Asiens Börsen ticken anders: Vermögensverwalter Ekkehard Wiek über Finanzmärkte in Singapur & Co.

Quelle: Fotolia

Quelle: Fotolia

// //

Asien wird mit seinem Wirtschaftwachstum den Westen wohl auch in den nächsten Jahrzehnten übertrumpfen. Doch Kursgewinne erzielen werde damit nur, wer die im Vergleich zu Deutschland stärker ausgeprägten Börsentrends richtig zu nutzen weiß.  

Ginge es rein nach fundamentalen Daten, stünde das Ergebnis schon fest: Asiens Volkswirtschaften werden  wohl auch in den nächsten Jahrzehnten schneller wachsen als die westlichen Ökonomien. Gilt also für die Börsen in Shanghai, Bombay oder Hong Kong das Motto „heute kaufen und einfach 10 oder 15 Jahre liegen lassen“? Ganz so simpel wird es sicher nicht sein, wie ein Rückblick zeigt. Bereits in den vergangenen beiden Dekaden glänzte Asien mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von 5 bis 10 Prozent. Doch an der Börse blieb davon auf den ersten Blick nichts hängen, denn der Aktienindex MSCI Asien ex Japan steht heute auf dem Stand von 1994. Gleichwohl scheinen die nach der Asienkrise 1997 erzwungenen Strukturreformen zu wirken: Seit 1998 hat Asien Europas Börsen um 180  Prozent überflügelt.
Asiaten fahren gerne auf der Kurs-Achterbahn

Auch die weiteren Chancen sind geradezu phantastisch. Denn wo Dynamik ist, entstehen auch Chancen auf gute Anlageergebnisse – zumindest für diejenigen, die mit großen Schwankungen umgehen können. So fällt eines besonders auf: An Asiens Börsen geht es eigentlich so gut wie nie seitwärts, sondern immer aufwärts oder abwärts. Das liegt in der Natur der Asiaten im Allgemeinen und der Chinesen im Besonderen, deren ethnischer Einfluss heute in vielen Ländern Asiens und an deren Börsen zu sehen ist.

Optimistisch, risikobereit, leidensfähig

Auch wenn Verallgemeinerungen der Vielfalt eines so großen Kontinents nicht gerecht werden, so gilt doch: Im Vergleich zu Europäern sind Asiens Anleger deutlich optimistischer, risikofreudiger und auf kurzfristige, hohe Gewinne aus. Ihre Zügellosigkeit und Spekulationsfreude treiben sie allerdings auch in tiefe Verluste, wenn sie falsch liegen. Während deutsche Anleger ein Elefantengedächtnis vor allem für schlechte Erfahrungen haben, sind Asiaten in der Regel um vieles leidensfähiger und stecken Rückschläge rascher weg. Im Lichte des Behavioral Investing besehen, verlaufen die Kursentwicklungen an den Börsen damit kalkulierbarer.