Anhebung der Strafzinsen Wie sich die Schweiz auf einen Brexit-Tsunami vorbereitet

Schweizerische Nationalbank Hauptsitz in Bern, Schweiz. Foto: Getty Images

Schweizerische Nationalbank Hauptsitz in Bern, Schweiz. Foto: Getty Images

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Im Januar 2015 erschütterte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Märkte, als sie ihren Euro-Mindestkurs für den Franken aufgab. Nun blicken die Zentralbanker rund um die Welt nervös gen London. Es geht die Angst um, ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union könnte Anleger aus der Fassung bringen, das Wirtschaftswachstum stören und die Währungshüter dazu zwingen, ihre außergewöhnlich lockere Geldpolitik noch länger beizubehalten. SNB-Präsident Jordan warnte bereits im April, dass ein sogenannter Brexit enorme Spannungen in Europa nach sich ziehen würde.

Ein Votum der Briten für ein Verlassen der EU am 23. Juni würde einer Umfrage von Bloomberg unter 23 Volkswirten zufolge einen Sprung des Franken praktisch garantieren, der in angespannten Zeiten an den Finanzmärkten bei den Anlegern beliebt ist. Die SNB würde der Aufwertung aggressive Interventionen entgegensetzen, erwartet die Mehrheit der Befragten. Einige rechnen sogar mit einer Senkung des Einlagensatzes, der sich bereits auf dem Rekordtief von minus 0,75 Prozent befindet.

„Ein Brexit wäre eindeutig ein Paradigmenwechsel“, sagte Alan McQuaid, Chefökonom der Merrion Capital Group Ltd. in Dublin. „Wenn der Franken wieder in die Spanne von 1,00 bis 1,05 aufwertet und sich dort über einen längeren Zeitraum hält, würde die SNB ihre Optionen abwägen müssen, wobei eine Senkung des Einlagensatzes die wahrscheinlichste erste Reaktion wäre.“

Seit der Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 Franken je Euro - die der Vorstandsvorsitzende der Swatch Group Nick Hayek damals als einen „Tsunami“ bezeichnet hatte - nutze die SNB negative Zinsen und gelegentliche Interventionen, um den Druck von der Landeswährung zu nehmen. Ihr glückte in den letzten zwölf Monaten damit eine Abschwächung um rund drei Prozent. Doch nun ist der Franken wieder auf Aufwertungskurs gegangen, und die Kosten zur Absicherung seiner Zuwächse steigen, und ein Votum für einen Brexit droht, die harte Arbeit der SNB zu untergraben. In der vergangenen Woche wertete der Franken erstmals seit Mitte April über die Marke von 1,09 je Euro auf.