Ausblick 2017 Wahlen werden das Wachstum in Europa nicht beeinflussen

Jan Holst Hansen, Chefanalyst bei Danske Invest

Jan Holst Hansen, Chefanalyst bei Danske Invest

2017 stehen für Jan Holst Hansen vor allem zwei Faktoren im Mittelpunkt: Ein im Aufwind befindlicher Produktionssektor und die Unterstützung durch die Finanz- und Geldpolitik. Der Produktionssektor vermelde erhöhte Auftragseingänge sowie einen Anstieg der Erzeugerpreise und der Nachfrage. Gleichzeitig erwartet er, dass die Finanzpolitik weiterhin locker bleiben wird, während im geldpolitischen Bereich mit keinen weiteren Lockerungen zu rechnen sei.

Allokation und Anlageklassen

Danske Invest beginnt das neue Jahr mit einer moderaten Übergewichtung in Aktien aus den Industriestaaten. Für 2017 erwartet Hansen keine drastischen Zinsanhebungen und ist der Meinung, dass die Korrektur am Anleihemarkt, bei der die Zinsen gestiegen und die Anleihekurse gefallen sind, allmählich zu Ende geht. In Bezug auf Unternehmensanleihen ist der Experte von Danske Invest im Allgemeinen neutral eingestellt und bevorzugen europäische Anleihen gegenüber US-Anleihen. Darüber hinaus gefallen ihm nach wie vor Staatsanleihen aus den Schwellenländern in Lokalwährung, da deren Zinsen hoch und die Währungen günstig sind.

Europa

In Europa legt Hansen besonderes Augenmerk auf die Finanz- und Geldpolitik, denn: „Die Europäische Kommission hat mitgeteilt, dass sie künftig eine noch lockerere Finanzpolitik als 2016 unterstützen wird. Damit gibt es grünes Licht, dass die Staatshaushalte der Länder noch weiter aus dem Ruder laufen dürfen und die Länder noch stärker auf Wachstum als auf die Haltbarkeit der öffentlichen Wirtschaft setzen können.“ Das werde eine anhaltend expansive Finanzpolitik zugunsten des Wachstums unterstützen. „Wir gehen außerdem davon aus, dass die EZB 2017 an ihrem gemäßigten Ton festhalten wird“, so Hansen weiter.

Ein anderes Thema für die europäische Wirtschaft werde im Jahresverlauf die politische Unsicherheit sein. 2017 stehen in Europa nämlich erneut einige bedeutende Wahlen an, dieses Mal in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden. Insgesamt sollte das Wachstum in Europa nach den Erwartungen von Danske Invest 2017 auf dem gleichen Niveau liegen wie 2016.

USA

Nach der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten laute nun die große Frage, welche Teile seines politischen Programms realisiert werden. Am wahrscheinlichsten sei Trumps umfassendes Steuerpaket, und das könne in der zweiten Jahreshälfte 2017 moderat positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Insgesamt erwartet Hansen in den USA im kommenden Jahr ein Wachstum von etwa 2,5%, das unter anderem durch deutliche Fortschritte am Arbeitsmarkt unterstützt werde. Außerdem rechnet er mit zwei bis drei Zinsanhebungen der Zentralbank.

Schwellenländer

China werde nach Hansens Einschätzung sowohl in der Finanz- als auch in der Geldpolitik Lockerungen beibehalten. Sollte die Wirtschaft zurückfallen, werde China insbesondere die Infrastrukturinvestitionen erhöhen, um sein Wachstumsziel von 6,5 Prozent zu erreichen. Im zweiten Halbjahr werde der Fokus auf dem Nationalen Volkskongress liegen, in dem Präsident Xi Jinping einen Großteil der politischen Führung des Landes austauschen wird. Bis dahin dürften Chinas Politik und das Wachstum des Landes unverändert bleiben.

In den restlichen Schwellenländern erwartet Hansen eine allmähliche Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbanken, was dem Wachstum dienlich sein wird. Zu den fundamentalen Unsicherheiten zähle das Risiko, dass in den USA nach Trumps Wahl Protektionismus einkehren wird, und steigende US-Zinsen, die die Volkswirtschaften der Schwellenländer unter Druck setzen würden. Alles in allem geht Hansen jedoch davon aus, dass das Wachstum in den Schwellenländern 2017 wesentlich besser ausfallen wird als 2016.