Asset-Allokation BlackRock Investment Institute setzt europäische Aktien auf „übergewichten“

Fans mit Flaggen bei der Eröffnung des Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen: Aus Sicht von BlackRock spricht vieles dafür, dass 2017 ein Jahr europäischer Aktien wird. | © Getty Images

Fans mit Flaggen bei der Eröffnung des Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen: Aus Sicht von BlackRock spricht vieles dafür, dass 2017 ein Jahr europäischer Aktien wird. Foto: Getty Images

Zugegeben: Europäischen Aktien wurde in den letzten Jahren schon des Öfteren eine rosige Zukunft prophezeit – gekommen ist es dann meist anders. Seit Beginn des Jahrzehnts konnte man mit europäischen Aktien zwar viel Geld verdienen, Aktien aus den USA warfen jedoch – in Euro gerechnet – fast dreimal so viel Ertrag ab. Aus der US-Dollar-Perspektive war es zumindest noch rund das Doppelte. Natürlich hat die Eurokrise an der schlechten Performance genauso ihren Anteil wie die Verlangsamung des globalen Wachstums. Letzteres betrifft Europa deutlich stärker als die USA.

Vieles spricht allerdings dafür, dass 2017 tatsächlich das Jahr europäischer Aktien wird. Wir vom BlackRock Investment Institute haben daher unsere Anlageempfehlung für dieses Segment von „neutral“ auf „übergewichten“ angehoben. Aber warum gerade jetzt? Diese Frage erscheint vordergründig berechtigt angesichts des Wahlmarathons, der in Europa vor uns liegt. Auch die nach wie vor nicht gelöste Eurokrise spricht aus Sicht vieler Anleger gegen europäische Aktien.

Natürlich sehen auch wir die politischen Risiken und auch wir glauben, dass uns die Eurokrise noch eine Weile begleiten wird. Allerdings erscheint der Mix aus übertriebener Furcht vor den anstehenden Wahlen (insbesondere in Übersee), einer vergleichsweise günstigen Bewertung, einer aktuell signifikanten Untergewichtung in globalen Portfolios sowie letztlich vielversprechenden Fundamentaldaten als perfekter Nährboden für eine Outperformance europäischer Aktien in den nächsten Monaten.

Prognose: Rechte Politiker haben das Nachsehen

Schauen wir konkret auf den vermeintlichen Kontrapunkt Wahlen. Ja, in Holland liegt Geert Wilders in den Umfragen mit seiner rechtspopulistischen Partei PVV vorne. Da es sich bei der Wahl aber um eine reine Verhältniswahl handelt, müsste Wilders, um an die Macht zu gelangen, etwa die Hälfte aller Stimmen bekommen, da niemand mit ihm koalieren will. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist nahe Null: aktuell liegt Wilders in den Umfragen bei etwa 35 Prozent.

Und ja, Marine Le Pen liegt mit der rechten Partei Front National in Frankreich in den Umfragen vorne. Alles deutet darauf hin, dass sie in die Stichwahl Anfang Mai einziehen wird. Die Zeit zwischen erstem und zweitem Wahlgang könnte durchaus unruhig werden, keine Frage. Le Pen dürfte aber im zweiten Wahlgang keine Chance haben. Aktuelle Umfragen sehen Emmanuel Macron mit seiner Partei En marche in einer etwaigen Stichwahl gegen Le Pen mit 65 zu 35 Prozent vorne. François Fillon (Les Républicains) käme immerhin noch auf 59 zu 41 Prozent – trotz „Penelopegate“.

Selbstverständlich hat das letzte Jahr eine gewisse Demut im Umgang mit Umfragewerten gelehrt. Dennoch sollten Anleger sich eher fragen, was mit Europa passiert, wenn ein reformwilliger Kandidat die französischen Wahlen gewinnt, anstatt die Folgen eines Wahlsieges Le Pens durchzuspielen. Unsere These lautet: Am Ende des Jahres 2017 haben wir eine gestärkte Achse zwischen Berlin und Paris, die zusammen wichtige Reformen in Europa vorantreibt. Sicher keine allzu schlechte Nachricht für die Finanzmärkte.

Internationale Investoren bestimmen Schicksal europäischer Aktien

Wenn dann die Unternehmensgewinne in Europa nur halbwegs das halten, was sie gegenwärtig versprechen, dürften sich auch Anleger aus dem Ausland dem Segment wieder interessiert zuwenden. Machen wir uns nichts vor: Von diesen Investoren hängt letztendlich ab, ob Europas Aktien tatsächlich der Gewinner im verbleibenden Jahr werden.

Ein Vorteil hierbei: Die Latte bei den Unternehmensgewinnen hängt nach den schwachen Zahlen der letzten Jahre derart niedrig, dass bereits ein moderater absoluter Zuwachs der Gewinne einem recht großen prozentualen Anstieg entspricht, der für Aufsehen sorgen könnte. Dank des sich weltweit ausbreitenden Reflationierungstrends, der gerade europäischen Unternehmen hilft, hätten Aktien unseres Kontinents diesen Vorteil aber wohl nicht einmal nötig.