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15.02.2012 16:51
Rubrik: Berater

Produktinformation für Riester-Renten: So geht es besser

Mark Ortmann, ITA

Wie gestaltet man ein verständliches kosten- und risikotransparentes Produktinformationsblatt (PIB) in der Anlageberatung? Das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) kritisiert den jüngsten Vorschlag und hat Ideen für Verbesserungen.

„Das geplante Produktinformationsblatt ist ein Quantensprung auf dem Weg zur transparenten Altersvorsorge“, so Mark Ortmann, Geschäftsführer des ITA – Institut für Transparenz in der Altersvorsorge zum aktuellen PIB-Vorschlag des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff), das nach Vorgaben der Bafin erstellt wurde. Er sieht aber auch erheblichen Nachbesserungsbedarf, vor allem bei der Verständlichkeit und den Kosten.

Der Entwurf für das PIB für Riester-und Basis-Renten sei zwar übersichtlich und ansprechend ausgefallen und enthalte die Effektivkosten als beste Kennzahl zum Vergleich von Produktkosten. „Nach Einführung des neuen Produktinformationsblatts werden es Anbieter deutlich schwerer haben, Kosten zu verstecken“, lobt Ortmann.

Entscheidend sei aber, in welcher Form die Effektivkosten dargestellt werden. Anders als bei anderen Kostenangaben sollten Effektivkosten in Prozent angegeben werden. Effektivkosten in Euro anzugeben– wie vom iff empfohlen – sei verwirrend. Die Effektivkosten in Prozent bleiben in etwa gleich hoch bei unterschiedlichen jährlichen Erträgen, zum Beispiel bei 2 Prozent oder 8 Prozent. Berechnet man dagegen die Effektivkosten in Euro über die gesamte Laufzeit, schwanken die Euro-Beträge dramatisch.

Da niemand vorab wissen könne, ob sich sein Vertrag mit 2 oder 8 Prozent jährlich entwickeln werde, könnten Effektivkosten in Euro kein brauchbares Bild von der Kostenbelastung abbilden. Anders die Effektivkosten in Prozent: „Wenn man nicht weiß, ob die hochgerechneten Gesamtkosten eines Vertrags 10.000 Euro oder 50.000 Euro betragen werden, dürfen wir dem Kunden nicht einen konkreten Betrag nennen“, betont Ortmann. Das würde dazu führen, dass der Kunde die Kostenbelastung falsch einschätzt.

Ortmanns Vorschlag ist der einer stabilen Gesamtkostenangabe. Im Stil von: „Der unterstellte jährliche Ertrag von 6 Prozent vermindert sich um 2 Prozent durch die Entnahme sämtlicher Kosten.“ Kosten sollten laut dem Experten nur dann in Euro ausgewiesen werden, wenn die Höhe der Kosten feststeht. Dies sei bei Effektivkosten nicht der Fall.

Weiteren Optimierungsbedarf hat das ITA bei der Sprache des PIB ausgemacht. Sie sollte sehr einfach sein, ohne Fachbegriffe, ohne Nominalstil, möglichst aktiv formuliert und ohne Synonyme. Dies sei bislang nicht konsequent umgesetzt worden.

Auch die Grafiken, die über die Chancen und Risiken eines Produkts informieren sollen, hält das ITA für verbesserungswürdig. Ein Laie könne zwischen den drei inhaltlich aufeinander aufbauenden Grafiken keine Bezüge herstellen. Warum eine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung in der Risikoklasse 3 mit 38 Prozent Wahrscheinlichkeit mehr als 6 Prozent Rendite erwirtschaften und im Mittel bei 3,8 Prozent Netto-Rendite 67.000 Euro auszahlen soll, dürfte selbst für Profis nicht verständlich sein, so Ortmann.

Das Problem: Die Grafiken verwenden unterschiedliche Ertragsvorgaben. Wenn der Leser aber nicht die richtigen Bezüge herstellen kann, kann er auch nicht die richtigen Schlussfolgerungen hinsichtlich Chancen und Risiken ziehen. Das ITA hat einen Vorschlag für eine selbsterklärende Grafik entwickelt, die auch einen klaren Bezug zu durchschnittlichen Euro-Beträgen herstellt.

Dazu sei es nötig, dass viele Kapitalmarktszenarien simuliert werden und ein einheitlicher und unabhängiger Standard festgelegt wird. Das ITA fordert deshalb eine unabhängige Stelle, die einen einheitlichen Standard definiert und Verstöße gegen den Standard ahnden kann.

Das ITA hat eine umfassende Stellungnahme zur iff-Studie und dem Vorschlag eines PIB für Riester- und Basisrenten veröffentlicht.


Von: Oliver Lepold

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Joachim Haid, 16-02-12 07:42:
Es gibt aber noch mehr Nachbesserungsbedarf bei den neun PIB's. Beispiel Riester-Rente: Was nutzt das Ausweisen der genannten Kosten, wenn die Kosten, die sich im Bedingungswerk verstecken (ich nenne das die implizierten Kosten) nicht berücksichtigt werden? So gibt es Anbieter die selbst dann den Vertrag mit neuen Rechnungsgrundlagen fortführen, wenn der Kunde auch nur einen Monat beitragsfrei gestellt hat und dann weiter spart. Übrigens sind das durchaus favorisierte Anbieter im Maklermarkt und für Kostentransparenz ausgezeichnete Tarife! Die größte Problematik sehe ich aber bei den Riester-Sparplänen (Bank, Fonds) die in den neuen PIB's als besonders kostengünstig erscheinen - was aber falsch ist! Denn die in der Ansparphase nicht eingerechneten biometrischen Kosten für die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos (also die eigentliche Rentenversicherung) entstehen erst bei Rentenbeginn. Der Kunde weiß aber heute idR nicht, bei welchem Anbieter mit welchen Rechnungsgrundlagen und mit welche Kosten die Rentenversicherung per Einmalbeitrag dann abgeschlossen wird. Im Jahr 2040 können, selbst wenn wir davon ausgehen die heutige Sterbetafel DAV 2004 R hätte noch immer Gültigkeit, durchaus ca. 40% des angesparten Kapitals für den Abschluss der Rentenversicherung benötigt werden. Dies reduziert aber erheblich den Auszahlplan, der bis zum 85. Lebensjahr geplant ist. Ähnliches gilt übrigens für die Riester-Bausparverträge. Das alles berücksichtigen die neuen PIB's nicht, deshalb würden, wenn diese nicht massiv konkretisiert werden, die Verbraucher völlig in die Irre geführt werden!
Joachim Haid
Riester-Spezialmakler

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