Anleiheausblick 2013: Bloß nicht passiv

Bob Jolly von Schroders blickt in die Zukunft

Bob Jolly von Schroders blickt in die Zukunft

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Die Wertentwicklung von Anleihen aus dem Jahr 2012 lässt sich 2013 nicht wiederholen. Dagegen werden die Märkte in diesem Jahr weiter zwischen Euphorie und Elend schwanken: Euphorie, wenn Wachstum oder Politik für positive Überraschungen sorgen, und Elend, wenn entweder die politischen Reformbemühungen kollektiv eingestellt werden oder die wirtschaftliche Dynamik vorübergehend nachlässt. Ein passiver Beta-Ansatz erscheint an den globalen Anleihenmärkten jedoch nicht vielversprechend.

The Long and Winding Road

Vor zwölf Monaten ließen wir uns bei unserem Ausblick auf die globalen Anleihenmärkte vom Lied „Turning Japanese“ der Rockband The Vapors aus den Achtzigerjahren inspirieren. Wir kamen damals zu dem Schluss, dass zwar klare Parallelen zwischen den meisten westlichen Volkswirtschaften und Japan vor Beginn der Kreditkrise erkennbar waren – es gleichzeitig jedoch auch entscheidende Unterschiede gab. So beispielsweise in punkto Ausmaß und Geschwindigkeit der Reaktion der Politiker, die damit die Gefahr, ein verlorenes Jahrzehnt wie in Japan zu riskieren, zum Teil entschärft hatten. Unser Fazit hat sich rückblickend als weitgehend korrekt erwiesen. Diverse Unterschiede sprachen dafür, dass sowohl die Aktien- als auch die Anleihenmärkte großzügig für die inhärenten Risiken entschädigten.

Der Punkt, in dem sich die Markterwartungen im Laufe des Jahres am deutlichsten gewandelt haben, war der erwartete Zeitpunkt, an dem die expansive Geldpolitik geändert wird. Die Rückkehr zur Normalität scheint zunehmend in weite Ferne zu rücken. Daher haben wir – um im musikalischen Bereich zu bleiben – als Thema für den diesjährigen Jahresausblick den Beatles-Hit „The Long and Winding Road“ aus dem Jahr 1970 gewählt.

2013: Passivität ist fehl am Platze

Zunächst einmal ist es offensichtlich, dass an den Anleihenmärkten ein passiver Ansatz beim Markt-Beta kaum Aussicht auf große Gewinne verspricht. Nachdem die Geldmarktzinsen unter die Inflation gesunken sind, haben die Anleger entlang der gesamten Renditekurve und im gesamten Bonitätsspektrum investiert und damit die Anleihenrenditen nach unten gedrückt. Heute liegen die nominalen Renditen vieler Staatsanleihenindizes unter der Inflationsrate. Und die Renditeabstände der Unternehmensanleihen sind nach der kräftigen Rally 2012 auf Niveaus gesunken, die passiven Anlegern zwar positive Realrenditen bescheren, aber ohne Aussicht auf einen merklichen Kaufkraftgewinn.

Die Politik bleibt der entscheidende Einflussfaktor

Zweitens dürften sich die Märkte weiter im Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft bewegen. Eine der wesentlichen Ursachen für die Volatilität 2012 war die Einsicht, dass geldpolitische Fehler eine ohnehin schon kritische Situation deutlich verschärfen können. Normalerweise können sich die Märkte darauf verlassen, dass entweder der Staat mit zusätzlichen Ausgaben oder die Zentralbank mit Lockerungsmaßnahmen einem Land zur Hilfe kommen, wenn dessen kurzfristige Wachstumsaussichten durch interne oder externe Schocks beeinträchtigt werden. Heute ist der politische Spielraum dagegen stark eingeschränkt, sodass negative Einflüsse wie etwa ein Ölpreisschock oder fiskalpolitische Probleme deutlich schwerwiegendere Folgen haben würden als sonst, da der Politik kaum Möglichkeiten bleiben, gegenzusteuern. Im Nahen Osten kommen und gehen die Probleme unterdessen, aber es deutet nichts darauf hin, dass sie letztlich komplett verschwinden werden.