Baufi-Zinsen im August Wie Herdentrieb die Baufinanzierung verteuert

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), und EZB-Sprecherin Christine Graeff (r.) am 8. Juni im estnischen Tallin | © Getty Images

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), und EZB-Sprecherin Christine Graeff (r.) am 8. Juni im estnischen Tallin Foto: Getty Images

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Michael Neumann, Vorstand der Dr. Klein Privatkunden AG

Wie Worte auf Zahlen wirken

Wer in den letzten Wochen die Zinsentwicklung verfolgt hat, dem wurde nicht langweilig. Kurz nach der Rede Mario Draghis im portugiesischen Sintra gewann der Euro an Wert. Rückblickend betrachtet führten seine Aussagen auch zu einer Steigerung der Baufinanzierungszinsen – und zwar um beachtliche 35 Basispunkte.

Draghi hatte angedeutet, dass sich die Eurozone in einer Phase wirtschaftlicher Konsolidierung befände. Er wies auf eine recht stabile Inflation hin und schürte damit Gerüchte um einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der EZB. 

Keine Neuheiten in der Eurozone

Gerade in jüngster Zeit, in der die Rufe nach Zinserhöhung und dem Stopp des Anleihekaufprogramms lauter werden, reagiert der Markt sehr sensibel auf noch so leichte Nuancierungen im Protokoll des Notenbankchefs. Aus der heutigen Perspektive betrachtet kann man sagen, dass der Zinsanstieg vor allem auf psychologischen Aspekten und Herdentrieb beruhte.

Fundamentale, wirtschaftliche Veränderungen gab es bis heute nicht. Die EZB sorgte umgehend für die Klarstellung von Draghis Worten. Trotzdem haben viele Marktteilnehmer eine zeitnahe Zinswende prophezeit. Diese Erwartungshaltung führte in Konsequenz zu einem Zinsanstieg. Inzwischen hat sich der Markt beruhigt und die Zinsen seien wieder um 20 Basispunkte gefallen.

Eine andere psychologische Motivation – nämlich die Angst vor politischen Unruhen und ihren Folgen – treibt Investoren derzeit in sichere Anlagen. Als Bollwerk in diesem Zusammenhang gelten die zehnjährigen deutschen Staatsanleihen.