A.S.I.-Vorstand Franz-Josef Rosemeyer Harte LV-Garantie „langfristig unnötig und renditegefährdend“

A.S.I.-Vorstand Franz-Josef Rosemeyer: Harte LV-Garantie „langfristig unnötig und renditegefährdend“ | © unsplash.com

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Franz-Josef Rosemeyer, Vorstand der A.S.I. Wirtschaftsberatung

Allen Unkenrufen zum Trotz bleiben Lebensversicherungen für die allermeisten Menschen ein sinnvoller Teil der Altersvorsorge. Gerade unter den fondsgebundenen Rentenversicherungen finden sich Modelle, mit denen die Kundenbedürfnisse hervorragend erfüllt werden.

Die Komplexität dieser Produkte hat in den vergangenen Jahren jedoch immer weiter zugenommen. Für Kunden und auch Berater wird der Markt dadurch zunehmend unübersichtlich. Wer den Überblick behalten will, sollte die grundlegenden Argumente im Kopf behalten.

Lebenslange Einkommensgarantie

Das entscheidende Argument für den Abschluss einer privaten Rentenversicherung bleibt unabhängig vom gewählten Modell identisch: Sie garantiert dem Kunden vom Auszahlungsbeginn bis zum Lebensende monatliche Zahlungen zusätzlich zu dessen Rente. Diese lebenslange Einkommensgarantie ist die Grundlage einer Entscheidung für eine Rentenversicherung.

Darüber hinaus unterscheiden sich die Produkte – ob dynamisch oder statisch, 2-Topf oder 3-Topf – vor allem hinsichtlich möglicher Garantien und der Anlagefreiheit des Versicherungsnehmers. Damit tragen die Anbieter den vielfältigen Kundenwünschen Rechnung. Oftmals zeigt sich, dass 2-Topf-Hybrid-Produkte für viele Vorsorgesparer den gestellten Anforderungen nach (eingeschränkter) Garantie und gleichzeitiger Nutzung von Renditechancen ausreichend gerecht werden.

Auch ohne harte Garantie: Beiträge sicher

In Zeiten höherer Renditen waren Zinsgarantien eine elegante Möglichkeit, die Gegenpole Sicherheitsbedürfnis und Renditechance zu vereinen. Der Kunde musste sich keine Sorgen vor möglichen Verlusten machen und konnte sich dennoch als erfolgreicher Anleger fühlen, zumal neben den Zinsgarantien noch satte Überschussbeteiligungen gutgeschrieben wurden.

Angesichts der Niedrigzinsen und veränderter gesetzlicher Vorgaben können die Anbieter derzeit keine solchen Versprechen machen. Stattdessen werden mit vollständigen Beitragsgarantien lediglich nominelle Verluste ausgeschlossen.

Preis für vermeintliche Sicherheit

Der Preis für diese vermeintliche Sicherheit ist allerdings sehr hoch, weil damit zusätzliche Renditechancen ebenfalls nahezu ausgeschlossen werden, da zur Sicherstellung der Garantien die Anlage der Beiträge fast ausschließlich in festverzinslichen Papieren erfolgen muss. Wer meint, dass sich bei Beendigung der Niedrigzinsphase die Überschüsse in solchen Verträgen schnell wieder einstellen werden, irrt gewaltig.

Erstens ist eine deutliche Trendumkehr überhaupt nicht in Sicht und zweitens ist die Reaktionsfähigkeit im Falle steigender Zinsen eingeschränkt. Die durchschnittliche Restlaufzeit der Kapitalanlagen bei den Versicherern beträgt zirka zehn Jahre. Die Nutzung gestiegener Zinsen im Rahmen festverzinslicher Anlageformen ist voll umfänglich also erst nach diesem Zeitraum möglich.