Ausblick Pictet AM Die Tech-Aufsteiger der Schwellenländer

Supriya Menon,  Multi-Asset-Strategin Pictet Asset Management:  „Die Emerging Markets geben sich nicht mehr mit ihrer Rolle als Nachahmer und Kopisten zufrieden, sie wollen zu den Innovatoren zählen.“ | © Pictet AM

Supriya Menon, Multi-Asset-Strategin Pictet Asset Management: „Die Emerging Markets geben sich nicht mehr mit ihrer Rolle als Nachahmer und Kopisten zufrieden, sie wollen zu den Innovatoren zählen.“ Foto: Pictet AM

Technologie statt Rohstoffe: Der Technologie-Sektor hat im MSCI Emerging Markets längst die Führung übernommen. Von einem 10-Prozent-Anteil vor zehn Jahren ist er jetzt mit einem Anteil von 27 Prozent der größte Einzelsektor in dem globalen Aktienindex. Der Rohstoffsektor hingegen ist in der vergangenen Dekade von 37 auf 15 Prozent geschrumpft. In der Folge reagiert der MSCI Emerging Markets heute deutlich geringer auf das Auf und Ab der Rohstoffmärkte als in der Vergangenheit.

Der Technologie-Trend in den aufstrebenden Ländern dürfte noch lange nicht am Ende sein. Diese geben sich nicht mehr mit ihrer Rolle als Nachahmer und Kopisten zufrieden, sie wollen zu den Innovatoren zählen. China beispielsweise verfügt schon heute über eine viel größere Preismacht, da das Land zunehmend hochentwickelte Elektronik produziert. Highend-Güter machen mittlerweile rund 87 Prozent der chinesischen Exporte aus, 2001 waren es nur 63 Prozent. Auch Indien hat den Fokus stärker auf Hightech gelegt. Indem sie sich der digitalen Transformation stellen, eröffnen sich viele Schwellenländer in Asien, Lateinamerika und anderen Regionen die Möglichkeit eigene wertschöpfende Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln – und machen dem Silicon Valley zunehmend Konkurrenz. Dabei haben sie gleich mehrere Schlüsselbereiche im Blick.

Abb. 1: Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung, prozentual vom GDP:

Künstliche Intelligenz aus China

Chinas Regierung etwa verfolgt den ehrgeizigen Plan, das Land zu einem globalen Zentrum für künstliche Intelligenz auszubauen. Schon heute greifen die Tech-Giganten Alibaba und Baidu die amerikanische Vormachtstellung bei Software für diesen Bereich an. Auch kann künstliche Intelligenz der Halbleiterbranche in Taiwan und Südkorea neuen Auftrieb verleihen. Wettbewerbsfähig sind Unternehmen aus Schwellenländern auch bei mobilen Messenger-Diensten. Oft bieten diese sogar ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten als die Pendants aus dem Silicon Valley. Dazu zählen zum Beispiel Geldüberweisungen, Jobsuche oder Prepaid-Stromangebote. Chinesische Anbieter haben dabei einen besonderen Vorteil: Von 1,3 Milliarden Einwohnern lassen sich enorme Datenmengen sammeln.

Indien verfolgt einen radikalen Umbau des Finanz- und Geldsystems in Richtung Digitalisierung. Mit der Entwertung vieler Banknoten im November 2016 hat die Regierung dem Geldkreislauf Cash im Wert von 45 Milliarden US-Dollar entzogen. Die Transaktionen über das staatliche Zahlungssystem sind in einem Jahr von 100.000 auf 76 Millionen gestiegen. Und Indiens digitales Identifizierungssystem Aadhaar ist die einzige nicht-amerikanische technologische Dienstleistung, die die Eine-Milliarde-Nutzer-Marke geknackt hat. Für einheimische Banken und Versicherer gibt es großes Potenzial, mithilfe dieser Plattform Kunden außerhalb des formalen Finanzsystems abzugreifen. Das traditionelle Geschäft wird dabei übersprungen und gleich auf digitales Banking gesetzt. Das gilt nicht nur für Indien: In Kenia wächst das mobile Zahlungssystems M-Pesa in großen Schritten.

MercadoLibre statt Amazon

Beim Online-Handel setzen die Schwellenländer ebenfalls auf eigene Anbieter. Lateinamerika ist nach Asien die Region mit dem zweitstärkten E-Commerce-Wachstum. Das argentinische Unternehmen MercadoLibre ist der beliebteste lateinamerikanische Handelsplatz im Netz und beginnt nun, außerhalb der Region zu expandieren. Auch der Blockchain-Technologie öffnen sich viele Emerging Markets. Venezuela hat als erster Staat eine eigene virtuelle Währung entwickelt.

Ein weiterer Bereich, in dem vor allem China hervorsticht, ist die Umwelttechnologie. Die Regierung in Peking steuert Kapital in technologiebasierte Programme gegen Umweltverschmutzung. Das kurbelt die Aussichten einheimischer Unternehmen an, die zum Beispiel Filter für Maschinen oder industrielle Anwendungen für die Kontrolle von Umweltverschmutzung entwickeln. China verfügt über mehr Umwelttechnologiepatente als Japan und Korea, Europa oder Nordamerika.

Der anhaltende Aufstieg der Innovatoren in den Emerging Markets sollte die Qualität und Nachhaltigkeit des Wirtschaftswachstums in den Ländern stärken und die Erträge aus Schwellenländeraktien weiter über die Erträge von Industrieländeraktien heben. Wir erwarten, dass Technologieaktien aus den Emerging Markets in den kommenden fünf Jahren mit 14,5 Prozent etwa doppelt so hohe jährliche Erträge liefern wie ihre US-Pendants.

Abb. 2: Emerging Markets Aktienindex: Güter vs. Technologie

Den vollständigen „Secular Outlook“ von Pictet AM finden Sie hier.