BB Medtech Große Medizintechnikunternehmen ziehen neue Investorengruppen an

St. Vincent's Hospital in New York: Dank Obamacare werden in den USA steigende Patientenzahlen erwartet. (Foto: Getty Images)

St. Vincent's Hospital in New York: Dank Obamacare werden in den USA steigende Patientenzahlen erwartet. (Foto: Getty Images)

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Die positive Entwicklung im Medizintechniksektor zieht sich bereits über einige Jahre hin. Seit 2013 hat sich das Wachstum stetig beschleunigt. Zu den wichtigen Treibern gehören die Emerging Markets. Diese haben zwar im vergangenen Jahr in China und Russland etwas an Schwung verloren. Doch die Fundamentaldaten und die nicht mehr aufzuhaltende Konsolidierungswelle sorgten 2014 für ein Kursfeuerwerk. Der Sektor schloss in Euro mit 7 Prozent im Plus ab, deutlich besser als der deutsche und schweizerische Aktienleitindex.

Große M&A-Deals trugen zu einer Extraperformance bei. Medtronic übernahm Covidien, Becton Dickinson kaufte CareFusion und Zimmer schluckte Biomet. Gleichzeitig wurden viele wichtige Produkte im Markt eingeführt. Sapien 3 von Edwards Lifesciences, Cardio-MEMS von St. Jude, Lutonix DCB von CR Bard, Reveal LINQ von Medtronic sowie HyQvia von Baxter. Zur Performance der in Europa domizilierten Investoren trug die Stärke des US-Dollars bei, der sich gegenüber dem Euro um 11 Prozent aufwertete. Der Medizintechniksektor weist einen hohen Anteil an in den USA börsennotierten Unternehmen auf.

USA: Steigende Patientenzahlen dank Obamacare

Es bestehen beste Voraussetzungen für ein gutes Medizintechnikjahr. Die Wachstumsbeschleunigung dürfte anhalten. Gerade in den USA werden dank Obamacare steigende Patientenzahlen erwartet. Denn rund sieben Millionen zusätzliche Versicherte verhelfen den Krankenhäusern zu deutlich höherer Profitabilität. Dank den rückläufigen Zahlungsausfällen investieren die Krankenhäuser deutlich mehr in die Krankenhausinfrastruktur. Zusätzlich nehmen auch die elektiven Eingriffe zu, ausgelöst durch das mehr als 3-prozentige Wirtschaftswachstum in den USA.

Gleichzeitig passen sich die Strukturen weiter an die Herausforderungen der Industrialisierung des Gesundheitswesens an. Große Übernahmen sind durchaus ein realistisches Szenario. So hält sich etwa schon länger das Gerücht einer Übernahme von Smith&Nephew durch Stryker. Im Unterschied zum Jahr 2014 sollten auch kleinere und mittlere Medizintechnikanbieter von der Übernahmewelle profitieren. Gerade Anbieter von Produkten mit einer großen Durchdringung im Krankenhaus sowie von hochspezialisierten Verbrauchsgütern für die Chirurgie und Intensivpflege werden stärker nachgefragt. Ferner werden Anbieter von innovativen Spezialprodukten, welche Großkonzerne global vermarkten können, zu den Gewinnern zählen.

Positiver Währungseffekt für europäische Investoren

Der US-Dollar dürfte sich gegenüber dem Euro nochmals aufwerten. Das Wirtschaftswachstum der USA wird auf über 3 Prozent geschätzt. In der Eurozone dagegen könnten erneut Probleme in der Peripherie auftauchen und den Euro belasten. Dank dem hohen US-Anteil ist der Medizintechniksektor ein exzellentes Diversifikationselement für europäische Anleger.

Insgesamt könnte 2015 zum Jahr für europäische Medizintechnikaktien werden. Denn die Aktienmärkte haben im Vergleich zum US-Markt ein deutliches Aufholpotenzial. Und sie profitieren vom schwachen Euro, was die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und das Umsatz- und Gewinnwachstum beschleunigt. Die großen Übernahmen des letzten Jahres sind noch nicht abgeschlossen, und die kommunizierten Synergien wurden konservativ angesetzt. Klein- und mittelkapitalisierte Aktien sind außerdem vergleichsweise günstig bewertet, was generell für den gesamten Sektor gilt – gerade im Vergleich zum Pharma-Sektor.