Anleihen Was uns die Wahl in Italien über den Populismus in Europa sagt

Luigi Di Maio (m.), Chef der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung: Nach der Wahl stärkste Kraft im italienischen Parlament   | © Getty Images

Luigi Di Maio (m.), Chef der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung: Nach der Wahl stärkste Kraft im italienischen Parlament Foto: Getty Images

Der Ausgang der italienischen Parlamentswahl vom 4. März liefert einen weiteren Beweis dafür, dass der Populismus in Europa noch immer Wind in den Segeln hat. Die politische Mitte Italiens wurde durch die Wahl weiter ausgehöhlt, weil Parteien von den beiden Extremen des politischen Spektrums kräftige Zugewinne verzeichneten.

Wir rechnen letztendlich mit einer großen Koalition, auch wenn deren genaue Zusammensetzung noch offen ist.

Rechts stehende Parteien dürften an Macht gewinnen

Wahrscheinlich werden eher rechts stehende Parteien künftig an Macht gewinnen und eine stärkere Stimme im Parlament bekommen. Ein wichtiger Aspekt ist, dass diese rechts stehenden Parteien die Regierungsausgaben erhöhen möchten. Da in Italien das Verhältnis von Schuldenstand zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch immer vergleichsweise hoch ist, könnte ein neues Ausgabeverhalten einer neuen Regierung sich ungünstig auf die Wirtschaft auswirken und zu unterdurchschnittlichen Leistungen italienischer Anleihen führen.

Die Marktteilnehmer sind derzeit dabei, möglicherweise starke Verschiebungen im Politikgefüge Italiens einzupreisen, da Parteien, die traditionsgemäß am Rande stehen, an Boden gewonnen haben.

Anleihen vor volatilen Wochen

Dennoch wird es wohl noch einige Wochen dauern, bis wir uns ein genaueres Bild machen können, wie das neue Parlament in Rom aussehen wird – auf kurze Sicht bedeutet das mehr Unsicherheit für Italien. Höhere Unsicherheit könnte in den kommenden Wochen zu Volatilität für italienische Anleihen führen.

Der Rücktritt des ehemaligen Premierministers Matteo Renzi als Chef der Partito Democratico (PD) eröffnet die Möglichkeit, dass sich die PD mit ihrem alten Feind, der linksorientierten Fünf-Sterne-Bewegung, zusammentun könnte, um eine Regierung zu bilden. Aus unserer Sicht wäre das ein Wahlausgang, der an den europäischen Anleihenmärkten wohl den größten Anklang finden würde.

Doch dieses Bündnis wäre nicht die einzige Option. Eine etwas weniger attraktive Aussicht für die europäischen Anleihenmärkte wäre, dass die PD sich der Mitte-Rechts-Koalition anschließt, zu der die Forza Italia und die populistische Lega Nord gehören.

Aus Sicht der Rentenmärkte wäre der schlechteste Ausgang wohl ein Zusammenschluss von Fünf-Sterne-Bewegung und Lega Nord. Beide Parteien haben jeweils eine beträchtliche Anzahl von Sitzen gewonnen, haben aber außer ihrer Ablehnung der Europäischen Union (EU) wenig gemein.

Beide Parteien schwächten ihre Anti-EU-Rhetorik in den Wochen vor der Wahl deutlich ab und beabsichtigen wohl kaum einen Austritt aus der Europäischen Union. In einem möglichen Zusammenschluss sehen wir allerdings kein systemisches Problem für die EU: Der gemeinsame europäische Markt wurde nicht zuletzt durch die Koalitionsvereinbarung in Deutschland, die am ersten Märzwochenende erzielt wurde, weiter gestärkt. Deutschland bleibt ein starker Befürworter des breiteren EU-Projekts. Die Ereignisse in Deutschland gleichen eine möglicherweise zunehmende Ablehnung der EU in Italien in gewisser Hinsicht aus.

Etwaige höhere Regierungsausgaben sind Grund zur Sorge

Die langfristigen Fundamentaldaten Italiens sehen wir weiterhin optimistisch. Doch die politische Entwicklung des Landes gibt Anlass zur Sorge, insbesondere das Drängen auf höhere Regierungsausgaben durch die zunehmend mächtigen Rechtsparteien. Wir warten erst einmal ab, was in Italien im Hinblick auf die Regierungsbildung geschieht, bevor wir unsere Positionierung überdenken.