Asiatische Aktienmärkte „Die Zeichen stehen auf Wachstum“

Andrew Swan, Head of Asian Equities bei BlackRock

Andrew Swan, Head of Asian Equities bei BlackRock

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Einige asiatische Länder arbeiten sich nur langsam aus der Krise heraus. Wie reagieren Anleger darauf?

Andrew Swan: Sie sind nicht gut darauf zu sprechen. Ausländische Investoren haben zwischen Juni 2015 und Januar 2016 insgesamt 40 Milliarden US-Dollar aus Asien abgezogen.

Ist das gerechtfertigt?

Swan: Nicht im Moment. Ich denke, Investoren sollten Asien aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Die Wirtschaftsdaten aus China sehen nicht schlecht aus und die niedrigen Ölpreise helfen Öl-Importländern wie Indien. Sowohl politische als auch wirtschaftliche Reformen zeigen Wirkung, und einige Staaten bewegen sich gerade weg von permanenten Finanzspritzen für die Wirtschaft hin zum Konzept individuellen Konsums. Außerdem sollten Anleger bedenken, dass die Performance der Vergangenheit generell kein Wegweiser für die Zukunft ist und Investments in Schwellenländern immer etwas riskanter sind als in Industrieländern.

Welche Länder machen im Moment besonders große Fortschritte?

Swan: Ein Sternchen am asiatischen Himmel ist China. Politiker haben dort in letzter Zeit viel unternommen, um ihr Land zu stabilisieren. Die letzten Zahlen aus dem Industriesektor sind gut und das Wachstumsprogramm der Regierung scheint zu wirken. Überwunden scheint die Krise aber noch nicht.

Was muss von Regierungsseite denn noch passieren?

Swan: Die Überkapazitäten im Industriesektor müssen abgebaut werden, auch wenn einige Unternehmen dabei Pleite gehen. Nur so kann das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederhergestellt und das Preisniveau stabilisiert werden. Das wird sicherlich kein leichtes Unterfangen für die Chinesen. Es ist aber bitter notwendig.

Ist Indien auch auf dem Weg der Besserung?

Swan: Ja, die jüngsten Wirtschaftsdaten aus Indien sehen gut aus. Wir sind bei der Investition dort aber noch sehr vorsichtig und analysieren sehr genau. Im Moment haben wir Aktien von Unternehmen im Fokus, die vom allgemeinen Wirtschaftsaufschwung profitieren.

Welche Branchen gehören dazu?

Swan: Zum Beispiel der Finanzsektor, sowie Versorger. Besonders interessant sind Energieunternehmen. Mehr als 200 Millionen Inder haben immer noch keinen Strom. Wenn man sie ans Netz anschließt, würde Indien einen Wachstumsimpuls erhalten und Investoren aus dem Ausland anlocken.

Indonesiens Wirtschaft hat sich in letzter Zeit auch gut entwickelt.

Swan: Absolut richtig. Die Indonesier haben jede Menge Reformen auf den Weg gebracht, um ausländische Investoren für ihren Industriesektor zu begeistern. Damit wollen sie die schlechten Exportraten ausgleichen.

Was ist mit Korea, Malaysia und Taiwan?

Swan:Diese Länder wirken aktuell weniger attraktiv. Es gibt keine Anzeichen, dass die dort wichtigen Industrien Maschinenbau und Schifffahrt bald wieder auf Wachstumskurs sind. Die globale Nachfrage ist einfach zu niedrig.

In manchen Ländern geht es also steil nach oben, andere bleiben am Boden

Swan: Ja, das stimmt. Die Renditen, die Investoren in Asien erzielen, unterscheiden sich von Land zu Land und von Sektor zu Sektor. Es gibt zahlreiche soziale, ökonomische und demographische Einflussfaktoren auf dem Kontinent. Anleger sollten sich dort auf keinen Fall an ein einziges Unternehmen binden. Das Verlustrisiko wäre viel zu hoch, weil der Erfolg oftmals nur von einem ganz bestimmten Marktumfeld abhängt.

Welche Sektoren sind breit über Asien hinweg interessant?

Swan: Energie und Rohstoffe. Sie sind im Moment unterbewertet, kontrollieren ihre Kosten aber sehr gut. Die Technologie-, Gesundheits-, und Industriesektoren sind auch interessant. Die wachsende Mittelschicht Asiens will ihr höheres Einkommen nicht nur zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse ausgeben, sondern auch Smartphones, Spielzeugkonsolen und andere Freizeitwerte kaufen. Das sorgt für eine hohe Nachfrage in den Sektoren.

Was halten Sie von asiatischen Banken?

Swan: Asiatische Banken sehe ich aktuell weniger positiv. Sie leiden unter den niedrigen Zinsen und sind nicht besonders profitabel.