Anleger können Schwellenländern vertrauen

Gregor Müller

Gregor Müller

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Ist dieser Wandel gerechtfertigt? Dazu ein kurzer Blick zurück: Angeführt von den BRIC-Staaten, haben die Schwellenländer eine atemberaubende Aufholjagd begonnen. Mittlerweile gehören China, Brasilien und Indien zu den zehn größten Volkswirtschaften. Knapp die Hälfte des kaufkraftbereinigten Weltsozialproduktes wird in den Schwellenländern erwirtschaftet.

Drei Viertel des für die nächsten Jahre erwarteten Wirtschaftswachstums wird in den Schwellenländern erwirtschaftet werden. Die demographische Entwicklung unterstützt diesen Prozess: Die Weltbevölkerung wächst fast ausschließlich in den Schwellenländern, während die Bevölkerung in Europa und in Japan immer älter wird und tendenziell schrumpft.

Daneben stechen auch qualitative Faktoren ins Auge: Während die etablierten Volkswirtschaften in den letzten fünf Jahren die Staatsverschuldung von 76 Prozent des Bruttosozialproduktes auf über 100 Prozent hochgeschraubt haben, bleiben die Schwellenländer mit aktuellen 35 Prozent Staatsverschuldung sogar unter dem Niveau von 2006. In den nächsten fünf Jahren dürfte das Verhältnis nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds sogar auf unter 30 Prozent sinken.

Auch die Leistungsbilanz spricht deutliche Worte: Kontinuierlichen Leistungsbilanzdefiziten in den Industrieländern stehen deutliche Leistungsbilanzüberschüsse in den Schwellenländern gegenüber. Dies hat dazu geführt, dass mittlerweile 70 Prozent der weltweiten Devisenreserven von den Schwellenländern gehalten werden. Sie sind damit zum Kapitalgeber für die Industrieländer geworden. Diese Leistungsbilanzüberschüsse und die hohen Devisenreserven machen heute die Schwellenländer weniger anfällig für Krisen als noch in der Vergangenheit.

Fasst man all diese Faktoren zusammen, erscheinen heute Staatsanleihen aus Schwellenländern unter qualitativen Gesichtspunkten als sichere Anlagen, während die Industriestaaten immer mehr an Vertrauen verspielen.