Vermögensverwalter Gottfried Urban „Kaufen und liegen lassen funktioniert bei Auto-Aktien nur bedingt“

Embleme der Marken VW, Mercedes und BMW: Schaffen die drei großen deutschen Autobauer eine Aufholjagd in Sachen E-Mobilität? | © Unsplash, Mike, Megapixelstock

Embleme der Marken VW, Mercedes und BMW: Schaffen die drei großen deutschen Autobauer eine Aufholjagd in Sachen E-Mobilität? Foto: Unsplash, Mike, Megapixelstock

Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG

Die deutschen Autohersteller stehen vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Vermutlich werden es die Chinesen sein, die der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen. Die Amerikaner reagieren am schnellsten: Tesla kündigt bereits den Bau einer Fertigung in China an. Mit Tesla kaufen Anleger vielleicht die neue Zukunftsautoaktie.

Doch noch steigt der Verlust mit jedem verkauften Elektroauto. Wer sich von den neuen Playern aus China oder den USA langfristig durchsetzen wird, ist noch nicht absehbar. Die deutschen Autobauer allerdings werden weiter den Weltmarkt mit hochwertigen Autos dominieren und damit Geld verdienen. 

Konventionelle Autobauer hochrentabel 

Ungeachtet der ungewissen Zukunft der Verbrennungsmotoren sind die konventionellen Autobauer nach wie vor hochrentabel. Die DZ Bank hatte in einer aktualisierten Studie errechnet, dass die Autoaktien deutlich unter ihrem fairen Wert gehandelt werden. Der Kurse spiegeln nur noch das Sechs- bis Achtfache der Jahresgewinne wieder.

Umgerechnet ist das eine Investitionsrendite von bis zu 16 Prozent, vorausgesetzt, die Gewinne bleiben auf diesem Niveau. Selbst wenn man unterstellt, dass die Autoindustrie in den nächsten Jahren nur noch halb so viel wie in den vergangenen Jahren verdient, ist die Branche für den mutigen Anleger eine mittelfristige Spekulation wert. 

Branche für mittelfristige Spekulation wert

Ich bin mir allerdings sicher, dass die drei großen deutschen Marken demnächst gut sind für eine Aufholjagd in Sachen E-Mobilität. Dass die Risiken groß sind, zeigen die Abneigung der Investoren und die niedrige Bewertung der großen deutschen Autoaktien. Falls wir uns nicht dazu durchringen, durch effektive Maßnahmen rasch einen heimischen Markt für E-Mobilität zu schaffen, besteht die große Gefahr, dass wir von der internationalen Konkurrenz aus den USA und Asien abgehängt werden. 

Verlierer sollte man nicht im Depot haben 

Wir wissen nicht, wer als Gewinner hervorgehen wird, wir wissen aber, dass es Verlierer geben wird und die sollte man nicht im Depot haben. Kaufen und liegen lassen funktioniert bei Autoaktien nur bedingt. Es gibt genügend Anlagealternativen in der Branche. Alle Hersteller, egal wer den Umbruch schafft, brauchen Reifen für die Autos oder Sensortechnik für das autonome Fahren. Damit ist ein Investment in Zulieferanten interessant.

Die Autohersteller sind klassische Vertreter der zyklischen Industrie. Auf lange Sicht tendieren ihre Aktien seitwärts. Sie sind immer relativ zum Markt preiswert und zahlen oft eine ordentliche Dividende.

Wer die Spannung liebt und sich aktive Kauf- und Verkaufsentscheidungen zutraut, kann dort gutes Geld verdienen. Wie lange die Phasen der guten Wertentwicklung anhalten können, hängt von der Dauer des Industriezyklus und von Neubewertungen ab. Ein Aussitzen oder falsches Timing kann sehr teuer werden.