BB Medtech Medizintechnik: „Die großen M&A-Deals des Jahres 2014 sind noch nicht abgeschlossen“

Stefan Blum, Portfolio Manager, Bellevue Asset Management

Stefan Blum, Portfolio Manager, Bellevue Asset Management

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Medizintechnikaktien waren im Dezember stark gefragt und beendeten das laufende Jahr mit nochmals höheren Kursen. Der Index des Medizintechniksektors MSCI Healthcare Equipment & Supplies schloss mit 3,8 Prozent im Plus. Im Jahresverlauf legte der Sektor um 36,9 Prozent zu und übertraf damit den breiten Aktienmarktindex MSCI World (19,6 Prozent) deutlich. Verglichen mit dem deutschen Leitindex Dax (+2,7 Prozent) und dem Schweizer Aktienindex SPI (+15,1 Prozent) fiel die Outperformance im Jahresverlauf noch eindrücklicher aus.

Hauptverantwortlich für die starke Performance des Medizintechniksektors sind zum einen die Wachstumsbeschleunigung auf dem Absatzmarkt, die seit 2013 an Fahrt aufnimmt, und zum anderen die Konsolidierungswelle, die sich mit den Großübernahmen von Covidien (43 Milliarden US-Dollar), Biomet (13 Milliarden US-Dollar) und Carefusion (12 Milliarden US-Dollar) auch 2014 weiter fortsetzte. Dank dem hohen Anteil von US-Unternehmen konnten europäische Investoren zusätzlich von der Stärke des US-Dollars profitieren.

„Wir rechnen 2015 mit einer weiteren Wachstumsbeschleunigung“

Der Medizintechniksektor dürfte auch 2015 von den starken Fundamentalfaktoren positiv beeinflusst werden. Wir rechnen mit einer weiteren Wachstumsbeschleunigung, getrieben von Produkteinführungen und steigenden Patientenzahlen verbunden mit einem überdurchschnittlichen Gewinnwachstum. Die gestiegene Zahl der versicherten Personen in den USA wirkt sich nicht nur positiv auf die Nachfrage aus, sondern senkt auch die Zahlungsausfälle bei den Krankenhausbetreibern deutlich und sorgt damit für eine verbesserte Ertragskraft und Investitionsneigung.

Wir erwarten, dass die US-Wirtschaft 2015 über 3 Prozent wachsen wird. Dies dürfte einen Anstieg bei den elektiven Eingriffen auslösen. Auch Mergers & Acquisitions (M&A-Aktivitäten) sehen wir weiterhin als wichtigen Werttreiber für die Aktienkurse der Medizintechnikunternehmen. Die Marktstrukturen müssen sich weiter an die Herausforderungen der Industrialisierung des Gesundheitswesens anpassen. Aus Anlegersicht sind diese Transaktionen äußerst attraktiv. Denn im aktuellen Zinsumfeld steigen nicht nur die Kurse der übernommenen Unternehmen, sondern auch die der Käufer.

Medizintechniksektor noch immer unterrepräsentiert in den Portfolios institutioneller Anleger

Die Bewertung der Medizintechnikaktien weist weiteres Aufwertungspotenzial auf. Neben günstig bewerteten Small- und Mid-Cap-Aktien sind viele der großen M&A-Deals des Jahres 2014 noch nicht abgeschlossen, weshalb deren Aktienkurse mit einem Abschlag handeln.

Der Medizintechniksektor war lange Zeit ein unentdeckter Outperformer, ist aber trotz der mehrjährigen Outperformance noch immer untervertreten in den Portfolios der institutionellen Anleger. Bestens geeignet sind Medizintechnikaktien auch für Investoren mit einer konservativen Einschätzung der Aktienmärkte. Denn der Medizintechniksektor neigt dank seiner defensiven Qualitäten in einem schwierigen Marktumfeld zur Outperformance.