Asset Management „Faktor-Investing schlägt langfristig den Markt“

Smart-Beta-ETFs setzen bei Börsen-Investments auf so genannte Faktoren. Eric Bertrand, Head of Fixed Income, Multi Asset and Quantitative Strategies bei Ofi Asset Management erklärt, was genau am Faktor-Investing smart ist. | © Lorenzo Cafaro

Smart-Beta-ETFs setzen bei Börsen-Investments auf so genannte Faktoren. Eric Bertrand, Head of Fixed Income, Multi Asset and Quantitative Strategies bei Ofi Asset Management erklärt, was genau am Faktor-Investing smart ist. Foto: Lorenzo Cafaro

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Eric Bertrand, Ofi Asset Management

DAS INVESTMENT: Multi-Faktor-Investing gilt als aktueller Trend im Asset Management. Treibt die Finanzbranche eine neue Sau durchs Dorf?

Eric Bertrand: Im Gegenteil: Faktor-Investing, Smart Beta und regelbasierte Investment-Strategien schauen auf eine lange Geschichte zurück. Die Anfänge des Faktor-Investments gehen auf die Value-Ansätze von Benjamin Graham und David Dodd in den 1930er Jahren zurück. In den 1960ern identifiziert William Sharpe verschiedene Risiko-Faktoren – unter anderem die Sharpe Ratio – die die Aktienrendite bestimmen. Und in den 1990ern haben Eugene Fama und Kenneth French dem Faktor Volatilität zwei weitere hinzugefügt, die nach ihrer Erkenntnis die Rendite stark beeinflussen: Die Marktkapitalisierung und das Buch-Marktwert-Verhältnis. Demnach schneiden Aktien von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung besser ab als solche mit hoher Marktkapitalisierung. Und: Aktien mit einem hohen Buch-Marktwert-Verhältnis, also Value-Titel, schneiden besser ab als Growth-Titel.

Auf Faktorstrategien setzen auch viele neue Smart-Beta-ETFs. Was genau am Faktor-Investing ist smart?

Nun, historisch gesehen konnten Ansätze, die nur Beta-Faktoren berücksichtigen, die Aktienrendite lediglich zu 70 Prozent erklären. Das sogenannte Drei-Faktor-Modell, das Volatilität, Marktkapitalisierung und das Buch-Marktwert-Verhältnis hinzuzieht, erklärt 95 Prozent. So ist das Smart an Smart Beta zu verstehen, wobei Smart-Beta und Faktor-Investing oft gleichbedeutend verwendet werden.

Und werden ausgerechnet derzeit so viele Multi-Faktor-ETFs aufgelegt?

Das ist eine Konsequenz aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Die Anleger haben erkannt, dass ETFs allein kein Allheilmittel sind und dass es kein leichtes Unterfangen ist, die langfristig besten aktiv gemanagten Fonds aus dem Markt zu filtern. Darauf haben die Vermögensverwalter reagiert und Multi-Faktor-ETFs entwickelt. Mit dem Ansatz, die aktive mit der passiven Welt zu verbinden, haben diese Anlagevehikel in Zeiten steigender Korrelation und höherer Volatilität ihre Berechtigung. Sie sind transparent, aktiv gemanagt und haben trotzdem eine günstigere Kostenstruktur…

Wie kommt das?

Multi-Faktor-Investing setzt prinzipiell auf kostengünstige Indizes. Tatsächlich unterscheiden sich die Produkte nur in den Schwerpunkten, die der jeweilige Fondsmanager setzt. Beispielsweise kann der Manager eine komplexere Faktor-Strategie umsetzen oder zwischen verschiedenen Faktoren je nach Marktlage und -einschätzung hin- und herwechseln.

Aber was bedeutet das für die Gebührenstruktur?

Zu Beginn waren die Gebühren von Faktor-Investing-Produkten zwischen passiven Index-Replikationen und aktiven Fonds angesiedelt. Mit dem anhaltenden Wettbewerb unter ETF-Anbietern sind die Preise immer weiter gefallen. Dank einer besseren Technologie können Multi-Faktor-Produkte eine ähnliche Gebührenstruktur wie die ersten Smart-Beta-Produkte halten.

Sind Multi-Faktor-Investing Produkte also eine Art Multifunktionswerkzeug?

In der Theorie ja, in der Praxis sollten Anleger jedoch genau wissen, was sie kaufen und zu welchem Preis. Denn zum einen gibt es inzwischen eine große Spanne an Faktor-Investment-Produkten: Angefangen von simplen Smart Beta-Lösungen bis hin zu ausgetüftelten Quant-Strategien. Zum anderen bringt das Multi-Faktor-Investing per se Marktschwankungen mit sich. Dies erfordert ein sehr gutes Risikomanagement. Denn obwohl es allgemein erwiesen ist, dass Faktor-Investing langfristig den Markt schlägt, kann es immer wieder auch längere Zeiträume – wie während der Finanzkrise – geben, in denen die Produkte aufgrund der Gewichtung der Faktoren schlechter als der Markt abschneiden.

Auch Ihr Unternehmen bietet Anlegern unterschiedliche Smart-Beta-Strategien an.

Wir verfolgen einen Sektor-spezifischen Ansatz. Dabei zielen wir darauf ab, dass jeder Sektor dasselbe Risikobudget hat, wobei das Risiko als Beitrag zur Portfoliovolatilität definiert wird. Der Vorteil davon ist, dass kein Sektor ausgeschlossen wird. Alle ausgewählten Wertpapiere eines Sektors werden gleichgewichtet.

Dabei verfolgen Sie einen Nachhaltigkeitsansatz. Wie sieht der aus?

Wir wenden die Methode des Best-in-class-Ratings an. Das heißt, dass unser internes Analystenteam die besten Unternehmen eines Sektors aus dem Eurostoxx-Universum herausfiltert und dann eine Rangfolge anhand verschiedener sozialer, ethischer und ökologischer Kriterien erstellt. Wir behalten zwei Drittel der besten Unternehmen eines jeden Sektors in unserem Portfolio.