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24.03.2011 - 11:12 Uhr
Rubrik: Finanzberatung

Reporting für Vermögensverwalter: Haushaltsbuch für Vermögende

Reporting für illiquide Assets (Muster), Quelle: Icomps

Eine Aktie oder eine Anleihe in die Vermögensbilanz ihres Kunden einzuordnen und regelmäßig zu bewerten, das ist für Finanzdienstleister reine Routine. Doch wie verbucht man ein Dressurpferd, einen Rembrandt, 50 Jahre alten schottischen Whisky? Oder eine Beteiligung?

Er ist zehn Jahre alt, hat als zweifacher Weltmeister bereits über 200.000 Euro an Preisgeldern gewonnen und gilt als nahezu unschlagbarer Olympiafavorit für 2012. Totilas, das schwarze niederländische Warmblut, ist außerdem das teuerste Dressurpferd aller Zeiten. Medienberichten zufolge mussten die Käufer Paul Schockemöhle und Ann-Kathrin Linsenhoff eine hohe einstellige Millionensumme hinlegen, um den Hengst in ihren Stall zu holen.

Ein Sonderfall, gewiss. Doch so ungewöhnlich sind Pferde als Anlageklasse auch wieder nicht, weiß Heiko-T. Taudien. Der Hamburger Vermögensverwalter, als passionierter Dressurpferdekäufer und -entwickler bestens in der Szene vernetzt, prüft derzeit das Konzept eines in Luxemburg aufgelegten Spezialfonds für institutionelle Anleger, der ausschließlich in den Pferdesport investieren soll.

Taudien: „Das Fondskonzept umfasst die gesamte Wertschöpfungskette, vom Kauf eines Rennpferds über die Ausbildung und die Zucht bis hin zur Bekleidung für diesen Sport.“ Nicht nur Sportpferde, auch andere exotische Anlageklassen verzeichnen spätestens seit der Finanzkrise einen deutlichen Aufschwung.

Gefragt sind Sachwerte, die einerseits vor der Inflation schützen und andererseits eine größere Diversifizierung und damit ein niedrigeres Risiko ins Portfolio bringen. Im Grunde genommen gehören auch Kapitalanlage-Immobilien, Private-Equity-Beteiligungen und andere Sachwerte in Form von geschlossenen Fonds dazu.

Sie alle gehören in die Gruppe der illiquiden Anlagegüter, die nicht über die Börse gehandelt werden und deren Wert sich nicht so einfach per Knopfdruck ermitteln lässt. Das führt bei der Vermögensaufstellung für einen Kunden, dem sogenannten Reporting, naturgemäß zu Problemen.

Pragmatische Methoden

Dort, wo regelmäßig Geldströme fließen – bei Gewerbeimmobilien beispielsweise Mietzahlungen, Leerstandsquoten, Instandhaltungskosten et cetera – lassen sich diese buchen, und es lässt sich auch eine Rendite ermitteln. „Als aktuellen Zeitwert weist man meist pragmatisch die Anschaffungs- oder Herstellungskosten aus und nimmt Zu- oder Abschläge vor“, sagt Ricky Leonhardt von OVC Optima Vermögenscontrolling. Schnittstellen etwa zu Hausverwaltungsprogrammen gibt es nur selten. Vieles muss daher von Hand ermittelt und eingegeben werden.

Zumindest bei geschlossenen Fonds liefert der Markt häufig Hilfsgrößen für eine aktuelle Bewertung. „Wir recherchieren auf den Zweitmärkten gängige Angebote, etwa 70 Prozent findet man dort mit einer Preisindikation“, sagt Gunnar Grape, Geschäftsführer der Bad Schwalbacher Gesellschaft Icomps, die eine entsprechende Software anbietet.

Alternativ können Vermögensverwalter beispielsweise mit der Icomps-Software auch eigene Plandaten und Annahmen treffen, diese mit den regelmäßigen Meldungen der Initiatoren abgleichen und damit Werte ermitteln lassen. „Solange dieser Bereich noch überschaubar ist, übernehmen das die Vermögensverwalter meist selbst“, sagt Grape. Bei Single- und Multi-Family-Offices mit komplexen Mandaten gehe der Trend jedoch klar zum Outsourcing.

Insbesondere sehr vermögende Kunden bestehen auf einem monatlichen Reporting und sehen dann auch gern Anlagen wie Waldstücke, ihre Gemäldesammlung, die Yacht und das Privatflugzeug in der Vermögensaufstellung. In regelmäßigen Abständen Wertgutachten zu erstellen ist bei diesen Assets schon aus Versicherungsgründen sinnvoll. Spätestens im Erbfall ist dies Pflicht.

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Von: Oliver Lepold
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