Anleihestrategien 2018 Jyske Capital rät zu Vorsicht bei Unternehmensanleihen

Martin Nybye Sørensen, Leiter der Abteilung Unternehmensanleihen bei Jyske Capital: „Die geringere Ertragserwartung geht nicht unbedingt mit einem niedrigeren Risiko einher. Dies hängt mit der bei Hochzinsanleihen üblichen vorzeitigen Rückkaufoption zusammen.“

Martin Nybye Sørensen, Leiter der Abteilung Unternehmensanleihen bei Jyske Capital: „Die geringere Ertragserwartung geht nicht unbedingt mit einem niedrigeren Risiko einher. Dies hängt mit der bei Hochzinsanleihen üblichen vorzeitigen Rückkaufoption zusammen.“

Seit Jahren nutzen Investoren Unternehmensanleihen, um höhere Renditen zu erzielen und Portfolios zu diversifizieren. Aktuell sind sie auf der Suche nach Anleihen, die zusätzlich vor dem wachsenden Risiko steigender Zinsen schützen. Viele verschlägt es dabei zu Unternehmensanleihen mit kurzer Duration. Allerdings zwingt die Konzentration auf Kurzläufer Investoren zu größeren Zugeständnissen bei der Kreditqualität, um noch eine halbwegs attraktive Rendite zu erzielen. Hochzinsanleihen stehen daher oft im Fokus dieser Strategie.

Bei High Yields steigen in der Regel die Zinsen und Renditeaufschläge mit der Duration. Anleihen mit kurzer Laufzeit liefern also weniger Erträge als länger laufende Papiere. Das Problem dabei: Die geringere Ertragserwartung geht nicht unbedingt mit einem niedrigeren Risiko einher. Dies hängt mit der bei Hochzinsanleihen üblichen vorzeitigen Rückkaufoption zusammen. Der Emittent lässt sich die Möglichkeit offen, die Anleihe bereits zu einem Zeitpunkt vor der endgültigen Fälligkeit abzulösen.

Ertragschancen passen nicht zum eingegangenen Risiko

Ob der Emittent von seiner Option Gebrauch macht, hängt in der Regel davon ab, ob der Anleihekurs über oder unter dem festgelegten Rückkaufpreis notiert: Ist der Marktpreis höher, wird der Emittent die Anleihe ablösen und sich neu finanzieren.

In einem positiven Szenario mit fallenden Unternehmensanleihezinsen steigt der Preis von Anleihen mit langer Duration besonders stark. Bei den kurzfristigeren Papieren wird erwartetet, dass sie bei der ersten Rückkaufoption aufgelöst werden, und sie legen daher nicht so stark zu.

In einem gegensätzlichen Szenario mit steigenden Unternehmensanleihezinsen, wird die kurzfristige Anleihe zunächst etwas, das langfristige Papier hingegen deutlicher fallen. Wenn der Renditeanstieg jedoch stärker ausfällt, wird der kurzfristige Bond schnell unter den Rückkaufpreis fallen. Eine frühzeitige Ablösung ist dann nicht mehr wahrscheinlich, und die Duration der Anleihe steigt, da sie nun bis zur endgültigen Fälligkeit läuft (siehe Grafik). Der Preisverfall der kurzfristigen Anleihe könnte also viel deutlicher ausfallen, als man es von einer Anleihe mit kurzer Duration erwartet hätte.

Abbildung: Steigt der Risikoaufschlag (Spread), fällt eine langfristige Anleihe zunächst stärker im Preis als eine kurzfristige. Bei signifikanter Spread-Ausweitung dagegen kann die Kurzfrist-Anleihe ebenfalls deutlich fallen, wenn durch den Kursverlust ein vorzeitiger Rückkauf (Call) für den Emittenten nicht mehr attraktiv ist.

                                                                                                Quelle: Jyske Capital

Wer nur auf Anleihen mit kurzer Duration setzt, riskiert also, überproportional Chancen auf der Aufwärtsseite einzubüßen. Gleichzeitig ist das Abwärtsrisiko immer noch sehr hoch, wenn sich die Risikoaufschläge ausweiten.

Flexibles Portfolio ohne Einschränkungen bei der Titelauswahl

Wir halten es für sinnvoller, in ein breites Anleiheportfolio zu investieren und die Duration, also das Zinsrisiko, über Staatsanleihen-Futures abzusichern. So ist man gegen Zinsanstiege geschützt und hat gleichzeitig einen zweiten Vorteil: Ein offeneres Universum mit Bonds aller Laufzeiten und Bonitäten. Die Vergangenheit zeigt, dass für den Anleger ein breites Anleiheportfolio von Vorteil ist. Eine Beschränkung auf einen speziellen Teil des Universums – etwa auf kurzlaufende Bonds – kann zu suboptimalen Anlageentscheidungen führen. Die erforderlichen Kompromisse sind hier zu groß. Das Ertragspotenzial als auch die Flexibilität bei der Titelauswahl sind eingeschränkt. Aber gerade Flexibilität ist im aktuellen Umfeld für Unternehmensanleihen ein wichtiger Faktor.

Multi-Faktor-Ansatz bei Hochzinsanleihen filtert die besten Emittenten

Da die Renditestreuung im High-Yield-Markt weiter sehr gering ist, werden Investoren nach wie vor nicht über den Risikoaufschlag belohnt, wenn sie Anleihen risikoreicher Unternehmen minderer Qualität kaufen. Daher sollte nicht der Spread das wichtigste Auswahlkriterium sein, sondern die Stabilität der Kreditqualität. Doch wie findet man ebendiese soliden Schuldner in einem globalen Universum von rund 2.500 High-Yield-Anleihen? Für unseren High Yield Corporate Bonds Fund (ISIN: DK0016262728; SICAV: LU1529111814) beispielsweise nutzen wir ein faktorbasiertes Modell. Für die Auswahl der besten Emittenten halten wir drei Faktoren für entscheidend: Value (Bewertung), Momentum (Kurstrend) und Qualität. Erwiesenermaßen liefern Faktoren wie Qualität oder Value dem Investor Risikoprämien und ermöglichen in bestimmten Marktphasen eine überdurchschnittliche Performance.

Für das kommende Anlagejahr gilt für Anleiheinvestoren daher: Es könnte an der Zeit sein, gern genutzte Anlagestrategien oder Auswahlkriterien auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls anzupassen.