Berenberg-Manager über US-Aktien "Aktien-Investoren finden in den USA die stabilsten Verhältnisse vor"

Till Christian Budelmann

Till Christian Budelmann

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Till Christian Budelmann ist zuversichtlich, dass US-Unternehmen in der gerade angelaufenen Berichtssaison für das dritte Quartal 2015 bessere Gewinne ausweisen als erwartet. Dass die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen erst später anheben wird und dabei sehr vorsichtig agieren dürfte, beurteilt der Portfoliomanager ebenfalls positiv.

Ich gehe davon aus, dass die Fed entweder im Dezember oder Anfang des kommenden Jahres eine kleine Zinserhöhung von 0,25 Prozent beschließen wird. Gleichzeitig sollte die Notenbank ankündigen, weitere Zinsanhebungen zeitlich gestreckt und nur in Trippelschritten vorzunehmen. Das wären dann die ersten Maßnahmen in Richtung einer Normalisierung des Zinsgefüges. Allerdings würde sich dieser Anpassungsprozess vermutlich über mehrere Jahre hinziehen und wäre von der Wirtschaft zu verkraften. 

Fed-Entscheidung sorgte für Verwirrung 

Auf ihrer Sitzung im September 2015 sahen die US-Notenbanker davon ab, die bereits seit längerer Zeit angekündigte Zinswende einzuleiten. Fed-Chefin Janet Yellen verwies zur Begründung direkt oder indirekt auf Schwächetendenzen der Weltwirtschaft und die Unruhe an den Finanzmärkten. Die Argumentation der Geldpolitiker versetzte Investoren in Aufruhr. Die Aktienindizes setzten währenddessen ihre jüngste Talfahrt nach der Fed-Entscheidung fort. 

Ich kann diese Marktreaktion nur schwer nachvollziehen. Befürchtungen, die Konjunktur werde einbrechen, halten wir für übertrieben. Dies gilt gerade für die USA. Gemäß der aktuellen Prognosen der Hamburger Privatbank dürfte das Bruttoinlandsprodukt in den Vereinigten Staaten 2015 um solide 2,5 Prozent anziehen. Für das kommende Jahr wird ein Zuwachs von 2,7 Prozent erwartet. 

US-Börsen von einem Bärenmarkt weit entfernt

Investoren können davon ausgehen, dass der langfristige Aufwärtstrend an den Aktienmärkten in Nordamerika weiterhin intakt ist. Von einem sogenannten Bärenmarkt kann nach gängiger US-Definition erst gesprochen werden, wenn sich die Indizes auf Schlusskursbasis um mindestens 20 Prozent von ihren Top-Ständen entfernt haben. Ein solches Niveau liege jedoch in weiter Ferne. Der S&P 500-Index müsste auf rund 1.700 Punkte fallen, um das Kriterium eines Bärenmarktes zu erfüllen.

Ich gehe nicht davon aus, dass der Markt einen potentiellen Test dieser Marke nicht bestehen könnte. Wir halten es für weitaus wahrscheinlicher, dass der US-Leitindex mittelfristig neue Höchststände erreicht und damit das bullische Szenario bestätigt. Bärenmärkte gingen in der Vergangenheit beinahe ausschließlich mit Rezessionen einher. Von einem Abschwung sei in den USA aber nichts zu spüren. Die Wirtschaft befinde sich vielmehr im Aufwärtstrend. Außerdem seien die börsennotierten US-Unternehmen keineswegs überteuert.