BB Adamant Medtech Vom Produktentwickler zum Komplettanbieter

Eine Joggerin in Washington, DC. Innovationen und Digitalisierung könnten nicht nur die Prävention revolutionieren, sondern auch einen Boom im Medizintechniksektor verursachen. | © Getty Images

Eine Joggerin in Washington, DC. Innovationen und Digitalisierung könnten nicht nur die Prävention revolutionieren, sondern auch einen Boom im Medizintechniksektor verursachen. Foto: Getty Images

Stabiles Gewinnwachstum und neuer Produktzyklus bei einer vergleichsweise niedrigen Schwankungsanfälligkeit in unruhigen Börsenphasen: Mit diesen Qualitätsmerkmalen gilt der Medizintechniksektor als klassisches defensives Investment. Diese Stärken hat er seit Beginn der Finanzkrise erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit Ausnahme der Jahre 2010 und 2013 hat Medizintechnik besser abgeschnitten als der im MSCI World Index abgebildete Gesamtmarkt. Zuletzt, also im Jahr 2015, war die Performance mit 20,4 Prozent nahezu doppelt so stark.

Fundamental untermauert ist diese Kursentwicklung durch einen neuen Wachstumsschub. Treibende Kraft ist die globale demografische Entwicklung. Schätzungen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Zahl der über 60-Jährigen zwischen 2010 und 2050 von 760 Millionen auf zwei Milliarden Menschen steigen wird. Das entspricht einer Verdoppelung ihres Anteils an der Erdbevölkerung auf 22 Prozent. Zugleich beschleunigt der steigende Wohlstand unter einer wachsenden Zahl an Schwellenländern den Anstieg der Pro-Kopf-Ausgaben in der Gesundheitsversorgung.

Neue Wachstumstreiber

Das Wachstum der Patientengruppen geht mit neuen Produktzyklen einher. So werden durch die Miniaturisierung der Geräte die operativen Eingriffe immer weniger invasiv. Ein Beispiel für die Produkte der neuen Generation zählen Transkatheterherzklappen. Diese werden Operationen am offenen Herzen zunehmend verdrängen. Die Produkte, die von Medtronic und Edwards Lifesciences auf den Markt gebracht wurden, wurden zunächst ausschließlich Risikopatienten implantiert. Mittlerweile kommen sie jedoch bei einer wachsenden Patientenzahl zum Einsatz. Dieser Umstand gibt uns Grund zur Annahme, dass sich die Umsatzvolumina für Herzklappenkatheter von derzeit zwei Milliarden US-Dollar bis 2021 verdoppeln werden.

Hohes Wachstumspotenzial erwarten wir auch für die neuen Produktgenerationen von OP-Robotern und künstlichen Herzpumpen. Die jährlichen Wachstumsraten für die kommenden Jahre schätzen wir hier auf 10 bis 15 Prozent.

Im Unterschied zu Medikamentenentwicklern existieren in der Medizintechnik keine Produktmonopole, denn für jedes Gerät etablieren sich nach der Zulassung bis zu drei große oder auch kleinere Anbieter auf dem Markt. Aus Anlegersicht bedeutet das, dass keine Gruppenhaftung in Form von größeren Kursrückschlägen für alle Firmen besteht, wenn Probleme bei einzelnen Produkten auftreten.