Artemis-Manager Jacob de Tusch-Lec warnt vor bequemen Investments „Es kann wehtun, die gleichen Aktien wie alle zu besitzen“

Jacob de Tusch-Lec, Manager des Artemis Global Equity Income

Jacob de Tusch-Lec, Manager des Artemis Global Equity Income

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DER FONDS: Artemis hat im Juni einen Klon des britischen Artemis Global Income Fund für Kontinentaleuropa aufgelegt. Globale Aktienfonds gibt es in Deutschland schon zur Genüge. Was kann ihr Produkt, was andere Fonds nicht können?

Jacob de Tusch-Lec: Unser Research-orientierter Anlageprozess führt zu einem einzigartigen Multi-Cap-Portfolio. Es enthält tendenziell mehr kleinere, mittlere und auch größere Unternehmen, aber weniger von den Mega-Konzernen, auf die sich viele andere globale Fonds stützen. Wir suchen nach Unternehmen, die ihren attraktiven freien Cashflow für eine nachhaltige und wachsende Dividende nutzen.

Setzen Sie dabei in erster Linie auf Stockpicking?


Da der Fonds global ausgerichtet ist, halten wir es für falsch, makroökonomische Faktoren zu ignorieren. Daher verbinden wir die fundamentale Aktienanalyse mit einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung, um die Gewichtungen der Regionen und Sektoren zu bestimmen. Das Ergebnis ist ein antizyklisches Portfolio, dessen geografische Allokation häufig stark vom Index und anderen globalen Fonds abweicht.

Zurzeit auch?


Der Fonds ist aktuell stark in Europa investiert – viel stärker als die globale Benchmark. Wir verabschieden uns aber langsam von europäischen Versorgern und kaufen dafür zyklische US-Aktien hinzu. Zum Beispiel haben wir die Gesellschaft Ryder System ins Portfolio genommen, die LKWs wartet und vermietet. Es gibt Anzeichen, dass die US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte an Schwung gewinnt, und es gibt eine direkte Verbindung zwischen dem Wirtschaftswachstum und den gefahrenen Meilen von LKW-Firmen. Zudem haben wir in die größten Profiteure des anziehenden Wachstums und der steigenden Zinsen investiert: die Banken. In Europa haben wir Intesa Sanpaolo und Danske Bank gekauft, in den USA JP Morgan. Die größte Position im Fonds ist der japanische Finanzkonzern Mitsubishi UFJ.

Und wie schätzen Sie die Emerging Markets ein?

Die Region ist wieder zunehmend interessant. Die Aussicht auf steigende US-Zinsen hat die Stimmung für die Schwellenländer belastet und ihre Bewertung auf ein attraktives Niveau gedrückt. Hier bieten sich jetzt gute Gelegenheiten. Falls die Straffung der Geldpolitik in den USA langsamer erfolgt als von vielen Investoren erwartet, könnten Schwellenländeraktien von ihrem überverkauften Niveau nach oben schnellen. Wir haben den Fonds hier aufgestockt und zum Beispiel die Banco do Brasil gekauft.