Bankaktien „Steigende Zinsen bilden Grundlage für höhere Renditen“

Mark Peden, Investment Manager International Equities bei Kames Capital: „Die notwendigen Regulierungsauflagen des Bankensektors werden langsam wieder gelockert.“ | © Kames Capital

Mark Peden, Investment Manager International Equities bei Kames Capital: „Die notwendigen Regulierungsauflagen des Bankensektors werden langsam wieder gelockert.“ Foto: Kames Capital

Anlagen in globale Bankaktien waren schon immer eine heikle Angelegenheit. Die Kurse werden von unzähligen Faktoren beeinflusst. In den meisten Ländern werden die Wertpapiere als Barometer für die Konjunkturlage im Inland, in der Region oder auch weltweit gewertet.

Die Erträge im Bankensektor resultieren aus einer Kombination aus Zinsen, Regulierung und Rivalen. Vor diesem Hintergrund schneiden sie unter zwei Aspekten deutlich besser, unter einem jedoch deutlich schlechter ab als der allgemeine Markt:

- Steigende Zinsen sind gut für die Kreditmargen und bilden die Grundlage für höhere Renditen.

- Die notwendigen Regulierungsauflagen des Bankensektors werden langsam wieder gelockert und bescheren Investoren höhere Dividenden und verstärkte Aktienrückkäufe.

- Angesichts der niedrigen Eintrittsbarrieren insbesondere im Kernbankgeschäft ist und bleibt der Wettbewerb, vor allem durch kostengünstige Rivalen, eine ständige Bedrohung für etablierte Institute.

„Europäische Bankaktien nicht das Gelbe vom Ei“

Anlagen in europäische Bankaktien waren in den vergangenen Jahren nicht das Gelbe vom Ei. Die Zinskurven in Europa wehten dem Sektor scharf ins Gesicht und erstickten jede Margensteigerung im Keim, obwohl es Anzeichen für eine Belebung der Kreditnachfrage gibt. In einigen Kreisen wird nach wie vor ein Kapitalengpass wahrgenommen, und die börsenbezogenen Geschäftsaktivitäten vieler Banken verlieren weltweit Marktanteile. Die jüngsten politischen Entwicklungen, vor allem in Italien, haben zu einer aggressiven Weitung der Spreads in Peripherieländern geführt.

Gleichzeitig weisen die Kurse von Bankaktien in der Regel eine negative Korrelation zu Spreads auf. Daher zählen italienische Banken in letzter Zeit zu den Schlusslichtern.

Trotz einiger gravierender politischer Fehltritte der neuen Regierung in Rom beurteilen wir die beiden führenden börsennotierten Banken Italiens, Intesa San Paolo (ISP) und Unicredit, optimistisch. Die Institute erzielten gute Fortschritte bei der Sanierung ihrer Bilanzen. Zudem sprudeln die Gebühreneinnahmen, da Sparer auf anspruchsvollere Produkte umsteigen. Zur Sicherung der Gewinne werden wirksame Kostensenkungsprogramme umgesetzt.

„Italexit“ gefährdet italienische Bankaktien

Die Bewertungen sind sicherlich günstig, wenn man berücksichtigt, dass ISP derzeit eine Bardividendenrendite von 8 Prozent ausschüttet. Sollte aber die Marktstimmung plötzlich umschlagen und nur ein winziges reales Risiko für einen Austritt Italiens aus der Währungsunion, also einen „Italexit“, gesehen werden, wäre die Ausgangslage jedoch eine völlig andere.

Die Deutsche Bank stand in letzter Zeit ebenfalls im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Sie befindet sich zweifellos in einer Zwickmühle. Die für das Geldhaus immens wichtige Investment-Sparte erwirtschaftet niedrige Erträge und die neue Unternehmensführung steht vor der Herkulesaufgabe, trotz des drohenden weiteren Rückgangs des Anteils der Sparte an den Umsatzerlösen eine angemessene Rentabilität zu erzielen.

Erneut kursieren Gerüchte über eine Fusion zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank, von der die Institute sich Skalen- und Synergieeffekte versprechen. Letztendlich würde der Schulterschluss jedoch nichts bringen? Börsennotierte deutsche Banken haben sicher eine Menge Probleme, während in der Schweiz die Giganten UBS und Credit Suisse offensichtlich weitaus besser aufgestellt sind. Sie haben in den Jahren nach der Finanzkrise die Chance genutzt, ihre Aktivitäten am Kapitalmarkt neu auszurichten und präsentieren sich daher nach wie vor als die beiden größten Vermögensverwalter der Welt. Ihr Geschäftsmix ist dementsprechend stärker auf die Anhäufung von Vermögen ausgerichtet. Das verleiht ihnen einen klaren strategischen Wettbewerbsvorteil, da die Aussichten für ein anhaltendes Vermögenswachstum im Privatkundengeschäft ausgezeichnet sind.

Banken gelten allgemein als die letzte Bastion, wenn es um die Erzielung von Wertzuwachs mit globalen Aktien geht. Sie werden mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 gehandelt, also 30 Prozent billiger als der Gesamtmarkt.

Wir haben in unserem Global Equity Income Fund (ISIN: IE00B8D45093) drei Favoriten im Bankensektor. Erstens die australische Macquarie Group mit ihren diversen Einnahmequellen und einer Rendite von 5,5 Prozent. Zweitens die französische Bank Natixis, deren Geschäftsmodell als Vermögensverwalter vor allem auf der Expertise im Bereich ihres Multi-Boutique-Ansatzes basiert, und drittens DBS Group, der Bankenriese aus Singapur, der extrem gut aufgestellt ist, um von der noch niedrigen, aber rasant steigenden Durchdringungsrate von Banken in vielen asiatischen Schwellenländern zu profitieren.