BdV-Chef Axel Kleinlein „Die ‚Glättung‘ der Prämien in der PKV ist besonders kundenfeindlich“

BdV-Chef Axel Kleinlein

BdV-Chef Axel Kleinlein

Die private Krankenversicherung (die PKV) hat ein enormes Problem. Zugegeben, das Problem ist selbst gemacht und nennt sich „Prämienanpassung“ beziehungsweise „Beitragsanpassung“.

Der Hintergrund ist recht einfach: Die Versicherungsunternehmen tun bei der Kalkulation der Tarife so, als gäbe es keine Inflation, als würden die Gesundheitskosten nicht steigen, als würden die Menschen nicht immer älter werden und als würden die Finanzmärkte immer nett mitspielen. „Das ist aber sehr blauäugig so zu kalkulieren!“, wird da so mancher Kaufmann oder auch so manche Kauffrau sagen. Und beide haben Recht! Es ist ziemlich beknackt - als gäbe es weder Inflation, Kostensteigerung, längere Lebenserwartung oder ungünstige Zinsentwicklungen. Und das bei Verträgen, die über Jahrzehnte laufen sollen!

Vorschriften des Aufsichtsrechts

Zur Ehrenrettung der Versicherungswirtschaft: Die müssen größtenteils so kalkulieren. Aufsichtsrechtlich ist das so. Stattdessen sollen die Versicherer gefälligst regelmäßig die Prämien erhöhen. Im Klartext: Es ist von vornherein klar, dass die Kunden immer wieder immer mehr Geld bezahlen müssen. Es ist also der Normalfall, dass die Gesundheitsabsicherung in der PKV immer und immer teurer wird. Für die Kunden fühlt sich das dann eben manchmal so an, als würden die Prämien explodieren.

Den Vorwurf der explodierenden Prämien hört man in der Versicherungswirtschaft nicht gerne.

Was können die Versicherer gegen explodierende Prämien machen? Zum einen könnten Sie dafür sorgen, dass die Prämien eben nicht höher werden. Dazu müssten sie auf die Aufsicht einwirken, dass sie endlich realistisch kalkulieren dürften. Dazu müssten die Versicherer dann aber auch bereit sein, den Kunden ehrliche und damit höhere Anfangsprämien abzuverlangen. Dann kann man die Verträge aber noch schlechter verkaufen. Das wollen die Versicherer nicht.

Prämienerhöhungen werden „geglättet“

Was können die Versicherer gegen explodierende Prämien denn sonst machen? Was macht man gegen explodierende Prämien, wenn die Prämien trotzdem steigen sollen? Ganz einfach: Man „glättet“ den Effekt, dass die Prämien steigen! Die Explosion ist ja auch deshalb so unschön, weil in kurzer Zeit sehr viel passiert. Streckt man den Explosionseffekt auf einen längeren Zeitraum, dann fühlt sich das ganz anders an. Der Negativeffekt kommt schleichend.

Ein Beispiel: Wenn die Monatsprämie jedes Jahr um 3,25 Prozent steigt, dann werden aus 250 Euro nach einem Jahr 8,13 Euro mehr Monatsprämie. Das klingt nach nicht besonders viel. In den beiden Folgejahren dann auch nur wenig mehr an Steigerung. Würde die Prämie nach drei Jahren in einem Schlag um 9,75 Prozent angehoben, dann sind das schon fast 25 Euro monatlich! Das fühlt sich dann schon wirklich nach Explosion an.

„Der Versicherte zahlt dadurch mehr“

Was die Versicherer jetzt fordern: „Erlaubt uns doch kontinuierlich jedes Jahr ein bisschen zu erhöhen, damit dieser Explosionseffekt nicht spürbar wird!“ Natürlich geht es damit dann erst mal nur um Augenwischerei, denn die gefühlte geringere Steigerung führt letztlich nach ein paar Jahren zum gleichen Effekt. Nebenbei ist dieser Weg aber doppelt perfide! Denn der Versicherte zahlt mehr Geld. Durch die kontinuierliche Erhöhung um kleine Beträge zahlt er schon immer wieder im Vorgriff höhere Prämien. Unterm Strich also deutlich mehr. Im Beispielfall geht es um fast 200 Euro!

Hinterrücks fordert die Versicherungswirtschaft in der PKV die „Glättung“ der Prämienanpassungen und will damit aber unterm Strich nur verschleiern, dass sie nicht richtig kalkulieren können - und nebenbei sogar noch mehr Geld kassieren. Die „Glättung“ der Prämien in der PKV ist also besonders kundenfeindlich.

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