„Anders als die breite Masse“ Wie der Templeton Growth vom Exoten zum Mythos wurde

Besuch auf den Bahamas: Chefredakteur von DAS INVESTMENT Malte Dreher vor der Templeton-Zentrale

Besuch auf den Bahamas: Chefredakteur von DAS INVESTMENT Malte Dreher vor der Templeton-Zentrale

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Damit hat der Journalist ganz sicher nicht gerechnet. Schließlich fragt er einen der bekanntesten Aktieninvestoren der Welt nach interessanten Tipps. Und man schreibt doch den März des Jahres 2000, Aktien sind das Einzige, was geht.

Genau genommen Hightech-Aktien, die sich im Wert vervielfacht haben und es doch noch weiter tun werden. Erlaubt sich dieser John Templeton gerade einen schlechten Scherz? Doch der sagt tatsächlich das, was der Reporter des Magazins „Equities“ nicht erwartet: „Sagen Sie Ihren Lesern, sie sollen Anleihen kaufen.“

Er kann dem Journalisten ja schlecht sagen, was er gerade mit seinem eigenen Geld tut: Dass er mit 185 Millionen Dollar bei 84 Technologie-Aktien auf fallende Kurse wettet. So eine spekulative Sache kann er schwerlich den „Equities“-Lesern empfehlen. Mit fremdem Geld ist Templeton immer vorsichtiger als mit seinem eigenen.

Riesengewinn mit fallenden Kursen


Die „Equities“-Leser hätten gut daran getan, seinem Ratschlag zu folgen. Denn die allseits geliebten Hightech-Aktien erleben in den drei folgenden Jahren einen der schlimmsten Crashs der Börsengeschichte. Und Templeton fährt 90 Millionen Dollar Gewinn ein.

Wenn man die hervorragendste Eigenschaft des Investors John Templeton beschreiben sollte, dann ist es wohl die, sich aus Euphorie-Phasen und Aktien-Booms gekonnt herauszuhalten.

Zeit seines Lebens packte der 1912 in dem Provinzstädtchen Winchester in Tennessee geborene Amerikaner die Dinge ein bisschen anders an als andere. Er brachte das auf die schöne Formel: „Wollen Sie eine bessere Performance als die breite Masse, dann müssen Sie auch anders vorgehen als die breite Masse.“

In diesem Jahr wird der Fonds, in dem Templeton kompromisslos anders vorging als die breite Masse, 60 Jahre alt. Aufgelegt an Templetons 42. Geburtstag am 29. November 1954, ist der Templeton Growth heute ein Klassiker und ein Musterbeispiel dafür, wie man mit ruhiger Hand und scheinbar langweiligen Aktienanlagen den Markt schlagen kann.

In seiner Basiswährung Dollar brachte er seit seinem Start im Durchschnitt einen Gewinn von 12,5 Prozent – Jahr für Jahr.

Einem deutschen Anleger hätte der gegenüber der über viele Jahrzehnte hinweg starken D-Mark abwertende Dollar einen Teil der Entwicklung verhagelt. Übrig geblieben wären aber immer noch 10,6 Prozent.

Noch wichtiger: Treuen Anlegern wäre einiges Leid erspart geblieben. So kamen dem Chef des Investment-Dienstleisters Drescher & Cie, Björn Drescher, über die Jahre immer wieder bedauernde Sätze von Beratern zu Ohren, die den Templeton Growth früher in den Kundendepots hatten: „Wäre ich doch besser dabei geblieben, wäre nicht so vielen Modetrends gefolgt, hätte mich nicht am Markttiming versucht. Dann hätte ich heute auch mehr zufriedene Kunden.“ Die Kennnummer einer GenerationHeute hat ihn jeder zweite Anbieter von fondsgebundenen Versicherungen im Musterkoffer, 36 an der Zahl. Nur der Fidelity European Growth kommt häufiger vor. „Der Templeton Growth ist ein Klassiker unter den Investmentfonds und im Bereich ‚weltweite Aktien‘ ein Basisinvestment mit hohem Bekanntheitsgrad“, heißt es dazu von der Alten Leipziger Lebensversicherung. „Eine ganze Generation von Beratern ist mit der Wertpapierkennnummer 971 025 so selbstverständlich groß geworden wie mit dem eigenen Geburtsdatum und der Telefonnummer“, sagt Drescher.

Die Kennnummer ist die des Original-Fonds, den der inzwischen verstorbene Finanzberater Joe Becker 1982 nach Deutschland holte. Das von Becker gegründete Beratungsunternehmen Noramco ließ ihn für den Vertrieb registrieren.

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Quelle: Bloomberg/ DAS INVESTMENT