Anleihen, Biotech & Co. Herr Wüst, wo sehen wir aktuell Spekulationsblasen?

Thomas Wüst: Geschäftsführer der Valorvest Vermögensverwaltung (Foto: Valorvest)

Thomas Wüst: Geschäftsführer der Valorvest Vermögensverwaltung (Foto: Valorvest)

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DAS INVESTMENT: Welche Spekulationsblasen gibt es zurzeit?

Thomas Wüst: Durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken wurde eine „Asset Price Inflation“ in Gang gesetzt, die sich in verschiedenen Marktsegmenten bemerkbar macht*. Hauptgrund ist die überschüssige Liquidität, die nicht in die Wirtschaft gelangt, sondern an den Anlagemärkten investiert wird und dort zu einem Anlagenotstand führt.

So gibt es mittlerweile einerseits an den Immobilienmärkten Anzeichen einer Blasenbildung, was in fallenden Mietrenditen zum Ausdruck kommt. Andererseits sorgt die „Liquiditätsdroge“ der Notenbanken auch an den Börsen vor allem in dem Segment für Exzesse, das die EZB durch ihre unkonventionelle Offenmarktpolitik direkt beeinflussen kann: im Marktsegment der Euro-Staatsanleihen.

Wie schnell Luft aus dieser Spekulationsblase entweichen kann, hat man zuletzt an dem Renditeanstieg in der 10-jährigen Bundesanleihe gesehen, die im Zeitraum vom 17.04.2015 bis zum 07.05.2015 innerhalb von nur 15 Handelstagen um über 0,55 Prozent gestiegen ist. Darüber hinaus gibt es auch an den Aktienmärkten Segmente, in denen man die typischen Anzeichen einer Spekulationsblase erkennen kann, so zum Beispiel im Nasdaq Biotech-Index oder am chinesischen Aktienmarkt.
 
Woran erkennt man diese Blasen?
Zunächst kann man festhalten, dass eine expansive Geldpolitik die Blasenbildung an den Finanzmärkten fördert. Zu Spekulationsblasen kommt es dann, wenn in Marktsegmenten eine Eigendynamik entsteht, die zum Beispiel auf Modetrends, auf Gier oder auch auf Ängsten von Anlegern basiert und in einen regelrechten Herdentrieb mündet.

So stürzen sich aktuell Private Equity-Firmen bzw. Beteiligungsgesellschaften auf Biotech-Unternehmen in den USA, was das Bewertungsniveau im Nasdaq Biotech mittlerweile auf ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 angehoben hat. Private Anleger stürzen sich in China auf A-Aktien, was dort zu einem Boom an Neuemissionen geführt hat, der durchaus ein wenig an die Goldgräberstimmung zu Zeiten des Neuen Marktes in Deutschland erinnert.

Anleger in Deutschland stürzen sich getrieben von Inflationsängsten auf den heimischen Immobilienmarkt und treiben mit ihrer Nachfrage die Preise – sicherlich auch bedingt durch das niedrige Zinsniveau für Hypothekenfinanzierungen.

Und nicht zuletzt: Institutionelle Anleger, die für Liquiditätshaltung bei der EZB aktuell Strafzinsen bezahlen müssen, parken ihre Gelder lieber in Euro-Staatsanleihen, die noch ein paar Basispunkte Rendite bringen und werden somit zu Getriebenen der EZB-Strafzinspolitik.

Auch die Perspektive auf ein noch lange anhaltendes Renditetief bei den Leitzinsen in der Eurozone führte zu einem regelrechten Nachfrageboom in dem Marktsegment der Euro-Staatsanleihen mit irrationalen Übertreibungen. So rentierte die 10-jährige Bundeanleihe im April 2015 zwischenzeitlich knapp unter 0,05 Prozent per annum.