Anleihenmärkte Die Nullzinspolitik könnte noch einmal zurückkehren

Paul Brain, Leiter Anleihen bei Newton Investment Management (BNY Mellon IM): „Die Nachfrage der Anleger dürfte wieder anziehen“

Paul Brain, Leiter Anleihen bei Newton Investment Management (BNY Mellon IM): „Die Nachfrage der Anleger dürfte wieder anziehen“

Seit der Kreditkrise von 2008 haben die Anleihenmärkte eine Reihe von Veränderungen durchlaufen. Dazu zählen beispielsweise ein deutlicher Anstieg der Emissionen von Nicht-Finanz-Unternehmensanleihen, ein Trend hin zu negativ verzinsten Investments sowie der Umstand, dass mittlerweile mehr Transaktionen abseits der traditionellen Market Maker abgewickelt werden.

Der Erfolg, den Unternehmensanleihen vor allem in den letzten drei Jahren verzeichnet haben, hat aber dazu geführt, dass der Markt für ein nachlassendes Wirtschaftswachstum sowie einen möglichen Anstieg der Ausfallraten anfällig geworden ist. Da die Notenbanken ihre Notfallhilfen für Anleihen mittels Zinsanhebungen und einer Beendigung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen (QE) demnächst offenbar zurückfahren werden, könnten negative Staatsanleihenrenditen bald der Vergangenheit angehören. Gleichzeitig wird das Wachstum im Bereich elektronischer Handel Anlegern auch weiterhin dabei helfen, liquide zu bleiben. Trotzdem wird es nach wie vor Phasen dysfunktionaler Märkte geben.

Die Anleger-Nachfrage wird wieder anziehen

Momentan stellen wir fest, dass die Erwartungen auf eine allmähliche Beendigung der QE-Maßnahmen die Anleihenrenditen etwas ansteigen lassen. Wir vertreten aber auch die Meinung, dass die Nachfrage seitens der Anleger anschließend wieder anziehen wird. Schließlich sorgen sich die Investoren darum, welche Auswirkungen die Verschärfung der Geldmarktpolitik wohl auf die Konjunktur sowie auf risikobehaftete Anlageformen haben wird.

Die für Staatsanleihen größte Gefahr besteht jedoch in einem potenziellen Anstieg der Inflation. Bisher hat eine Reihe von Faktoren (nicht zuletzt neue Technologien sowie die beträchtlichen Überschusskapazitäten) die Inflationserwartungen niedrig gehalten. Es besteht aber die Möglichkeit, dass sich die Binneninflation (aufgrund der engen Arbeitsmärkte) „festsetzen“ und ohne eine Rezession nur schwer zu bekämpfen sein wird.

Fiskal- und geldpolitische Stimuli sind möglich

Die Niedrig- und Nullzinspolitik ist zwar zusehends auf dem Rückzug, könnte auf längere Sicht aber durchaus zurückkehren. So könnte dem nächsten konjunkturellen Abschwung zwar mit mehr fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen entgegengewirkt werden, aber irgendwann stößt auch diese Strategie an ihre Grenzen. Und nachdem die Notenbanken zuletzt bereits auf eine Notfall-Zinspolitik gesetzt haben (in Form eines Niedrig- bzw. Nullzinsniveaus sowie von QE-Maßnahmen), würden sie wahrscheinlich nicht lange zögern, erneut auf diese Weise einzugreifen.

Angesichts dieses Umfelds schrittweise ansteigender Zinsen und einer langsam wieder anziehenden Inflation machen Investments in inflationsgebundene Wertpapiere zurzeit einen attraktiven Eindruck. Teilweise könnte das Durationsrisiko dieser Papiere durch den Einsatz von Staatsanleihen-Futures ausgeglichen werden.

Anleger sollten selektiv vorgehen

Für das Jahr 2018 rechnen wir größtenteils mit einem positiven Wirtschaftswachstum und niedrigen Ausfallraten bei Unternehmensanleihen. Unserer Meinung nach könnte man bei der Credit-Auswahl auf einen selektiven Ansatz setzen, der auf Firmen abzielt, die von mehr staatlichen Konjunkturhilfen profitieren könnten. Als Orientierungshilfe könnten dabei ein schrittweiser Anstieg der Rüstungs- und Infrastrukturausgaben sowie mögliche steuerliche Änderungen dienen, die ausgewählten Unternehmen zugutekommen.