Vermögensverwalter Uwe Zimmer „Autoindustrie ist zu gut vernetzt zum Scheitern“

Volkswagen-Emblem: Der größte europäische Automobilhersteller ist zu einem Fünftel im Besitz des Landes Niedersachsen. | © Getty Images

Volkswagen-Emblem: Der größte europäische Automobilhersteller ist zu einem Fünftel im Besitz des Landes Niedersachsen. Foto: Getty Images

Uwe Zimmer ist geschäftsführender Gesellschafter der z-invest GmbH in Köln

Nun mag die Autoindustrie tatsächlich gut verdrahtet sein und viele Ex-Politiker in ihren Reihen wissen. Von den aktiven, die sich um ihre Standorte sorgen, ganz zu schweigen. Dabei sind die Beziehungen gar nicht außergewöhnlich gut. Andere Branchen sind genauso weit oder weiter. Und natürlich ist es billig, auf Post und Telekom zu schielen, die lange genug im Staatsbesitz waren. Auch die Postbank gehörte dazu, heute Teil der Deutschen Bank. Oder die Energieversorger. Die Stahlbranche. Der Bergbau.

Es gibt also eine ganze Reihe von Branchen, die es in Sachen Beziehungen ganz gut mit der Autoindustrie aufnehmen können. Verquickungen von Politik und Wirtschaft sind gang und gäbe, man kann sie kritisieren – oder damit leben und sogar davon profitieren.

Skandale, Schummeleien, Misswirtschaft

Denn eines scheint sicher: Auch wenn es noch so hart kommt an Skandalen, Schummeleien oder Misswirtschaft, diese Branchen sind zu gut vernetzt, um zu scheitern. Nun gut, der Bergbau zeigt, dass es irgendwann ein Ende hat mit der Unterstützung. Aber über viele Jahrzehnte wurde die Kohleindustrie am Leben erhalten, mit immer neuen Infusionen aus dem Steuertopf. Letztlich zahlen wir immer noch.

Die Banken waren vor der Autoindustrie die Buh-Branche der Nation. Finanzkrise, Vertrauensverlust, Intransparenz und ein böses Boni-System machten die Banken zu idealen Opfern. Doch relevante Banken mussten nicht aus dem Markt aussteigen. Ein oder zwei Bauernopfer, dann ging es weiter. Dank großzügiger Hilfe aus den Steuertöpfen mussten im Grunde nicht einmal die Boni-Systeme angetastet werden.

Heute stehen die Banken mit einem deutlichen Kursplus da. Wer einstieg, als die Kanonen donnerten, hat verdient. Sie sind durchaus ein Vorbild für Investoren in der Autokrise. Allerdings waren die Kurse der Banken wesentlich tiefer gestürzt. Die Autoindustrie ist noch nicht so weit. Vielleicht kommt sie auch gar nicht so weit, denn das Auto ist nun mal ein Statussymbol, aufgeladen mit Bedeutung für Deutschland.

Autoaktien werden noch kräftig nachgeben 

Trotzdem werden die Autoaktien noch kräftig nachgeben. Die Hersteller setzen auf eine zu alte Technik. Das wird sich noch rächen. Wie bei den Energieversorgern, die zu lange auf konventionelle Kraftwerke setzten, Kohle und Kernkraft gefördert haben wollten – und dann auf die Nase fielen, als die Politik umfiel. Dann erst kam der Umbau. Jetzt erholen sich die Werte wieder.

Die Autoindustrie wird noch einmal richtig durchsacken müssen. Anleger können dann einsteigen, wenn die Politik von vornehmer Kritik zu echter Besorgnis wechselt. Zum einen werden dann die Steuertöpfe für diese Industrie aufgemacht. Zum anderen werden die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen und veraltete Technik durch neue ersetzen. Dann werden sie wieder vorne mitmischen – zur doppelten Freude der Anleger.