Antwerp Diamond Bank Diamantenbranche verliert nach 80 Jahren ihre wichtigste Bank

ADB und niederländische ABN Amro Bank beliehen Rohdiamanten nur noch zu 70 Prozent ihres Wertes. (Foto: Getty Images)

ADB und niederländische ABN Amro Bank beliehen Rohdiamanten nur noch zu 70 Prozent ihres Wertes. (Foto: Getty Images)

// //

Die Antwerp Diamond Bank (ADB) wird ihre Kreditvergabe einstellen, nachdem ein Verkauf durch die belgische KBC Groep (KBC Gruppe) an die chinesische Yinren Group in der vergangenen Woche scheiterte.

KBC wird ADB absorbieren und deren Aktivitäten langsam beenden. Damit zeichnet sich ab, dass Kredite für die Branche, die auf Finanzierungen angewiesen ist, um die Rohdiamanten anzukaufen, die dann zu Brillanten geschliffen werden, knapper werden.

Zumal die Konditionen der Finanzierungen bereits zuvor verschärft waren. “Das kann keine gute Nachricht für die Diamantenbranche sein”, sagt Charles Wyndham, früherer Verkaufsdirektor bei De Beers und Gründer von WWW International Diamond Consultants.

“Das war die einzige Bank, die sich ganz auf die Diamantenbranche ausgerichtet hatte, und sie zieht sich zurück. Die Liquidität ist ein großes Problem.”

Auf ADB entfielen über 10 Prozent des Finanzierungsmarkts im Diamantengeschäft im Gesamtvolumen von 15 Milliarden Dollar. Der Wegfall der Bank dürfte die überragende Position Antwerpens in der weltweiten Diamantenbranche schwächen, zumal der Wettbewerb mit Händlern in Städten wie Mumbai und Dubai mit niedrigeren Kosten zunimmt.

In Antwerpen finanzierte ADB nach Angaben des Antwerp World Diamond Center rund ein Drittel der Diamantenhändler. Der Verband erklärte in einer Stellungnahme, er führe Gespräche mit Branchenmitgliedern über Wege, die verlorene Finanzierung auszugleichen.

Bereits im April hatten Banken ihre Finanzierungsbedingungen verschärft. ADB und die niederländische ABN Amro Bank beliehen Rohdiamanten nur noch zu 70 Prozent ihres Wertes, statt zuvor 100 Prozent.

ADB verwies dabei auf das Verhältnis der Preise für Rohdiamanten im Vergleich zu geschliffenen Steinen und Diamantschmuck. ABN Amro erklärte am Dienstag, sie werde weiterhin Finanzierungen für die belgische Diamantenbranche bereitstellen, arbeite aber daran, dass die Kredite weniger riskant werden.

“Für die richtigen Unternehmen sind ausreichend Finanzierungen im Markt verfügbar”, teilte ABN Amro mit. “Unser langfristiger Ausblick für die Diamantenbranche als Ganzes und für den belgischen Sektor ist positiv”, hieß es weiter.

Dass ADB keine neuen Kredite mehr vergeben wird, hat sich bereits auf die Preise für Rohdiamanten ausgewirkt. Nach Daten von WWW International fielen die Preise in der vergangenen Woche um 5 Prozent. Das war der stärkste wöchentliche Rutsch seit zwei Jahren.