Anlegen mit Bedacht Raus aus der „Entschuldungsfalle“

Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen, Traunstein

Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen, Traunstein

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Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich mich täglich mit den Finanzmärkten beschäftigen darf. Wenn man so in den Details vergraben ist, tut es gut, wenn man mit Kunden über deren längerfristigen finanziellen Pläne sprechen kann. Da geht es dann um strategische Entscheidungen: Wie viel gibt man in welche Anlageform und welche Auswirkungen hat dies auf das Gesamtvermögen?

Zu hoher Rentenanteil

Der viel zu hohe Anteil an Zinsanlagen ist im Moment das große Problem. Wer Festgeld parkt, wer Bundesobligation und Pfandbriefe kauft, der gleicht die Inflation nicht mehr aus.

Das Umdenken setzt nur sehr zögerlich ein, denn wir Deutschen lieben die Bankeinlage, das Zinspapier und die Garantieversicherung. Der Sparbrief mit einer Laufzeit von vier Jahren bei meiner Bank um die Ecke bringt aber nur 0,8 Prozent pro Jahr fest. Möchte ich vorzeitig über das Kapital verfügen, stellt mir die Bank Strafzinsen in Höhe von einem Prozent in Rechnung.

Flexibler ist die Anlage in börsengehandelte Zinspapiere. Doch der Staat zahlt gerade einmal 0,63 Prozent für die Bundesobligation im Jahr. Eine Industrieanleihe von Siemens bringt bei vier Jahren Laufzeit immerhin ein Prozent pro Jahr, Continental muss für seine Schuldverschreibung bis Juli 2018 gar 2,66 Prozent im Jahr bezahlen.

Aber Conti bietet dem Sparer nicht die Bonität einer Siemens, der Bundesrepublik oder die Sicherheit einer Bankeinlage. Wer nicht bereit ist ins Risiko zu gehen, der finanziert also die Entschuldung der Staaten mit. Denn auch die Banken legen einen Großteil ihrer Kundeneinlagen bei der EZB oder in Bundesanleihen an.