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Karl Matthäus Schmidt, Quirin Bank

DAS INVESTMENT.com: Ihre Unterschriftenaktion auf der Website provisionsverbot.de unterstützen Sie mit Anzeigentexten wie „Liebe Frau Merkel, verhindern Sie die nächste Finanzkrise: Verbieten Sie Provisionen!“ Ist das nicht sehr überspitzt dargestellt – die weltweite Finanzmarktkrise hat ihre Ursache doch nicht in der Existenz des Provisionssystems im deutschen Vertrieb.

>> Leser-Aktion: Honorarberatung, die bessere Finanzberatung?

Karl Matthäus Schmidt: Werbung darf und muss zuspitzen, wenn sie Aufmerksamkeit erzeugen soll. Natürlich hat das Platzen der Immobilienblase in den USA mit den bekannten Ursachen und Folgen die Finanzmarktkrise wesentlich verursacht. Tatsache ist aber auch, dass Bankerboni und Provisionen, die Gier, immer komplexere und schwer verständliche, dafür aber umso provisionsträchtigere Produkte auf den Markt zu bringen, mit befördert haben. Die Abzocke der Anleger, die  Lehmann-Produkte verkauft bekamen, als die Bank schon kurz vor der Pleite stand, verdeutlicht dieses Dilemma.

Die Banken haben ihren Informations- und Gestaltungsvorsprung einseitig zu ihren Gunsten ausgenutzt. Dadurch ist Anlegern ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden. Der Vertrauensverlust in das Finanzsystem hat wie ein Flächenbrand um sich gegriffen. Deshalb glaube ich: Nur Geschäftsmodelle, die  Schluss machen mit Provisionen und eine ehrliche und faire Beratung in den Vordergrund stellen, können das Vertrauen der Anleger auf Dauer zurückgewinnen und erhalten. Solche Geschäftsmodelle helfen, künftige Finanzkrisen zu verhindern.

###BOX_15###

DAS INVESTMENT.com: Wollen sie folglich die Provisionen nur für den Vertriebsweg Banken verbieten lassen? Der freie Vertrieb würde dann weiter gegen Provision beraten und höchstwahrscheinlich Marktanteile gewinnen. Wäre das fair?

Schmidt: Abschaffung des Provisionsvertriebs macht aus meiner Sicht nur Sinn,  wenn sie für alle Bereiche gilt. Das Problem ist doch, dass viele Anleger immer noch glauben, die klassische Bankberatung sei kostenlos. Dies ist mitnichten der Fall. Aktuelle Studien belegen, dass die Kosten zum Beispiel bei geschlossenen Beteiligungen zum Teil bei fünfzehn Prozent und mehr des angelegten Geldes liegen. Herkömmliche Bankberatung ist viel teurer als gemeinhin bekannt. In der honorarbasierten Beratung werden nicht nur alle Kosten sichtbar gemacht, sie lohnt sich für Anleger auch deshalb, weil diese wirklich im eigenen Interesse und nicht im Interesse der Bank beraten werden.

DAS INVESTMENT.com: In einer Pressemitteilung schreiben Sie, dass in Großbritannien der Kunde die Wahl zwischen Honorar- und Provisionsmodell hat und das sich dort im Vergleich zu Deutschland wesentlich mehr Kunden für die Beratung gegen Honorar entscheiden. Aber auch dort liegt der Marktanteil der Honorarberatung bei lediglich 10 Prozent, heißt: Eine Mehrheit lehnt trotz Aufklärung die Beratung gegen Honorar ab. Wo steht die Honorarberatung in Deutschland derzeit?

Schmidt: Der Anteil der Honorarberatung in Deutschland liegt heute noch unter einem Prozent. Das muss ich dringend ändern. Die Tatsache, dass einige Grossbanken heute über Honorarberatung laut nachdenken, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Außerdem dürfen wir uns wohl als diejenigen betrachten, die diesen Prozess als erste Honorarberatungsbank maßgeblich mit angestoßen haben. Darauf sind wir natürlich auch stolz.

DAS INVESTMENT.com: Wo sehen Sie die Grenzen des Potenzials der Honorarberatung in Deutschland?

