Analyse von CBRE Die fünf größten Trends auf dem Immobilienmarkt

Potsdamer Platz in Berlin | © Getty Images

Potsdamer Platz in Berlin Foto: Getty Images

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Und hier sind sie: Die aktuell fünf größten Trends auf dem Immobilienmarkt, die die Analysten des Immobiliendienstleisters CBRE ausfindig gemacht haben.

Wird jetzt alles digital?

Digitalisierung, Transformation, Disruption. Immer häufiger lesen wir von den Auswirkungen des digitalen Fortschritts auf die Wirtschaft und damit auch auf die Immobilienbranche. Der Trend: Selbstverständlich definiert die digitale Revolution die Immobilienwirtschaft neu. Ob Geschäftsprozesse, Logistik oder Werbung – innovative Technologien lassen die Wege kürzer und Kontakte direkter werden. Unabhängige Online-Portale schaffen alternative Vertriebskanäle und eine größere Zugänglichkeit zu einem breiten Datenspektrum ermöglicht höhere Transparenz in allen Marktsegmenten und damit mehr Käufersicherheit. Dank immer intelligenterer Gebäude mit digitalem Abbild, das von der Bauplanung bis hin zum laufenden Betrieb durchgehend Echtzeitdaten generiert, lassen sich teils schon heute genaue Erhebungen über Haustechnik, Wartungszyklen, Verbrauchswerte und Mieterdaten vornehmen. Davon können Asset-Manager, Makler und gewerbliche Mieter profitieren.

Wird alles "New York"?

New Work, Büro der Zukunft, Generation Y – die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Innovative Bürokonzepte ersetzen das veraltete Nine-to-Five im starren Einzelzimmer. Flexible und intelligente Lösungen auf dem neuesten Stand der Technik stellen die Verbindung von Effizienz in den Arbeitsabläufen mit der qualitativen Steigerung des Betriebsklimas her. Die Herausforderung: Mit neuen Konzepten können Mietkosten gesenkt und das Wohlbefinden der Mitarbeiter und damit die Effizienz der Mitarbeiter gesteigert werden. Konferenz- und Meetingbereiche werden von manchen Firmen bereits jetzt nur noch punktuell gebucht. Dadurch lassen sich größere Flächen nach Bedarf zentral gesteuert reservieren und die Kapazitäten mehrerer Unternehmen, die sich ein Gebäude teilen, bündeln. Auch feste Arbeitsplätze gehören der Vergangenheit an. Mithilfe intelligenter Lösungen können Mitarbeiter ihren gewohnten Büroalltag überallhin auf der Welt mitnehmen – und wenn sie einmal doch im Büro sind, lädt der Arbeitsplatz bereits beim Einfahren ins Parkhaus das erforderliche Mitarbeiterprofil.

Investiert die ganze Welt in Deutschland?

Niedrigzinsen, renditelose Bundesanleihen, volatile Finanzmärkte – kein Wunder, dass ein sicherer Hafen wie der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt Kapital aus der ganzen Welt anzieht. Die deutsche Wirtschaft weist gute Kennzahlen auf, es herrscht politische Stabilität, Rechtssicherheit und hohe Transparenz. Diese Zuverlässigkeit ist bei Anlegern begehrt, insbesondere seit in Großbritannien infolge des Brexit die Unsicherheit steigt. Das hat die Risikoaversion vieler Anleger noch einmal erhöht – mit Auswirkungen auf den deutschen Markt. Die wichtigsten Zahlen: Im zweiten Quartal 2016 ist das Transaktionsvolumen auf dem Markt für Gewerbeimmobilien im Vorquartalsvergleich um elf Prozent gestiegen. Der leichte Rückgang im Vergleich zu 2015 liegt nicht etwa an mangelnder Nachfrage, sondern daran, dass das Angebot zunehmend knapper wird – das begrenzt das Gesamttransaktionsvolumen. Dennoch: Da die Zinsen voraussichtlich niedrig bleiben werden, wird die Nachfrage weiter hoch sein. Wer sich zwischen einer Staatsanleihe mit einer Rendite von null Prozent oder gar darunter und einer Immobilienrendite von immerhin rund vier Prozent entscheiden muss, dem fällt die Wahl nicht schwer.

Wird alles abgerissen?

Refurbishment, Repositionierung, Reinventing. Das immer knappere Angebot an Wohn- und Gewerbeimmobilien führt zu neuen Immobilienkonzepten. Manch einer meint, alles, was weder Denkmal noch Neubau ist, sollte abgerissen werden und neuen Gebäuden weichen. Aber stimmt das auch? Fakt ist: In die Jahre gekommene Gewerbeimmobilien müssen neu entdeckt und dem Marktumfeld entsprechend repositioniert werden. Mal genügt ein leichtes Refurbishment – ein kluges Konzept, um ein Gebäude wieder attraktiv zu machen. Mal muss das Gebäude komplett neu erfunden werden. So können mitunter aus alten Bürogebäuden Wohnimmobilien werden – und aus verstaubten Industriehallen werden angesagte Gewerbeflächen. Wichtig ist dabei, in allen Fällen Due-Diligence-Prüfungen durchzuführen: Auch wenn Investition und Zeitaufwand mühsam scheinen – das ist das A und O bei jeder Repositionierung. Eines aber ist sicher: Nutzungsarten wandeln sich, Immobilien bleiben bestehen.

Wird alles urban?

Berlin, Hamburg, München – alle wollen in die Stadt. Doch auch klassische B-Städte wie Hannover, Augsburg oder Münster ziehen immer mehr Menschen an. Droht nun eine neue Urbanisierung? Die Attraktivität der deutschen Städte ist derzeit ungebrochen. Erstens hat das zur Folge, dass die Preise für Wohn- und Gewerbeimmobilien weiter steigen – der Boom der Städte bringt frischen Wind in die Immobilienbranche. Zweitens aber entdecken viele Menschen plötzlich wieder die Randlagen, Vorstädte und Speckgürtel für sich. Erstmals ziehen wieder mehr Menschen aus den Städten heraus als vom Land. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sind nicht etwa Berlin, Stuttgart oder München, sondern Teltow (plus 14,9 Prozent) bei Berlin, Remseck (plus 8,8 Prozent) bei Stuttgart sowie Dachau (plus 8 Prozent) bei München die am schnellsten wachsenden Gemeinden in Deutschland. Der Trend: Es gibt nicht den Trend zur Stadt oder den Trend zum Land. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, zu erkennen, dass Stadt und Land dank Digitalisierung, New Work und Mobilität immer mehr verschmelzen werden – ganz nach den individuellen Lebensvorstellungen.