Ausblick auf die Märkte Investieren bei schlechter Sicht

Stürmische See: Der Wirtschaftsaufschwung geht allmählich zu Ende und die Zeiten werden für Investoren schwieriger | © Getty Images

Stürmische See: Der Wirtschaftsaufschwung geht allmählich zu Ende und die Zeiten werden für Investoren schwieriger Foto: Getty Images

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2017 waren die geopolitischen Risiken an den Finanzmärkten kein großes Thema. Man sah eher ein Goldilock- Szenario mit moderatem Wachstum, moderater Inflation und niedrigen Zinsen. In einem Umfeld, das bereits jetzt volatiler wird – weniger akkommodierende Zentralbanken, anspruchsvolle Bewertungen, neue endogene und technische Gegebenheiten (weniger Liquidität, „crowded trades“) – braucht es keine signifikante Verschiebung der Fundamentaldaten, um heftige Marktbewegungen auszulösen. Es reicht der Flügelschlag eines Schmetterlings.

Investoren suchen sichere Häfen

An den Finanzmärkten führen die aktuellen politischen Spannungen zu häufigen Schwankungen und Zuflüssen in vermeintliche Safe-Haven-Anlagen (Gold, Staatsanleihen) und zu höheren Ölpreisen mit der Folge zusätzlicher Ungewissheit im Hinblick auf die Geldpolitik. Die Zentralbanken stehen ohnehin bereits vor der Frage, wie schnell sie die lockere Politik zurückfahren können. Einige aktuelle Wirtschaftsdaten und Umfragen lassen nämlich eine leichte Abschwächung der Wirtschaftstätigkeit erkennen, während das Inflationsrisiko zu steigen scheint – möglicherweise verstärkt durch die geopolitischen und handelspolitischen Spannungen.

Wir sehen im Wesentlichen drei Möglichkeiten, wie Investoren durch diesen „Nebel“ navigieren können. Erstens gilt es, sich auf den makroökonomischen Hintergrund zu konzentrieren und zwischen Störgeräuschen und fundamentalen Entwicklungen zu unterscheiden. Es gibt keine Anzeichen für eine starke konjunkturelle Abschwächung, obwohl sich die Anzeichen dafür mehren, dass das globale Wachstum an Dynamik verliert und wohl seinen Höhepunkt erreicht hat. Die Fiskalstimuli in den USA sowie prozyklische Maßnahmen in der Eurozone und in Japan können die Länge und die Amplitude des Zyklus zwar beeinflussen, die gegenwärtige Zyklusdynamik sollte sich aber dennoch fortsetzen.

Vorbereitung auf kommenden Zyklus läuft bereits

Für die Zukunft wird es entscheidend sein, zwischen rein zyklischen und strukturellen Faktoren zu unterscheiden, um das kurzfristige Risikoumfeld zu verstehen und gleichzeitig die langfristigen Kräfte an den Finanzmärkten zu betrachten. Alles in allem bedeutet dies eine moderate und vorsichtige Präferenz für Risikoanlageklassen, verbunden mit einem Fokus auf kurze Duration. Dabei sollte ein Engagement in die zyklischen Kräfte und das Exposure in zyklische Faktoren sowie Faktoren der Sektor- und Stilrotation kombiniert werden, wobei die Portfolios schrittweise für den nächsten Performance-Zyklus vorbereitet werden sollen.

Dies führt direkt zur zweiten Möglichkeit, wie man durch diese Phase navigieren kann: Es handelt sich um Strategien mit hoher Flexibilität und diversifizierten Renditequellen. Wir gehen davon aus, dass sich die Spätphase dieses Zyklus noch weiter ausdehnen wird. Daher müssen die Anleger bereit sein, sich auf verschiedene Szenarien einzustellen, dabei eine Vielzahl an Indikatoren überwachen, und schnell handeln, wenn es negative Signale gibt.

Der dritte Schwerpunkt für langfristige Investoren ist die Suche nach den Bottom-up-Möglichkeiten mit den besten Ertrags-Risiko-Profilen in allen Bereichen. Dies bedeutet, Branchentrends, wie zum Beispiel Regulierung oder disruptive Technologien, aufzudecken, oder länderspezifische Entwicklungen in den Schwellenländern zu erkennen, um so Gewinner und Verlierer zu identifizieren.