Ausblick 2015 „Der Papagei fliegt"

Das Europäische Parlament in Brüssel. Foto: Getty Images

Das Europäische Parlament in Brüssel. Foto: Getty Images

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Ein Papagei, der tot auf dem Rücken liegt. So sieht die britische Zeitschrift „The Economist“ die Wirtschaft in Euroland. Bundeskanzlerin Angela Merkel steht daneben und sagt: „Der schläft nur.“

Eine Anspielung auf einen Sketch der britischen Kult-Serie „Monty Python’s Flying Circus“, in dem der Verkäufer einer Zoohandlung seinen Kunden mit den absurdesten Begründungen davon zu überzeugen versucht, dass sich das leblose, erst vor einer halben Stunde gekaufte Tier bester Gesundheit erfreut.

Doch wie viel Leben steckt noch im Papagei Europa? „Die konjunkturelle Lage in Euroland lässt sich nur wie folgt beschreiben: Null-Wachstum, Null-Zinsen, Null-Inflation“, sagt Peter Huber, Fondsmanager und Chef der Vermögensverwaltung Starcapital.

Große Änderungen sind auch 2015 nicht zu erwarten. Die Geld-Flut ebbt nicht ab. Nie zuvor hingen die Kapitalmärkte so stark an der Politik der Notenbanken. Die Fed, Europas EZB und die Bank of Japan dürften 2015 rund eine Billion Dollar (800 Millionen Euro) in die Märkte spülen. Mehr als doppelt so viel wie 2014.

Was bedeutet das für die Börsen und vor allem für Investoren? Die klassischen Kurzfristanlagen fressen Kapital auf, anstatt es zu vermehren. Die reale Rendite, also nach Abzug der Inflation, ist aber auch in vielen länger laufenden Segmenten unattraktiv.

Für zehnjährige Bundesanleihen etwa gibt es gerade noch 0,75 Prozent Zinsen, weniger als die aktuelle Inflation von 0,8 Prozent. „Das Chance-Risiko-Verhältnis von europäischen Staatsanleihen ist nicht mehr adäquat“, sagt Huber.

Also Hände weg. Wer unbedingt Investment Grade will, sollte laut Huber bei US-Dollar-Bonds internationaler Emittenten suchen. Und wenn die Zinsen dort im kommenden Jahr steigen?

„Sowohl Investoren als auch die US-Notenbank haben keine Erfahrungen mit dem Ausstieg aus der Nullzinspolitik“, sagt Stefan Keitel, globaler Investmentchef bei Berenberg, der ältesten Privatbank Deutschlands.

Schon allein deswegen werde ein solcher Anstieg behutsam erfolgen. Keitel: „Nichtsdestotrotz besteht die Gefahr, dass die Märkte überreagieren. Wir stellen uns darauf ein, dass die Volatilität im Vorfeld der ersten Zinserhöhung etwas steigt.“


Quelle: Bloomberg