Anleihenanalyst schwimmt erfolgreich gegen den Strom „Manche Investoren dachten, wir wären völlig irre“

Anleihenanalyst Steven Major von HSBC Holdings in London überraschte skeptischen Kunden mit seinen Prognosen. (Foto: HSBC)

Anleihenanalyst Steven Major von HSBC Holdings in London überraschte skeptischen Kunden mit seinen Prognosen. (Foto: HSBC)

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Dieses Jahr schwimmt Steven Major mit seiner Meinung wieder gegen den Strom. Immer noch zeigt die Wall Street in die andere Richtung. Allerdings hat die Wall Street letztes Jahr auch mächtig daneben gelegen.

Major, Leiter Research für Festverzinsliche bei HSBC Holdings in London, stach aus der Masse hervor, als er korrekt vorhersagte, dass die Renditen zehnjähriger Treasuries auf etwa 2,1 Prozent fallen würden. Andere hatten gesagt, sie würden sich 4 Prozent nähern.

“Manche Investoren dachten, wir wären völlig irre”, erzählt Major, als er über seine Markteinschätzung von 2014 spricht. Heute sagt er, dass die Renditen weiter fallen werden, möglicherweise auf bis zu 1,5 Prozent, bevor sie wieder anziehen und das Jahr bei 2,5 Prozent abschließen werde. Die Wall Street dagegen erwartet im Zuge von Zinserhöhungen durch die Fed einen großen Ausverkauf am Markt. Der Median der 74 Prognosen aus einer Bloomberg-Umfrage liegt bei 3,01 Prozent zum Jahresende.

Major weist Bedenken wegen der Fed zurück. Stattdessen sieht er Parallelen zwischen der schwachen Weltkonjunktur in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und der Lage heute. Damals hatte das schwache Wachstum die Treasury-Renditen unter 2,5 Prozent gehalten. Nach seiner Empfehlung im letzten Jahr werde Major nun “mehr Anhänger haben”, sagte Rod Davidson, Leiter Festverzinsliche beim HSBC-Kunden Alliance Trust.

2015 wird ein historisches Jahr

Bereits jetzt deutet sich an, dass 2015 ein historisches Jahr werden wird. Die Treasuries-Renditen fielen zu Jahresbeginn stärker als am Anfang irgendeines anderen Jahres seit 1998. Sie schlossen letzte Woche bei 1,95 Prozent. Der Durchschnitt der Benchmark-Renditen der USA, Deutschlands und Japans fiel erstmals unter 1 Prozent, in Europa droht eine Deflation, der Ölpreis fiel unter 50 Dollar je Barrel und die US-Löhne gingen zurück.

Major zufolge können die Zinsen noch jahrelang niedrig bleiben, weil die Schulden, die die Länder nach der Finanzkrise auf sich geladen haben, das Wachstum dämpfen und ihre Ausgaben einschränken. Der weltweite Anleihenmarkt hat sich um mehr als 40 Prozent auf 100 Billionen Dollar aufgebläht, nachdem die Regierungen Rettungsaktionen für Banken organisierten und einbrechende Steuereinnahmen die Defizite vergrößerten.

Laut Internationalem Währungsfonds erreichte die öffentliche Verschuldung 2012 108 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt - und damit ein Niveau, das es seit Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gegeben hatte. Trotz der Sparmaßnahmen einiger Länder wird die Quote in diesem Jahr immer noch bei 106 Prozent liegen.