Auftrieb in Indien, Brasilien & Co. Schwellenländer-ETFs erleben Comeback

Ein Junge lässt in Shanghai die chinesische Flagge wehen. Die Wirtschaft seines Heimatlandes erholte sich in den letzten Monaten. (Foto: Getty Images)

Ein Junge lässt in Shanghai die chinesische Flagge wehen. Die Wirtschaft seines Heimatlandes erholte sich in den letzten Monaten. (Foto: Getty Images)

// //

Schwellenländer waren in den letzten Jahren bei Anlegern nicht besonders gefragt. Weder Aktien noch Anleihen spielten in Portfolios eine große Rolle. Inzwischen hat sich das Bild jedoch gewandelt: Spätestens seit dem Brexit-Votum erfreuen sich Aktien und Anleihen aus Schwellenländern wieder größerer Beliebtheit. Der Trend zeigt sich besonders deutlich an den Zuflüssen in europäische iShares-ETFs. Im Monat nach der Volksabstimmung in Großbritannien zwischen dem 23. Juni und dem 21. Juli verbuchte iShares 66 Prozent der Zuflüsse im Aktienbereich und 82 Prozent der Zuflüsse im Anleihebereich in Schwellenländer-ETFs.

Woher kam der Kurswechsel? Er hat sicherlich auch mit dem Brexit zu tun. In Schwellenländern dreht sich – anders als in Industrieländern – nicht seit Wochen alles um den Austritt der Briten aus der Europäischen Union (EU). Viel wichtiger sind für jedoch die Hinweise der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die Leitzinsen dieses Jahr nicht mehr zu erhöhen.

Was die Weltwirtschaft angesichts der Fragezeichen über der Entwicklung in Großbritannien und auch Europa stützen soll, hilft vielen Schwellenländern. Wenn die Zinsen in den USA nicht angehoben werden, dürfte auch der US-Dollar nicht so stark steigen – ein Vorteil für die Staaten und Unternehmen in Schwellenländern mit Auslandsschulden in US-Dollar.

Entspannung in China

Auch China wird von vielen Marktteilnehmern längst nicht mehr so kritisch gesehen wie noch zu Jahresanfang. Der Regierung ist es gelungen, zumindest aktuell das Wachstum im anvisierten Zielkorridor von knapp 7 Prozent zu halten. Eine harte Landung scheint damit gegenwärtig vom Tisch.

Darüber hinaus trägt die Entwicklung des Ölpreises zur besseren Stimmung gegenüber Schwellenländern bei. Die Kurse sind zwar zuletzt wieder etwas gefallen, von den historischen Tiefs bei unter 28 US-Dollar für Brent-Öl sind sie aber immer noch weit entfernt. Der Stimmung hilft das gleich doppelt: Zum einen deutet der höhere Ölpreis auf eine gestiegene Nachfrage aus produktionsorientierten Schwellenländern hin, zum anderen entlastet er die ölexportierenden Länder.

Was Schwellenländer-Aktien betrifft, lohnt es sich, einen Blick auf die Bewertungen zu werden. Die Kurse aus Indien, Brasilien & Co. schneiden aktuell deutlich besser ab als entwickelte Märkte.

ETFs als Zugang zu Schwellenländern

Auch wenn unter der Oberfläche noch immer Risiken lauern und zeitweilige Rückschläge möglich sind, kann es sich für Anleger lohnen, sich auch wieder etwas mehr mit Schwellenländern zu beschäftigen. ETFs bieten viele Möglichkeiten. Breite Aktienindizes, die aufstrebende Wirtschaftsräume in aller Welt abbilden, können das Risiko gegenüber einer Anlage in einzelnen Ländern reduzieren. Und Low-Volatility-Strategien können die Auswirkungen von kurzfristigen Schwankungen mildern. Auch auf der Anleiheseite haben Anleger mit ETFs die Wahl zwischen Schwellenländer-Anleihen in US-Dollar und solchen in Lokalwährung.