BB Biotech AG Biotech-Investments: Reine Nervensache

Eine Aufnahme gefärbter Neuronen im Hippocampus einer Maus. Die Forschung im Bereich der Neurologie ist auch heute noch nicht besonders weit fortgeschritten – und die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung neurologischer Krankheiten birgt ein großes Potenzial. | © Getty Images

Eine Aufnahme gefärbter Neuronen im Hippocampus einer Maus. Die Forschung im Bereich der Neurologie ist auch heute noch nicht besonders weit fortgeschritten – und die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung neurologischer Krankheiten birgt ein großes Potenzial. Foto: Getty Images

Die Biotechbranche setzt in zahlreichen Krankheitsfeldern mit hohem medizinischem Bedarf Akzente mit neuen innovativen Therapien. Dazu zählt auch das weite Terrain an Erkrankungen des zentralen Nervensystems, kurz ZNS.

Große Chancen, hohes Risiko

Erkrankungen des zentralen Nervensystems sind höchst komplex und selbst mit dem heutigen Wissensstand fehlt das Verständnis darüber, was die Krankheitsauslöser sind. Aus diesem Grund gibt es in kaum einem anderen Gebiet der Arzneimittelentwicklung mehr klinische Fehlschläge als im ZNS-Bereich. Dieses hohe Risiko zeigt sich etwa darin, dass Substanzen in frühen klinischen Studien erfolgsversprechende Ergebnisse liefern - nur, um dann in zulassungsrelevanten größeren Studien wirkungslos zu sein.

Neue Therapien vor dem Durchbruch

Dennoch gibt es immer mehr vielversprechende klinische Ansätze – und damit auch Gelegenheiten für Investments. Auf der Suche nach neuen Beteiligungen hält das Team von BB Biotech Ausschau in den Krankheitsfeldern Depression, Schizophrenie, Migräne, Alzheimer und auch Multiple Sklerose (MS). Von Erfolg gekrönt war hier die Investition in die US-Firma Receptos, die einen neuen Behandlungsansatz gegen MS verfolgt und vom biopharmazeutischen Unternehmen Celgene für 7,2 Milliarden US-Dollar übernommen wurde.

Sehr aussichtsreich ist auch ein neuer Ansatz zur Behandlung von chronischer Migräne. Vier Firmen haben Antikörper-Wirkstoffe entwickelt, die sich in der klinischen Endphase befinden und bei positivem Ausgang bis 2018 den Markteintritt schaffen sollten. Eine dieser Firmen ist Alder Biopharma, eine neuere Beteiligung von BB Biotech.

Newcomer mit neuen Therapieansätzen

Die Biotechfirma Intra-Cellular Therapeutics zielt mit ihrer Technologie auf die Wirkung der verschiedenen Neurotransmittersysteme, also auf die Signalübertragung zwischen Milliarden von Nervenzellen. Am weitesten fortgeschritten ist der Rezeptorenantagonist ITI-007, der sich in der klinischen Endphase III zur Behandlung von Schizophrenie befindet und bei erfolgreichem Wirksamkeitsnachweis die Zulassung erhalten könnte.

Das klinisch-biopharmazeutische Unternehmen Sage Therapeutics testet zur Zeit zwei klinische Substanzen in fünf Krankheitsfeldern, vier weitere Wirkstoffe befinden sich im präklinischen Stadium. Dem Präparat SAGE-217 gegen Wochenbettdrepressionen wurde von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) der Status Break Through verliehen. An Wochenbettdepressionen leiden 15 Prozent aller gebärenden Frauen – mehr als 500 000 Frauen alleine in den USA. Ein weiteres Medikament von Sage Therapeutics ist SAGE-547. Es wird bei rund 400 000 Betroffenen pro Jahr in der Indikation supra-refraktärer Epilepsie angewendet. Branchenexperten beziffern die jährlichen Behandlungskosten pro Patient für ein neues Mittel in dieser Indikation auf 25 000 bis 75 000 US-Dollar.

Bei den Alzheimer-Therapien bleibt BB Biotech in der deutschen Firma Probiodrug investiert, die 2017 erste Daten einer Wirksamkeitsstudie in Phase II veröffentlichen sollte. Diese sind wegweisend, wie weitere Studien aufgebaut werden und ob eine Partnerschaft gefunden wird.

Ein weiterer Top-Performer bei BB Biotech

Aus dem ZNS-Portfolio von BB Biotech hat Neurocrine Biosciences die Produkte mit der größten Marktreife. Für Elagolix, ein Medikament gegen Endometriose, ging Neurocrine eine Partnerschaft mit dem Pharmakonzern Abbvie ein. Abbvie will 2017 den Zulassungsantrag einreichen und wird bei Markteintritt Umsatzbeteiligungen (Royalties) an Neurocrine zahlen. Auch die Entwicklung des Mittels Ingrezza verheißt für das Unterhmen  einen großen Durchbruch: Im April 2017 wird die FDA ihre Stellungnahme für eine Zulassung von Ingrezza zur Behandlung von Spätdyskinesien abgeben, für die es bisher noch gibt es keine zugelassenen Therapien gibt und von denen allein in den USA 500 000 Patienten betroffen sind.

Wie das Portfolio von BB Biotech Milliardenmärkte adressiert

Im Portfolio von BB Biotech per Ende September 2016 machen Neurologische Erkrankungen mittlerweile fast 10 Prozent aus. Durch die zuletzt eingegangenen Beteiligungen hat sich dieser Anteil zuletzt deutlich erhöht. Darüber hinaus ist BB Biotech hier im Zuge von weiteren klinischen Fortschritten ständig auf der Suche nach neuen Kaufgelegenheiten.

Der Portfolioaufbau aus fünf bis acht höher gewichteten Kernbeteiligungen und 25 bis 30 weiteren Positionen aus Firmen mit vielversprechenden klinischen Kandidaten hat sich für BB Biotech ausgezahlt: In den vergangenen Jahren glänzte der Fonds durch eine Outperformance des Nasdaq Biotechnology Index als Leitindex der Biotechbranche. Das Investmentteam ist zuversichtlich, mit diesem Ansatz auch in Zukunft das Wachstumspotenzial der Biotechnologie optimal abzuschöpfen und eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. Die zahlreichen Produktzulassungen, die das Team im Zeitraum 2016 bis 2020 erwartet, dürften bei den Beteiligungsfirmen zu einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von mehr als 20 Prozent führen. Das Portfolio von BB Biotech wächst damit etwa doppelt so schnell wie die gesamte Industrie, was sich in einer Outperformance des Aktienkurses niederschlagen sollte – wie auch in den vergangenen Jahren.