Beratungsangebot Wer berät Deutschland?

Thomas Böckelmann ist geschäftsführender Gesellschafter von der Veitsberg Gesellschaft für Vermögensbetreuung in Ravensburg. (Foto: Veitsberg)

Thomas Böckelmann ist geschäftsführender Gesellschafter von der Veitsberg Gesellschaft für Vermögensbetreuung in Ravensburg. (Foto: Veitsberg)

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Die Regulierung der Vermögensberatung durch Gewerbeordnung (GewO), Kreditwesengesetz (KWG) und Honoraranlageberatungsgesetz ist für den Privatanleger kaum nachvollziehbar.

Der 1. August 2014 war ursprünglich als Paukenschlag einer anlegerschutzfreundlichen Politik geplant. Seit Einführung des Honoraranlageberatungsgesetzes haben sich ein Monat später bundesweit keine zehn Finanzdienstleistungsinstitute bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) registrieren lassen.

Es wird daher Zeit für eine neutrale Einordnung des Beratungsangebotes. In der Regel findet eine Vermögensberatung in Finanzinstrumenten statt. Welche Produkte dazugehören und wer in diesen Produkten beraten darf, regelt das Kreditwesengesetz.

Wer sich zum Beispiel in Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren beraten lassen möchte, kann sich nur von einem durch die Bafin zugelassenen Finanzdienstleister beraten lassen.

Nur diese Anbieter - Banken und freie Berater und Vermögensverwalter mit einer sogenannten Paragraph-32-KWG Lizenz - haben dazu eine entsprechende Erlaubnis, die nach eingehender Prüfung von Qualifikation und Zuverlässigkeit vergeben wird.

Daneben gibt es eine Bereichsausnahme vom KWG für Investmentfonds. In diesen Produkten dürfen auch nicht von der Bafin lizensierte Finanzdienstleister beraten, wenn sie über eine Zulassung der lokalen Gewerbeaufsicht oder IHK verfügen. Dazu genügen der Nachweis der Sachkunde sowie ein polizeiliches Führungszeugnis.

Bankenabhängige Beratung nach KWG

Im Beraterregister der Bafin sind mehr als 200.000 Anlageberater registriert. Diese sind meist Bankmitarbeiter, die durch ihre Ausbildung zur Vermögensberatung von Privatkunden qualifiziert sind.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Qualifikation seiner Mitarbeiter zu prüfen und Veränderungen anzuzeigen. Von wenigen Ausnahmen wie der Quirin Bank abgesehen, verdienen die meisten Banken ihr Geld in der Vermögensberatung mit Provisionen der Produktanbieter, deren Produkte sie ihren Kunden verkaufen.

In diesem Zusammenhang wird häufig der Verdacht der Falschberatung geäußert, da eine Bank und ihre Bankberater unter Umständen einem Interessenkonflikt unterliegen könnten.

Während Großbritannien und einige skandinavische Länder den Provisionsvertrieb verbieten, hat sich in Deutschland der Gesetzgeber zu keiner vergleichbar harten Linie durchringen können.

Es besteht die Sorge, dass eine rein auf Honorar ausgerichtete Beratung aufgrund der geringen Kundenbereitschaft zur Zahlung eines solchen einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichte, da weniger Abschlüsse für die private Altersvorsorge zu erwarten seien.

Daher fördert die Politik die parallele Existenz von traditionellem Provisionsvertrieb und Honorarberatung. Dennoch gibt es auch im Provisionsvertrieb zahlreiche gute Banken und Bankberater.