Ausweitung des Anlageuniversums MSCI verstärkt sich mit chinesischen A-Aktien

Blick auf den globalen Finanzplatz Shanghai: Chinas Aktienmarkt steht vor erheblichen Kapitalzuflüssen.  | © Getty Images

Blick auf den globalen Finanzplatz Shanghai: Chinas Aktienmarkt steht vor erheblichen Kapitalzuflüssen. Foto: Getty Images

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Sukumar Rajah, Senior Managing Director bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity

Ab Juni 2018 nimmt der Indexanbieter MSCI 233 chinesische A-Aktien, die in Renminbi notieren, an den festlandchinesischen Börsen in Schanghai und Shenzen gelistet sind und über eine hohe Marktkapitalisierung (Large Caps) verfügen, in seinen Emerging Markets Index und All Country World Index (ACWI) sowie seinen China Index auf.

Anfänglich werden in zwei Phasen insgesamt 5 Prozent der Streubesitzkapitalisierung dieser 233 Large Caps aus dem zweitgrößten Aktienmarkt der Welt aufgenommen: 2,5 Prozent wurden am 1. Juni in die beiden Indizes integriert, weitere 2,5 Prozent folgen im September. Damit sind die A-Aktien im Emerging Markets Index anfänglich mit lediglich 0,40 Prozent gewichtet. Im Jahresverlauf soll sich diese Gewichtung dann auf 0,79 Prozent erhöhen, wie MSCI jüngst mitteilte.

Angesichts der politischen Veränderungen, die Chinas Regierung während der vergangenen Jahre mit dem Ziel einer Öffnung der Märkte des Landes angestoßen hat, wird diese Entscheidung von internationalen institutionellen Anlegern breit unterstützt.

Eine wesentliche politische Kursänderung, die im Zuge dieser Anstrengungen vorgenommen wurde, bezieht sich auf die Lockerung der Einschränkungen bezüglich des Zugangs zum (inländischen) Markt für chinesische A-Aktien über die Stock Connect-Programme. Die Stock Connect-Programme ermöglichen den Handel zwischen den chinesischen Festlandbörsen in Shanghai und der Freihandelszone Shenzhen sowie der Börse Hongkong. Der Zugang ausländischer Anleger zum chinesischen Binnenmarkt wird damit deutlich vereinfacht.

Weitere Marktöffnung durch Handelsverbindung Schanghai-London

Darüber hinaus sind die Aussichten für eine Umsetzung der Stock Connect-Initiative zwischen London und Schanghai im weiteren Verlauf dieses Jahres vielversprechend. Diese direkte Handelsverbindung würde es internationalen Unternehmen ermöglichen, ihre Aktien direkt an den Börsen auf dem chinesischen Festland notieren zu lassen.

Der chinesische Binnenmarkt ist – gemessen an Volumen und Marktkapitalisierung – der zweitgrößte der Welt. Seine Integration in den globalen Markt ist daher von erheblicher Bedeutung. Zwar stellen die von MSCI in seine Indizes aufgenommenen Aktien zunächst nur einen geringen Anteil des gesamten Universums chinesischer Aktien dar. Aus unserer Sicht handelt es sich jedoch um einen wichtigen Schritt. Bezogen auf den MSCI China All Shares Index dürfte die Gewichtung chinesischer A-Aktien im Index nach aktuellen MSCI-Angaben etwa 38 Prozent betragen.

Auswirkungen der Aufnahme in die MSCI-Indizes

Auch wenn die hinzugenommenen A-Aktien im MSCI Emerging Markets Index nur eine relativ geringfügige Gewichtung erhalten, werden Pensionsfonds, Stiftungen und börsengehandelte Fonds weltweit gezwungen sein, chinesische Inlandsaktien zu kaufen, sofern sie den weitläufig verwendeten Benchmark-Index abbilden wollen. Daher gehen wir davon aus, dass der Markt vor erheblichen Kapitalzuflüsse steht.

Die Entscheidung von MSCI, chinesische A-Aktien in die eigenen Indizes aufzunehmen, dürfte für Anleger daher chancenreich sein. Es sollte allerdings beachtet werden, dass Investoren – wie auch wir bei Franklin Templeton – bereits seit Jahren in der Lage sind, über die Qualified Foreign Institutional Investor (QFII-) und Stock Connect-Programme in chinesische A-Aktien zu investieren.

Die MSCI-Gewichtung chinesischer Festlandaktien fällt anfänglich zwar recht moderat aus, die MSCI-Entscheidung stellt unserer Einschätzung nach jedoch einen bahnbrechenden ersten Schritt hin zu einer umfassenderen Integration von A-Aktien dar. Ein Zeitplan für eine vollständige Aufnahme wurde bislang noch nicht veröffentlicht. Wir gehen jedoch davon aus, dass eine solche Entwicklung mehrere Jahre dauern und vor allem von der fortgesetzten Öffnung der Kapital- und Devisenmärkte Chinas abhängen dürfte.

Zum Vergleich: Würde der Markt für A-Aktien mit seiner gesamten Marktkapitalisierung auf einen Schlag aufgenommen – also 100 Prozent gegenüber den bereits angekündigten anfänglichen 5 Prozent –, entfielen auf Basis der heutigen Niveaus 45 Prozent des MSCI Emerging Markets Index allein auf China. Rund 3.300 börsennotierte chinesische Firmen würden in diesem Fall aufgenommen.

Im Hinblick auf die nächste Aufnahmephase und künftige Entwicklungspläne könnte MSCI im Rahmen seiner für Juni angesetzten Überprüfung seiner Länderklassifizierungen eine weitere Ankündigung vornehmen. MSCI hat bereits klargestellt, dass eine Aufnahme von mehr als 5 Prozent der A-Aktien von drei Faktoren abhängt: Einer weiteren Lockerung des täglichen Handelslimits (das bereits um das Vierfache erhöht wurde), Fortschritten bezüglich Aussetzungen des Handels sowie einer Aufweichung der Einschränkungen hinsichtlich der Auflegung indexgebundener Anlageprodukte.