Anleihen Zinsstrukturkurve wird steiler

Segelregatta Copa del Rey vor Mallorca: Der Wirtschaftsaufschwung hat inzwischen auch die europäischen Peripherieländer erreicht | © Getty Images

Segelregatta Copa del Rey vor Mallorca: Der Wirtschaftsaufschwung hat inzwischen auch die europäischen Peripherieländer erreicht Foto: Getty Images

Die Weltwirtschaft befindet sich weiter im Goldilocks-Szenario: In den meisten Regionen liegt das Wachstum leicht über dem Langfristtrend; die Inflation steigt allmählich, bleibt aber niedrig. Allerdings gibt es Risiken, da die Notenbanken weltweit die Geldpolitik allmählich straffen und der US-Kongress eine sehr expansive Fiskalpolitik plant, mit Steuersenkungen und höheren Ausgaben. Der Nettoeffekt der strafferen Geldpolitik und der expansiveren Fiskalpolitik könnte zu einer höheren Marktvolatilität führen. Zudem war die Inflation in den letzten Jahren moderat, könnte aber bei einer steigenden Kapazitätsauslastung zunehmen.

Ausblick und Positionierung

Der Konjunkturausblick ist gut. Für 2018 erwarten wir in den USA über 2,5 Prozent Wachstum, für 2019 eine anhaltend gute Entwicklung. In Europa gewinnt der Aufschwung an Breite, mit Wachstum nicht nur in den Kernländern. Für die kommenden zwei Jahre rechnen wir hier mit jeweils etwa 2 Prozent. China dürfte auch 2018 um über 6 Prozent wachsen. Im kommenden Jahr dürfte sich die Wirtschaft aber abschwächen, da die Regierung größere Wirtschafts- und Kreditreformen umsetzt.

Trotz der stärkeren Weltkonjunktur lag die Kerninflation bislang unter den Notenbankzielen. Doch nach Jahren des moderaten, aber stetigen Wachstums sind die Kapazitätsauslastungen gestiegen, sodass der Inflationsdruck zunehmen dürfte. Die jüngste Dollarschwäche und die steigenden Wohnungskosten, eine wichtige Komponente des Verbraucherpreisindex, treiben ebenfalls die Preise.

Durch die Steuerreform und den Haushaltskompromiss dürfte sich die US-Wirtschaft weiter vom Gleichgewicht entfernen; das Haushaltsdefizit dürfte steigen. Niedrigere Unternehmenssteuern werden wohl zu höheren Investitionen führen, sodass die Kapazitätsauslastung weiter steigt. Noch ist aber nicht klar, ob die Produktivität ebenfalls zulegt.

In den USA ändert sich die Geldpolitik bereits, und in Europa wird sie sich 2018 ändern. Aus Quantitative Easing wird in den USA Quantitative Tightening. Die Wertpapierkäufe der europäischen Zentralbank dürften im 3. Quartal zurückgehen. Wenn die Geldpolitik straffer wird, erwarten wir eine höhere Marktvolatilität.

Die Portfolio Strategy Group gibt den Portfoliomanagern Empfehlungen, für die sie ihre Bewertungseinschätzungen für Anleihen weltweit mit den Anleihen- und Konjunkturanalysen der Capital Group zusammenführt. Die klarsten Positionen bezieht sie zur erwarteten Kursentwicklung.

Wir gehen vor allem Positionen an den Kernmärkten ein, um Mehrertrag gegenüber dem Bloomberg Barclays U.S. Aggregate Index zu erzielen. Unsere Einschätzungen versuchen wir so effizient wie möglich umzusetzen. Risikokonzentrationen sollen dabei vermieden werden: Alle Positionen sollen sich in einem bestimmten Umfeld nicht ähnlich gut oder ähnlich schwach entwickeln.

Credits

Trotz der guten Konjunktur haben sich die Unternehmen aufgrund der niedrigen Zinsen und des Bedarfs der Investoren an höheren Renditen höher verschuldet. Die Risiken von Investmentgrade- und High-Yield-Anleihen sind in der aktuellen Zyklusphase asymmetrisch, da sich die Spreads nur noch begrenzt verengen können und eine höhere Volatilität sowie weitere Spreads recht wahrscheinlich sind. Auch wenn wir für das kommende Jahr keine deutlich höheren Ausfallquoten von High Yield erwarten, müssen sich die Unternehmen vor der nächsten Rezession mit ihrer Fremdkapitalstruktur befassen. Daher bevorzugen wir eine Untergewichtung von Credits.