Assenagon-Chefvolkswirt Martin Hüfner Verschuldung: „Die Gefahr wächst, dass es knallt“

Die Staatsschulden der Industrieländer in Prozent vom Bruttoinalandsprodukt | © Hüfner, IWF

Die Staatsschulden der Industrieländer in Prozent vom Bruttoinalandsprodukt Foto: Hüfner, IWF

Martin Hüfner

Wenn eines sicher ist, dann dies: Es wird auch wieder eine neue Finanzkrise in der Welt geben. Wann und in welcher Form wissen wir natürlich nicht. Dass sie wieder durch Zockereien am amerikanischen Immobilienmarkt passiert, schließe ich aus. Die Geschichte wiederholt sich nicht. Aber könnte sie vielleicht durch die so stark gestiegene Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten ausgelöst werden? Das Thema ist derzeit in aller Munde. Der Internationale Währungsfonds hat auf seiner Frühjahrstagung in der letzten Woche in Washington eindringlich davor gewarnt.

Tatsächlich ist die Verschuldung inzwischen extrem hoch. Sie ist in der Welt mehr als doppelt so groß wie die gesamte Wirtschaftsleistung. Seit der großen Finanzkrise ist sie nicht zurückgegangen (wie alle das versprochen und prognostiziert hatten). Sie ist im Gegenteil um über 10 Prozent gewachsen. Etwas mehr als ein Viertel entfallen auf die privaten Haushalte, 30 Prozen auf die Unternehmen. Der Löwenanteil von 42 Prozen betrifft den Staat.

Staatsschulden in Prozent des BIP

Hüfner/IWF

Die Grafik zeigt, wie sich die Staatsverschuldung in den letzten 140 Jahren entwickelt hat. In Kriegszeiten war sie wie zu erwarten besonders hoch. Danach ging sie meist zurück, zum Teil auch durch Währungsreformen. Heute ist sie höher als im Ersten Weltkrieg und etwas niedriger als im Zweiten Weltkrieg. Allein das ist schon beängstigend. Von einem Rückgang auf globaler Ebene kann nicht die Rede sein, allenfalls in einzelnen Ländern – zum Beispiel in der Bundesrepublik.

Nun soll man die Verschuldung nicht generell verteufeln. Nicht jeder Kredit ist schlecht. Ohne Kredite wären Wirtschaft und Gesellschaft nicht denkbar. Viele Familien mit Kindern könnten sich ein Haus oder ein Auto erst leisten, wenn die Kinder bereits erwachsen sind. Unternehmen könnten nur im Ausmaß der erwirtschafteten Gewinne wachsen, investieren und Arbeitsplätze schaffen. Wachstum und Wohlstand wären geringer. Staaten ohne Verschuldung sind häufig solche, die zu wenig in die Zukunft investieren.