Ausblick für die US-Wirtschaft von Capital Group Spritze von 285 Milliarden US-Dollar für weiteres Wachstum

Präsident Trump bei der Präsentation von in den USA produzierten Produkten: Hohe Geldmenge verlängert Boomphase | © Getty Images

Präsident Trump bei der Präsentation von in den USA produzierten Produkten: Hohe Geldmenge verlängert Boomphase Foto: Getty Images

Die wirtschaftliche Expansion in den USA hält bereits seit neun Jahren an. Folglich werden die Stimmen lauter, dass auf diesen Höhenflug bei Zeiten ein Abschwung folgen muss. Die beiden Capital-Group-Volkswirte Darrell Spence und Jared Franz sind sich jedoch einig, dass die US-Wirtschaft weiterwachsen wird. „Die Steuerkürzungen dürften das US-amerikanische Wachstum im Jahr 2018 sowie auch im Jahr 2019 weiter anregen, insbesondere aufgrund höher Verbraucher- und Unternehmensausgaben“, sagt Jared Franz, Volkswirt bei Capital Group.

Stimuli greifen US-Wirtschaft unter die Arme

Die Ende 2017 beschlossenen weitreichenden Steuerkürzungen und die im Februar genehmigte Erhöhung der Staatsausgaben haben der US-Wirtschaft zu neuer Stärke verholfen. Die Experten der Capital Group erwarten, dass diese Maßnahmen einen finanziellen Anreiz in Höhe von circa 285 Milliarden US-Dollar für die US-Wirtschaft bedeuten. „Zusätzlich sollte die Kombination aus höheren Unternehmensgewinnen, den Anreizen für Investitionen in Geschäftsausstattung und die gut laufende globale Wirtschaft die Wirtschaftsaktivitäten pushen. Ich erwarte, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um zirka 3 Prozent wachsen wird“, so Franz.

Auch Darrell Spence sieht in den reduzierten Steuern und den höheren Ausgaben einen Impulsgeber für die US-Wirtschaft: „Die Geldmenge, die gerade in die Wirtschaft fließt, hat erhebliche Auswirkungen, die wahrscheinlich auch im Jahr 2019 noch zu spüren sein werden.“

Steigende US-Unternehmensgewinne sind gut für den Aktienmarkt

Neben der Wirtschaft unterstützen die Steuersenkungen auch die Unternehmensgewinne. Einige Unternehmen im S&P 500 konnten bereits neue Höchstwerte verbuchen. Thomson Reuters zufolge lag das Ergebnis der S&P-Unternehmen nach Steuern im ersten Quartal 2018 um 25,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Dieser Wert markiert den höchsten Gewinn der vergangenen sieben Jahre, sowie das insgesamt siebenstärkste Quartal gemessen an der Gewinnsteigerung pro Aktie.

„Das derzeitige Umfeld ist sehr gut für Gewinne“, so Spence. „Auf den Zyklus von stärkerer wirtschaftlicher Aktivität und die bessere Preisgestaltung gestützt, ist es nicht zu optimistisch, wenn ich von einer Steigerung der Erträge von 20 Prozent in diesem Jahr ausgehe. Dies würde sich wiederum auch positiv auf den Aktienmarkt auswirken.“

Zinserhöhungen bestimmen Länge zwischen den Rezessionen

Einen Faktor sollten Anleger jedoch nicht aus den Augen verlieren: die Inflation. „Wenn es etwas gibt, auf das die Märkte in der zweiten Hälfte des Jahres schauen werden, ist es die Frage, ob eine relativ optimistische Inflationsprognose angebracht ist oder nicht“, sagt Spence. Bereits zu Beginn des Jahres führte die Sorge vor einer höheren Inflation zu Ängsten vor schnell steigenden Zinsen. Folglich kam es zur ersten Marktkorrektur seit 2016. Schätzungen der beiden Experten zufolge lägen die jüngsten Inflationswerte aber nicht auf einem Niveau, das Aktien typischerweise belaste.

Es sprechen allerdings einige Faktoren dafür, dass sich die Inflation erhöhen könnte. Sollte dies der Fall sein, könnte laut Spence auch der Plan der Fed, ihre Zinsen sukzessive zu erhöhen, in den Hintergrund rücken: „Es scheint logisch, dass jeder Aufwärtstrend bei Wachstum und Inflation die Fed anregen könnte, das Tempo der Zinserhöhungen in den kommenden Jahren anzuheben.“

Interessant: Das Tempo der Zinserhöhungen könnte mitbestimmen, wann es wieder zu einer Rezession kommt. Je langsamer die Erhöhungen erfolgen, desto größer ist die durchschnittliche Zeitspanne zwischen den Rezessionen. Insgesamt bleibt Spence aber optimistisch. „Es gibt keine systematischen oder großen Ungleichgewichte, die von so bedeutender Größe oder Natur sind, dass sie die US-Wirtschaft in den nächsten zwölf bis 18 Monaten in eine Rezession stürzen könnten.“

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