Amundi zum Klima der Unsicherheit Zu schnelle Zinsschritte gefährden die Konjunktur

Fed-Chef Jerome Powell und US-Präsident Donald Trump: Auch der Mann im Hintergrund hat das Zeug, Anlegern das Leben schwer zu machen.  | © Getty Images

Fed-Chef Jerome Powell und US-Präsident Donald Trump: Auch der Mann im Hintergrund hat das Zeug, Anlegern das Leben schwer zu machen. Foto: Getty Images

Die Handelsspannungen haben sich zuletzt noch weiter aufgeschaukelt: US-Präsident Donald Trump droht China und Europa explizit mit noch höheren Zöllen auf noch mehr Produkte. Er wirft China und Europa vor, sich nicht an die Spielregeln zu halten und damit das eklatant hohe US-Handelsdefizit zu verursachen. Auch wenn diese Argumentation nach allgemeiner Auffassung nicht zutrifft und China und Europa Gegenmaßnahmen ergreifen, wird der US-Präsident seine Strategie wohl kaum vor den US-Zwischen­wahlen am 6. November 2018 aufgeben.

Anleger sollten wissen: Derzeit entfällt auf die von Zollerhöhungen betroffenen Produkte ein so geringer Anteil des Welthandels, dass sich keine Auswirkungen auf das globale Wirtschaftswachstum ergeben sollten – von rückläufigen Werten in einigen Geschäftsklima­umfragen einmal abgesehen. Wir behalten deshalb unser makroökonomisches Szenario derzeit nahezu unverändert bei und erwarten lediglich eine Aufwärtsrevision der Inflation in einigen Schwellenländern. Die globale Expansion sollte sich unseres Erachtens fortsetzen, jedoch mit einem etwas schwächeren Wachstumstempo im Jahr 2019.

Amundi-Risikoszenario nur leicht erhöht

Als umsichtige Investoren haben uns die Unsicherheiten hinsichtlich der Entwicklung des Welthandels jedoch auch veranlasst, im zweiten Monat in Folge die Wahrscheinlichkeit unseres negativen Risikoszenarios leicht von 20 auf 25 Prozent zu erhöhen – auf Kosten unseres positiven Risikoszenarios.

Wichtig ist festzuhalten, dass ein jegliches unsicheres Umfeld den Handel zwischen Ländern beeinträchtigen kann – selbst wenn es nicht zu einem globalen Handelskrieg kommt. Es sollte in diesem Zusammenhang nochmals unterstrichen werden, dass nach der weltweiten Finanzkrise verschiedene Ursachen den Welthandel gebremst haben: Eine geringere Handelsliberalisierung als in den 1990er und 2000er Jahren, der Anstieg nichttarifärer Handelshemmnisse; insbesondere in Schwellenländern sowie ein zunehmender Reifegrad globaler Wertschöpfungsketten.

Mit anderen Worten: Bereits ein Klima der Unsicherheit kann den Handel verlangsamen. Schon im April – vor der Ankündigung protektionistischer Maßnahmen – war ein deutlicher Rückgang des Welthandels um annualisiert 2,4 Prozent in sequenziellen Dreimonatszeiträumen zu beobachten – ohne dass dafür eine klar erkennbare Ursache auszumachen war. Mit einem Anstieg von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (gleitender Dreimonatsdurchschnitt) wächst der Welthandel nun tendenziell langsamer als das globale Bruttoinlandsprodukt. Von daher könnte sich der internationale Handel selbst ohne einen direkten Handelskrieg weiter verlangsamen. Vor diesem Hintergrund ruht die Hoffnung der Marktteilnehmer auf der Binnennachfrage als Eckpfeiler der globalen wirtschaftlichen Expansion.