, jedoch ohne gravierende negative Folgen | © Pixabay

Wildwasserrafting: Auf- und Abwärtskräfte schütteln die Märkte und sorgen für höhere Volatilität, jedoch ohne gravierende negative Folgen Foto: Pixabay

Allgemein hat eine Phase niedrigerer Renditen und sich verändernder finanzieller und gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen begonnen. Die Märkte reagieren sensibel auf politische und wirtschaftliche Ereignisse. Aktien bewegen sich in einem breiten Kurskorridor, erreichen vorläufig jedoch nicht mehr bereits gesehene Höchststände. Wie sollen sich Investoren in dieser neuen Phase verhalten?

Zunächst ist es ratsam das mittelfristige Szenario im Auge zu behalten, das zunehmend anspruchsvoller wird, zum Beispiel wegen der abnehmenden Wirtschaftsdynamik und des Risikos politischer Fehler.

Drei kurzfristige Themen sind entscheidend

Erstens: Der wirtschaftliche Ausblick ist nach wie vor solide, der konjunkturelle Höhepunkt liegt jedoch, so meinen wir, hinter uns. Die höheren Ölpreise und die Handelsstreitigkeiten stützen diese Annahme. Dennoch dürfte es nicht zu gravierenden Störungen kommen, da sich der Ölpreis weiterhin auf dem aktuellen Niveau bewegen sollte und es zu keinem tatsächlichen Handelskrieg kommen dürfte – so zumindest unser zentrales Szenario. Das Weltwirtschaftswachstum dürfte 2018 bei etwa 4 Prozent liegen und 2019 geringfügig darunter, damit aber immer noch über dem Potenzial der großen Volkswirtschaften.

Zweitens: Die Zentralbanken werden weiterhin ihre Politik der außergewöhnlichen Lockerung zurückfahren, wenn auch langsam und Schritt für Schritt, da die Inflation zu diesem Zeitpunkt nicht als große Bedrohung angesehen wird.

Drittens: Es ist mit einzelnen Phasen einer Dollar-Aufwertung zu rechnen, die jedoch nur vorübergehend sein sollten. Sie wären zurückzuführen auf wahrgenommene Unterschiede im Normalisierungspfad der einzelnen Zentralbankbanken sowie auf ein positiveres Risiko-Sentiment. Die langfristigen Kräfte – ein steigendes Leistungsbilanzdefizit, eine höhere Verschuldung und die Diversifizierung der Währungsreserven der Zentralbanken – sprechen jedoch für einen schwachen US-Dollar.

Taktikaufwand für Anpassungen an höhere Volatilität steigt

Die Dollar-Aufwertungen sollten nicht als eine große Bedrohung für die Schwellenländer angesehen werden. Die derzeitigen Rahmenbedingungen sind zwar schwieriger (stärkerer US-Dollar, höhere US-Zinsen), aber diese Anpassungen können durch höhere Spreads und schwächere Wechselkurse aufgefangen werden. Daher könnten sich in den Emerging Markets interessante Anlagemöglichkeiten eröffnen. Voraussetzung ist allerdings, dass Anleger stark selektiv vorgehen und der Fokus auf bestimmte Treiber wie etwa den Ölpreis gerichtet ist.

In diesem Umfeld sollten Investoren in taktischer Hinsicht besonderen Aufwand betreiben, um die aktuellen Anpassungen an den Märkten mit Relative-Value-Trades, einer Bottom-Up-Auswahl der Titel sowie gestreuten Strategien und Stilen zu nutzen. Die Volatilität könnte in den kommenden Wochen als Anlass gesehen werden, die am stärksten betroffenen Assetklassen auf den Prüfstand zu stellen.

Gleichzeitig sollten Investoren bereit sein, allmählich eine Wende bei ihrem Risiko-Engagement vorzunehmen, vor allem angesichts einer möglichen mittelfristigen Korrektur. In dieser Übergangsphase wird das Liquiditätsmanagement weiterhin von zentraler Bedeutung sein, damit die Portfolios schnell angepasst werden können und der Kapitalerhalt gewährleistet ist.

High-Conviction-Ideen des Amundi-Teams

Multi-Asset: Die Asset Allokation ist nach wie vor auf risikobehaftete Anlageklassen ausgerichtet, wobei Chancen vor allem durch Relative-Value-Trades genutzt werden können. Im Aktienbereich sehen wir Chancen im US-Energiesektor gegenüber dem S&P500. Wir meinen außerdem, dass das Risiko-Rendite-Profil für japanische Banken und Russland nicht mehr attraktiv ist. Wir bleiben in Sachen Duration weiterhin vorsichtig und präferieren im Credit-Bereich Investment Grade gegenüber High Yield. Zum Schutz der Portfolios sind Hedges nach wie vor wichtig.

Fixed Income: Wir sehen weiterhin einen Aufwärtstrend bei den Anleihezinsen, insbesondere in den USA, wo die Wirtschaftsdaten nach wie vor gut sind und sich ein mäßiger Inflationsdruck einstellen könnte. Wir bevorzugen weiterhin eine kurze Duration. Auf den Credit-Märkten sind die Bewertungen ausgereizt, wobei sich gleichzeitig das konjunkturelle Momentum abschwächt. Dieses Szenario erfordert ein konservativeres Vorgehen bei Titelauswahl und Risikoallokation. Der Ausblick für Emerging-Markets-Anleihen ist mittelfristig immer noch konstruktiv. Wenn der Dollar-Anstieg begrenzt bleibt und die US-Zinsen nicht allzu stark steigen, halten wir diese Anlageklasse für weiterhin für aussichtsreich. Da die Rahmenbedingungen anspruchsvoller werden, ist ein Fokus auf Kapitalerhalt von zentraler Bedeutung.

Aktien: Die Berichtssaison des ersten Quartals verlief bisher auf breiter Front gut. Die Gewinnaussichten bleiben kurzfristig positiv trotz einer leichten konjunkturellen Verlangsamung, die Bewertungen sind angemessen. Steigende Anleiherenditen, der Energiesektor und Investitionswachstum sind zentrale Themen im Markt, ebenso wie die zunehmende Ausrichtung auf defensivere und qualitativ hochwertigere Aktien.

Real Assets: Immobilieninvestitionen können wegen steigender Zinsen (in Europa nicht unmittelbar bevorstehend, aber 2019 zu berücksichtigen) und hoher Bewertungen schwieriger werden. In diesem Szenario glauben wir, dass die Bevorzugung von qualitativ hochwertigen Core-Anlagen bei gleichzeitiger geografischer und sektoraler Streuung Anlegern ein gewisses Schutz- und Renditepotenzial bieten kann.

Disclaimer:

Soweit nicht anders angegeben, beruhen die hier enthaltenen Ansichten auf Recherchen, Berechnungen und Informationen von Amundi Asset Management. Diese Ansichten können sich jederzeit ändern, abhängig von wirtschaftlichen und anderen Rahmenbedingungen. Es gibt keine Gewähr, dass sich Länder, Märkte oder Branchen wie erwartet entwickeln werden. Dieses Dokument ist kein Verkaufsprospekt und stellt kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Anteilen in Ländern dar, in denen ein solches Angebot nicht rechtmäßig wäre. Außerdem stellt dieses Dokument kein solches Angebot an Personen dar, an die es nach der jeweils anwendbaren Gesetzgebung nicht abgegeben werden darf. Amundi Deutschland GmbH ist ein Unternehmen der Amundi Gruppe.