Ausblick 2018 Leicht steigende Staatsanleihenrenditen zu erwarten

Charles McKenzie, Chief Investment Officer für Anleihen bei Fidelity. | © Fidelity International

Charles McKenzie, Chief Investment Officer für Anleihen bei Fidelity. Foto: Fidelity International

2017 wird als ein weiteres Jahr mit ansehnlichen Anleihenrenditen in Erinnerung bleiben. Einmal mehr blieb eine Korrektur an den Anleihenmärkten aus. Denn während wir Bilanz für 2017 ziehen, sind die Renditen in sämtlichen festverzinslichen Anlageklassen zumeist tiefer als zu Jahresbeginn. Die Rufe nach einer Korrektur werden daher wohl auch 2018 nicht verstummen.

Schieflage der Zentralbankpolitik

2017 war nicht von den Aktivitäten der Zentralbanken und der Drosselung ihrer Stimulusmaßnahmen geprägt, sondern vom Ausbleiben eines breit angelegten Preisanstiegs als Reaktion auf weltweit beschleunigtes Wachstum (siehe Grafik 1). Erneut mussten die Notenbanken die Modelle infrage stellen, die ihnen in früheren Zyklen gute Dienste geleistet hatten. Dazu zählt die Phillips-Kurve, die den Zusammenhang zwischen Inflation und Beschäftigung verdeutlicht.

Künftig sehen wir daher zunehmend die Gefahr, dass die Zentralbanken ihr Mandat flexibler auslegen und mehr Toleranz gegenüber einer niedrigen Inflation signalisieren. Nach über 25 Jahren der Inflationssteuerung sind die Währungshüter inzwischen gut darin, die Teuerung in Schach zu halten. Aber beim Anfachen der Inflation stoßen sie an ihre Grenzen.

Wegen dieser Schieflage tendieren die Notenbanken zur Vorsicht und dazu, die Zinsen länger niedriger zu halten – und leisten damit finanziellen Ungleichgewichten Vorschub. Deutlichstes Indiz dafür ist die Verschuldung, die aktuell einen Rekordstand von über 260 Prozent des globalen BIP erreicht hat, wie der jüngste Finanzstabilitätsbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF)* zeigt. Dieses Missverhältnis macht den Zentralbankern zunehmend Sorge.

Grafik 1: Inflation kommt trotz beschleunigten Wachstums nicht in Fahrt

Quelle: Bloomberg, Oktober 2017. Einfacher Durchschnitt des realen BIP und des Kern-VPI (jeweils in Prozent gegenüber dem Vorjahr) in den USA, der Eurozone und in Japan.

In den USA geht der Zinszyklus in sein drittes Jahr, und auch mit dem Wechsel an der Fed-Spitze ist keine Kursänderung der US-Notenbank zu erwarten. Wir gehen für 2018 von zwei Zinserhöhungen aus – etwas mehr, als aktuell an den Märkten eingepreist ist. Es ist aber immer noch wahrscheinlicher, dass die Fed behutsamer vorgeht.

Der aktuelle Straffungszyklus ist zwar der langsamste in der Geschichte; in den letzten drei Zyklen erreichten die Zinsen im Schnitt nach nur 18 Monaten ihren höchsten Stand. Gleichwohl dürften freundliche Wirtschaftsdaten, boomende Finanzmärkte und ein in einer engen Spanne verharrender US-Dollar dafür sorgen, dass die Fed vorerst ihren kontinuierlichen Straffungskurs beibehält.

*Finanzstabilitätsbericht des IWF, Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP für die G20-Länder, Oktober 2017.