Auswirkungen auf internationale Finanzlandschaft Steigt chinesischer Renminbi zur weltweiten Reservewährung auf?

Eine Frau läuft an einer Wechselstube in Seoul vorbei: Neben dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund und dem japanische Yen, kann der Renminbi schon Ende des Jahres den internationalen Reservewährungsstatus erhalten. (Foto: Getty Images)

Eine Frau läuft an einer Wechselstube in Seoul vorbei: Neben dem US-Dollar, dem Euro, dem britischen Pfund und dem japanische Yen, kann der Renminbi schon Ende des Jahres den internationalen Reservewährungsstatus erhalten. (Foto: Getty Images)

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In den letzten Monaten hat China eine langjährige Kampagne zur Aufnahme der Währung des Landes, die offiziell als Renminbi (RMB) bezeichnet, aber auch Yuan genannt wird, in die Komposition der Special Drawing Rights (SDR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) intensiviert. Zwar schreiben die Medien seitenweise über die potenziellen Marktauswirkungen, falls die chinesische Währung einen internationalen Reservewährungsstatus erhalten sollte, das heißt von Notenbanken und anderen führenden Finanzinstituten zur Abzahlung internationaler Verbindlichkeiten gehalten werden kann, doch ist das Thema irgendwie undurchsichtig.

SDRs sind eine synthetische Quasi-Währung, die sich aus einem Korb weithin gehandelter Währungen zusammensetzt. Sie werden vom IWF für Bilanzierungszwecke und als Medium für die Allokation von Vermögenswerten an Mitgliedsstaaten verwendet. Für den privaten Handel und Finanzgeschäfte spielen sie so gut wie überhaupt keine Rolle. Sie sind jedoch eine Art Qualitätssiegel des IWF, das eine Währung über die notwendigen Qualitäten verfügt, um als internationale Reservewährung zu dienen. In der Tat gelten SDR-Währungen automatisch als akzeptable Reservewährungen, während andere Währungen bestimmte Kriterien für eine vollständige Wandelbarkeit erfüllen müssen, damit sie den gleichen Status erreichen.

Chinas Währung will internationalen Reservewährungsstatus erhalten

Bis vor kurzem galten für die Nutzung des RMB umfassende Beschränkungen der chinesischen Regierung. Die Behörden schienen die Kontrolle, die eine isolierte Währung der Geld- und Haushaltspolitik im Inland ermöglicht, für wichtiger zu erachten als den potenziellen Nutzen einer vollständigen Teilnahme an den globalen Finanzmärkten. Die Haltung der Regierung hat sich in den letzten Jahren jedoch mit den marktorientierten Wirtschaftsreformen und einer stärker nach außen gerichteten Außenpolitik, einschließlich der Maßnahmen zur Unterstützung einer weitreichenderen Nutzung des RMB, gewandelt.

Die vier Währungen mit SDR-Status, der US-Dollar, der Euro, das britische Pfund und der japanische Yen, bilden derzeit die überwältigende Mehrheit der globalen, internationalen Währungsreserven. Als Folge dessen dominieren sie auch die internationalen Anleihenmärkte und globale Finanztransaktionen.

In den letzten Jahren lässt der steigende Anteil, den Schwellenmärkte, und insbesondere China, am globalen Handel ausmachen, diesen Zustand auf gewisse Weise anachronistisch erscheinen. Die chinesische Regierung bemühte sich bereits seit 2010, der letzten Prüfung der SDR-Struktur durch den IWF, um eine Aufnahme des RMB in die SDR. Dies wurde jedoch abgelehnt. Unserer Ansicht nach erscheinen die Erfolgsaussichten für das im Oktober 2015 stattfindende Treffen hoch.

Status könnte Expansion chinesischer Unternehmen im Ausland erleichtern

Der Status als Reservewährung und die Internationalisierung des RMB könnten China auf mehrere Weise Nutzen bringen. Diese könnten unter anderem eine potenzielle Senkung der Kreditkosten und die Erleichterung einer Expansion chinesischer Unternehmen im Ausland sein. Dies würde grenzübergreifende Verträge über wichtige Rohstoffe, wie Eisenerz, mit Preisen in RMB ermöglichen. Die Währungsrisiken, die sich aus Preisen in US-Dollar ergeben, würden dadurch reduziert. Vor allem aber würde der Weg bereitet, einen Teil der enormen Devisenreserven Chinas in ökonomisch produktivere Richtungen zu lenken. Letztgenannte Maßnahme könnte das Wirtschaftswachstum sowohl in China, als auch global gesehen möglicherweise stimulieren.

Andere Länder, die über eine Reservewährung verfügen, halten im Verhältnis zu ihrem Bruttoinlandsprodukt viel geringere Reserven als China. So sind die USA derzeit dazu in der Lage, effektiv ganz ohne Reserven auszukommen. Gleichzeitig könnten Investmentprojekte im Ausland, wie Chinas ambitionierte Initiativen „One Belt, One Road“ und „Neue Seidenstraße“ sowie private Initiativen potenziell neuen Bedarf für Ressourcen schaffen. Derzeit sind diese noch in Währungseinlagen und Schatzanleihen gebunden.

IWF-Kriterien für die Aufnahme als Reservewährung

Zur Aufnahme einer Währung in die SDRs macht der IWF es primär erforderlich, dass die Währung in Hinblick auf ihren Anteil am globalen Handel wichtig, aber auch „frei gebräuchlich“ ist. Dieser Begriff gliedert sich weiterhin in „weithin gebräuchlich“ und „weithin gehandelt“ auf. Der RMB war bereits 2010 im globalen Handel weithin vertreten, der IWF entschied dennoch, dass die Währung nicht das „weithin gebräuchlich“-Kriterium erfüllte. Zudem war der RMB keine international wandelbare Währung. Der Wechselkurs gegenüber anderen Währungen wurde von der chinesischen Regierung streng auf einem Niveau reguliert, das viele Kommentatoren für eine signifikante Unterbewertung hielten.

Gleichzeitig fehlte dem unausgereiften lokalen Banksystem die Fähigkeit, viele der Instrumente anzubieten, die von internationalen Unternehmen für die Steuerung ihres Währungsmanagements benötigt werden. Eine Form des RMB, der sogenannte „Offshore-RMB“ war über ein paar in Hongkong ansässige Banken erhältlich. Er ließ sich aber im Vergleich mit anderen Währungen nur mit Mühe handeln und sein Wert auf den Devisenmärkten unterschied sich von dem des Onshore-RMB.

China ermöglicht stärkere Teilnahme an den internationalen Finanzflüssen

Seit 2010 hat sich viel geändert und der Veränderungsprozess beschleunigt sich. Die Zahl der Offshore-Zentren, in denen der RMB gehandelt wird, steigt. Gleichzeitig können in der Shanghai Free Trade Zone (FTZ) mit einigen Beschränkungen Devisentransaktionen zwischen dem Festland und angeschlossenen Offshore-Unternehmen ausgeführt werden. Zeitgleich hat sich die People’s Bank of China (PBOC) einer Reformpolitik in Hinblick auf das Banksystem des Landes zugewandt, indem sie die Zinsbindung abgeschafft und ein Einlageversicherungssystem eingeführt hat.

Das sind zwei wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Schaffung eines Systems, das vollständig in der Lage ist, an den internationalen Finanzflüssen zu partizipieren. Wichtig ist, dass viele Stellen, wie auch der IWF, der Überzeugung sind, der RMB sei fair bewertet. Der Status als Reservewährung würde eine Aufgabe der aktuellen Kopplung des RMB an den Dollar implizieren.