Schmidt
: Grenzen sehe ich erstmal keine, ich denke aber, dass ein Marktanteil zwischen zehn und fünfzehn Prozent in Deutschland in den nächsten Jahren eine realistische Größenordnung ist. Ihre Schlussfolgerung, was Großbritannien angeht, halte ich für zu kurz gegriffen. Denn auch dort wird sich die Entwicklung mit dem Verbot der FSA für Provisionen nochmals deutlich beschleunigen.

Von: Oliver Lepold

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Max , 04-11-09 18:52:
Was für ein Schmarr'n - wer kann nur so doof sein, eine Pauschagebühr von 1,65% auf das gesamte Depotvolumen zahlen. Dafür kann ich selbst zu Normalkonditionen bei einer Filialbank mein gesamtes Aktiendepot eineinhalb Mal drehen ... sehr realistisch ...
Michael Körner, 05-11-09 13:49:
Ich halte die Diskussion über die Honorarberatung für völlig überspitzt, weil selbst bei der Honorarberatung die Qualität der Beratung nicht gewährleistet ist. Der Honorarberater "kassiert" jedesmal, wenn der Kunde einen Wunsch äussert und: Die Provisonsvermittler müssen die Gebühren sowieso offenlegen, ich als "Provisonsberater" habe damit überhaupt kein Problem und meine Kunden auch nicht.
Max Million, 09-11-09 12:09:
Wenn alle Banken Honorarberatung anbieten würden, wie es Herr Schmidt mit seiner quirin bank macht, dann wären wir doch alle Pleite. Das Institut macht doch bisher nur Millionen-Verluste. Was soll denn daran besser sein, als an einem soliden Finanzinstitut, dass seine Kunden fair berät und anschließend eine Provision dafür nimmt, statt einem Honorar? Das Kind hat doch nur einen anderen Namen und es bringt doch nichts, wie wir sehen. Schmidt muss erstmal Gewinne vorzeigen, bevor er ein ganzes System so scharf kritisiert.

Des Weiteren habe ich mir sagen lassen, dass intern alles genauso abläuft, wie bei normalen Großbanken auch. Stimmen die Zahlen zum Quartalsende nicht, dann wird man wohl direkt gefeuert. Damit dürfte quirin sich dann in die Reihe der "schlechtesten Arbeitgeber Deutschlands" einreihen.
Herrmann Schuster, 10-11-09 08:38:
Hallo,

schließe mich meinem Vorredner an. Nicht das Frau Merkel mal wegen Staatshilfen anrufen muss. Die Schmidt Bank damals ist ja auch an die Wand gefahren.

Freundliche Grüße
Hermann Schuster

P.S.: Glücklicher Mitarbeiter einer Bank, die schwarze Zahlen schreibt...:o)
@Max Million, 18-11-09 12:30:
Ich habe echt gute Erfahrungen mit der quirinbank nach einer Erbschaft gemacht. Ich weiß nicht welche persönliche Fehde sie gegen diese Bank führen. Aber das Konzept ist gut FÜR den Kunden, der nicht mit riskanten Lehmannzertifikaten abgespeist sondern ernst genommen werden will. Dass das Konzept nix für bonigierige Banker ist, stößt anderen Banken natürlich auf. Aber immerhin springt jetzt auch die Commerzbank/Comdirect auf den Honorarberatungszug auf....ganz so falsch kann es nicht sein!Was glauben Sie denn warum die großen Banken wieder weiter machen als wäre nix gewesen? Die Finanzkrise betrifft die Banker ja nicht, nur der Kunde ist der Dumme...
Auch die normalen Großbanker haben Druck zum Abverkauf.
Max Million, 19-11-09 12:00:
Gute Erfahrungen können Sie überall machen gnädige Frau. Ich habe ja nur darauf hingewiesen: 14 Mio. Verlust im letzten Jahr und gut 5 Mio. Verlust im ersten Halbjahr 2009 bei 80 Millionen Börsenwert. Analog betrachtet auch nicht besser als Commerzbank.Ein Finanzinvestor ist jetzt Aktionär und die kommen nicht zum Brötchen backen vorbei.

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