BdV-Chef kritisiert Heidelberger Leben Höhere Überschüsse, aber nicht für Kunden

BdV-Chef Axel Kleinlein

BdV-Chef Axel Kleinlein

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Es gibt seit wenigen Jahren ein neues Geschäftsmodell im Lebensversicherungsbereich: das Run-Off-Unternehmen. Die verkaufen keine neuen Versicherungsverträge mehr, sondern verwalten nur noch schon bestehende Bestände. Darüber geschrieben habe ich schon früher. Heute können wir ein solches Unternehmen endlich in der freien Wildbahn beobachten. Die Heidelberger Leben hat ja kürzlich die aktuellen Zahlen veröffentlicht.

Das Management ist sehr zufrieden. Es jubelt über sinkende Stornozahlen, über „Stabilität und Solidität des Geschäfts“; die Kunden hätten „Vertrauen“, das sich in niedrigen Stornoquoten widerspiegeln würde. Aber ist das „Vertrauen“ gerechtfertigt? Was bedeutet das alles für die Kunden?

Schauen wir uns den Geschäftsbericht 2014 an

Schauen wir uns das Geschäft der Heidelberger Leben mit den deutschen Beständen an: Im Geschäftsbericht 2014 findet man einige Formulierungen die eher optimistisch stimmen, einige Ausführungen zur allgemeinen Lage der Lebensversicherung und natürlich die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung samt Anhängen. Ist das alles für die Kunden von Belang? Eher nicht. Denn es beschreibt ja das Unternehmensergebnis aus Sicht des Investors und nicht aus Sicht des Versicherungsnehmers.

Für den einfachen Kunden, der eine Police hält, sind andere Informationen wichtig. Bei einer fondsgebundenen Versicherung (und das ist das Gros des Geschäfts der Heidelberger Leben) steht an erster Stelle die Entwicklung des Fonds. Die ist aber unabhängig davon, ob das Versicherungsunternehmen gut arbeitet oder nicht. Das ist eben von der Entwicklung des Fonds abhängig. Und die Fondsentwicklungen nehmen auch wenig Raum im Geschäftsbericht ein.

Ein Blick in den Überschusstopf

Für den Versicherungsnehmer ist es aber auch wichtig, was er an Überschüssen bekommt. Übrigens auch bei fondsgebundenen Verträgen, denn auch da gibt es ja Kosten- und Risikoüberschüsse. Deswegen rentiert sich ein Blick auf den Überschusstopf, die sogenannte „Rückstellung für Beitragsrückerstattung“ (kurz RfB). In diesen Topf fließen alle Gelder, die als Überschüsse dann letztlich den Kunden gutgeschrieben werden.

Trotz der allgemein eher schwierigen wirtschaftlichen Lage ist der Umfang der RfB von 2013 auf 2014 sogar gestiegen. Um satte 12 Millionen Euro, was bei einem Gesamtvolumen von etwas über 52 Millionen beachtlich ist. Beeindruckend ist auch, dass der RfB aus den Gewinnen des Unternehmens in 2014 sogar mehr als das Doppelte zugewiesen wurde im Vergleich zum Vorjahr. Stolze 22,5 Millionen Euro! Das lässt auch auf eine üppige Überschussbeteiligung hoffen. Denn jetzt steht deutlich mehr Geld zur Verfügung.